Petition fürs Rathaus

Die Ortsverwaltung Obersasbach am Westrand des Schwarzwalds soll dem Neubau eines Kindergartens weichen. Gegen den Abriss des Gebäudes aus dem Jahr 1957 regt sich jedoch Widerstand. Vier Sasbacher haben nun eine Petition gestartet mit dem Ziel, dass der Ortschaftsrat Obersasbach und der Gemeinderat Sasbach ihren Beschluss von 2020 nochmals überdenken und revidieren. Ein Neu- oder Erweiterungsbau des Kindergartens wäre aus Sicht der Initiatoren ohne Abriss des Rathauses möglich. Begründet wird die Petition damit, dass das Gebäude in der Ortsmitte einst mit vielen privaten Spenden und ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen der Einwohner errichtet wurde. O-Ton: „Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bevölkerung stolz auf eine neue Ortsmitte mit Friedhof und Kirche (erbaut 1952), Rathaus (erbaut 1957), Schule (erbaut 1961). So besteht heute die einzigartige Achse Friedhof, Kirche, Kriegerdenkmal, Rathaus, Schule und Kindergarten“.

Zur Gebäudesubstanz der Ortsverwaltung wird festgestellt, dass sich im Obergeschoss des Gebäudes vier Sozialwohnungen in gutem Zustand befänden, für die bei einem Abriss an anderer Stelle Ersatz gefunden oder neu gebaut werden müsse. Zudem wurde der Rathausbau erst vor wenigen Jahren saniert und befinde sich in gutem Zustand, sei „auf dem Stand der Technik“. Auch finanziele und ökologische Aspekte werden angeführt: Abriss und Entsorgung des Gebäudes verursachen ebenso Kosten wie der Umzug der Ortsverwaltung. Und durch den Erhalt des Gebäudes habe die Gemeinde die Möglichkeit, dem heutigen Klimagedanken gerecht zu werden. Wertvolle Energie und Ressourcen, die für umfangreiche Baumaßnahmen benötigt würden, könnten eingespart werden. (db, 13.9.21)

Obersasbach, Rathaus (Bild: Tobias Graf)

50 Jahre Rathaus Offenbach

Es gab eine Zeit, da schickte sich eine hessische Großstadt an, Hochburg des Brutalismus zu werden. Es wurden hier etliche sehr gelungene Vertreter der Gattung gebaut, darunter einige Hochhäuser, auf die die Nachbarstädte neidisch blickten. Nein – es geht nicht um Frankfurt. Wir sprechen von Offenbach am Main. Vor wenigen Tagen hat der aus diversen Gründen wichtigste Wolkenkratzer der Stadt sein 50. Jubiläum gefeiert: Am 10. Juli 1971 wurde das Rathaus Offenbach eingeweiht. Noch heute ist es in Nutzung, und es war damals nach fast 1000 Jahren Stadtgeschichte tatsächlich der erste explizit als Rathaus konzipierte Bau dieser Stadt. Bis dahin war die Verwaltung stets in für sie umfunktionierten Gebäuden untergebracht, zeitweise verteilt auf bis zu 20 Häuser.

Geplant hat das 15 Stockwerke hohe, brutalistische Rathaus die Architektengemeinschaft Maier, Graf, Speidel und Schanty (Stuttgart/Frankfurt). 13.000 Kubikmeter Beton, 1300 Tonnen Stahl und 22 Millionen D-Mark wurden im 72 Meter hohen Dreiecks-Turm verbaut, Baubeginn war im Sommer 1968. In den vergangenen Jahren wurde er saniert und steht seit 2006 unter Denkmalschutz. Zum Rathaus-Jubiläum präsentiert das Offenbacher Haus der Stadtgeschichte in der Herrnstraße eine kleine Installation zum Thema: Dort ist unter anderem der Schreibtisch des einstigen Oberbürgermeisters Georg Dietrich ausgestellt, der 1971 in seinem neuen Büro innstalliert wurde. Und auch die Urkunde der Grundsteinlegung des Rathauses am 27. September 1968 ist zu sehen. Darin formuliert Dietrich den Wunsch, das Rathaus möge als „weltoffener und kraftvoller Mittelpunkt einer modernen Verwaltung den Bürgerinnen und Bürgern auch der kommenden Generationen auf allen Gebieten der Daseinsvorsorge dienen.“ Hat geklappt! (db, 14.7.21)

Offenbach, Rathaus (Bild: Falcomata CC BY-SA 4.0)

Braunschweig: Technisches Rathaus in Gefahr

Die Berichterstattung über das Technische Rathaus ist in Braunschweig nicht von großer Liebe geprägt. Da ist von „hässlich“ die Rede, von „ungepflegt“ und „düster“. Der brutalistiche Riegel wurde 1971 in bester Lage, in direkter Nähe zum Dom und zum wiederhergerichteten Schloss, fertiggestellt. Die quergelagerte Fassadenstruktur bildete damals einen bewussten Gegenpol zum angrenzenden historistischen Rathaus, das Stadtbaurat Ludwig Winter 1900 gestaltet hatte – und das die Kriegsjahre nahezu unbeschadet überstanden hatte. Doch für den Erweiterungsbau war schon bald Gefahr im Verzug: Erste radikale Sanierungspläne, die einem Teilabriss gleichgekommen wären, scheiterten 2009 u. a. an den Finanzen.

Aktuell plant die Stadtverwaltung in einen Neubau im entstehenden Brawo-Park in Bahnhofsnähe umzuziehen, der 2023 fertiggestellt sein soll. Parallel läuft ein mehrstufiger Wettbewerb, um das bestehende Technische Rathaus zu sanieren. In der ersten Phase will man eine städtebauliche Lösung suchen, in der zweiten Phase die Funktionen des Neubaus in den Blick nehmen. Aktuell sind rund 15 Millionen Euro an Sanierungskosten im Gespräch. Ein AfD-Antrag, der auch einen Abriss in den Blick nahm, wurde im Stadtrat abgelehnt. Vertreter:innen der Linken monierten, dass man zum einen den Bestand aufwändig sanieren, zum anderen einen Neubau anmieten wolle. Es bleibt nun abzuwarten, ob eine tiefgreifende Sanierung sich von der Abrisslösung tatsächlich wesentlich unterscheiden wird. Ein Stolperstein könnte wie schon 2009 darin liegen, dass die Stadt nicht alleinige Eigentümerin der Immobilie ist – auch die Ladenbetreiber:innen im Erdgeschoss haben ein (finanzielles) Wörtchen mitzureden. (kb, 10.4.21)

Braunschweig, Technisches Rathaus (Bild: PtrQs, CC BY SA 4.0, 2019)