Monographisches zu Hillebrecht

Er gilt als einer der konsequentesten Verfechter der autogerechten Stadt und machte Hannover zum Primus des westdeutschen Wiederaufbaus – die Rede ist natürlich von Rudolf Hillebrecht. Kürzlich legte Ralf Dorn endlich eine umfassende Monographie zu dieser Schlüsselfigur der deutschen Nachkriegsmoderne vor.

Das Buch beleuchtet nicht nur Hillebrechts Amtszeit als Stadtbaurat in Hannover (1948-1975!), die bis heute überregional polarisiert. Auch die Studienzeit in der Weimarer Republik – unter anderem bei Heinrich Tessenow und Hermann Jansen – wird beleuchtet, ebenso die Zeit als Büroleiter bei Konstanty Gutschow und die Arbeit für den Wiederaufbaustab Albert Speers. Als Vorbilder Hillebrechts identifiziert der Autor Walter Gropius und Fritz Schumacher, in der Nachkriegszeit avancierte Hillebrecht selbst zum Idol zeitgenössischer Städtebauer. Der Architekt erscheint als Archetyp für die deutsche Architektenschaft des 20. Jahrhunderts, die sich durch den Nimbus des unpolitischen Expertentums beruflichen Erfolg über die historischen Zäsuren von Nationalsozialismus, Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg sichern konnten. Gleichzeitig tritt dem Leser mit Hillebrecht ein Ausnahmetalent entgegen, dessen Organisationsgeschick und planerische Fähigkeiten Hannover dauerhaft ihren Stempel aufdrückten. (jr, 20.12.17)

Dorn, Ralf, Der Architekt und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht. Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Planungsgeschichte im 20. Jahrhundert, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-7861-2789-5.

Dr. Ralf Dorn

Dr. Ralf Dorn (Bild: R. Dorn)Studium der Informatik (Dipl.-Inform.) und Kunstgeschichte (Dr. phil.), 2001-07 wiss. Mitarbeiter an der Universität Trier, Fachgebiet Kunstgeschichte; 2008-13 wiss. Mitarbeiter an der TU Darmstadt, Geschichte und Theorie der Architektur, 2013/14 Lehrauftrag an der FH Mainz, Fachbereich Gestaltung; heute PostDoc im DFG-Graduiertenkolleg 1913 der BTU-Cottbus-Senftenberg.

Beiträge: Hannover, Innenstadt (15/2).