Folgt dem Genesepfad

Glaubt man dem Klappentext dieser neuen Publikation, die in diesem Monat im Jovis-Verlag erscheint, dann zeigen heutige Hochhäuser eine „typologische Erschöpfung“. Ganz anders sieht der Karlsruher Architekt Falk Schneemann die Vielfalt dieser Baugattung in den Nachkriegsjahrzehnten der Bundesrepublik. Unter dem Titel „Das Hochhaus als Gewebe von Gestaltung und Technik“ wagt er zunächst einen Überblick über die Entwicklung vom frühen 20. Jahrhundert bis 1930 in den USA und in Deutschland.

Im Hauptteil der Publikation präsentiert Schneemann 100 Beispiele der Jahre 1945 bis 1980 – sortiert nach Gestaltungsmerkmalen von „Brikettgrundriss“ bis „Treppe“. Dank „technikphilosophischer und technikgenetischer“ Ansätze will er dabei Entwicklungsschübe, Brüche und Gemeinsamkeiten aufzeigen. Am Ende leitet er daraus einen „Genesepfad“ ab, der dabei helfen soll, aktuelle Tendenzen im Hochhausbau besser einzuordnen. (kb, 21.2.21)

Schneemann, Falk, Das Hochhaus als Gewebe von Gestaltung und Technik. Bauten und Projekte in Westdeutschland zwischen 1945 und 1980, Jovis-Verlag, Berlin 2021, Broschur, 16,5 × 22 cm, 304 Seiten, ISBN 978-3-86859-655-7, Deutsch.

Titelmotiv: Skyline (Bild: PD, via pixabay.com)

Cathedrals of Consumption

In der Moderne waren sie die eigentlichen Wallfahrtsorte: Einkaufszentren, Kaufhäuser und Geschäfte wurden als „Cathedrals of Consumption“ inszeniert. Innovative Baustoffe wie Stahl und Glas, neuste Beleuchtungstechniken und neue Gemeinschaftsräume wie Kunstgalerien oder Ankleidezimmer wurden in die Waagschale des wirtschaftlichen Wettbewerbs geworfen. Eine Formensprache, die mit den Jahrzehnten nur allzu gerne auch für andere Bauaufgaben übernommen wurde.

Bei Ashgate Press soll nun ein Band mit dem Arbeitstitel „Display Architecture: Department Stores and Modern Retail“ erscheinen – und hierfür werden noch gute innovative Beiträge gesucht. Damit setzt Anca I. Lasc eine Diskussion des vergangenen Jahrestreffens der Society of Architectural Historians in Austin fort: Handel kann nicht von seiner architektonischen bzw. architekturhistorischen Seite getrennt werden – von der äußeren Gestaltung bis hin zum Design der Ausstattung. (kb, 24.6.14)

Inkl. Fußnoten/Bibliografie darf jedes Essay max. 6.500 Worte und vier Bilder umfassen. Bis zum 15. Juli 2014 können Abstracts (Thema, Methodik, CV) von max. einer Seite eingereicht werden, die abschließenden Essays würden bis zum 15. Dezember 2014 erbeten. Kontakt: Anca I. Lasc, Assistant Professor – History of Art and Design Department, Pratt Institute, Brooklyn, NY, alasc@pratt.edu.

Berlstedt, Einkaufszentrum, 1976 (Bild: Bundesarchiv Nr. 183-U0202-400, Foto: H. Link, CC BY SA 3.0)

Die Mitte der Berliner Gropiusstadt

Spätestens seit dem Skandal-Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wird die Berliner Gropiusstadt ihr Schmuddel-Image nicht mehr los. Doch sehen Architekturbegeisterte längst mehr als einen „sozialen Brennpunkt“, entwarf doch kein Geringerer als Walter Gropius (1883-1969) die modellhafte Neubausiedlung. Mit seinem Büro „The Architects Collaborative“ entwickelte der Bauhaus-Künstler das innovative Konzept, das bis 1975 in stark veränderter Form im Berliner Stadtteil Neukölln umgesetzt wurde.

In seinem Buch „Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt“ untersucht der Architekturhistoriker Jan Hendrik Brinkkötter die Planungsgeschichte der Gropiusstadt. Er konzentriert sich auf zwei prägende Bauten: das halbrunde Gropiushaus und das Hochhaus der Baugenossenschaft Ideal. Über vielfältiges Plan- und Abbildungsmaterial hinaus bietet das Taschenbuch eine Chronik und Informationen zu den beteiligten Personen. (kb, 19.6.14)

Jan Hendrik Brinkkötter, Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt, 2014, Taschenbuch, 150 Seiten, ISBN 978-3000439704.

Jan Brinkkötter untersucht die Planungsgeschichte der Berliner Gropiusstadt (Bild: J. Brinkkötter)