Keine Nazi-Keule

Das berühmteste Werk des Architekten Emil Fahrenkamp ist das 1930-32 gebaute Shell-Haus am Berliner Landwehrkanal. Nach 1933 wandte sich Fahrenkamp – auch ideologisch – vom Neuen Bauen ab, leitete den Bau der Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei und war von Joseph Goebbels mit dem Innenausbau von Schloss Rheydt und dem Bau der Filmstadt Babelsberg beauftragt worden. 1937 wurde er zum Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie ernannt. Posten und Professur verlor er nach dem Krieg, 1948 wurde Emil Fahrenkamp offiziell entnazifiziert – und baute fortan bis Anfang der 1960er weiter. Eine deutsche Karriere …

Zu Fahrenkamps Spätwerk zählt die 1957 für den Demag-Vorstand Alfred E. Schulz errichtete Villa in Ratingen-Hösel. Seit 2018 steht das Gebäude als prototypisches Beispiel der Villen-Architektur dieser Gegend unter Denkmalschutz. Dagegen wollte sich der Eigentümer Guido Arens wehren – mit Verweis auf die NS-Verstrickungen des Architekten. Untermauern sollten dies Gutachten, die dem Haus sowohl „typische NS-Wohnkultur“ als auch wertmindernde Umbauten bescheinigen. Die Klage ist vorm Düsseldorfer Amtsgericht gescheitert. Das Denkmalrecht sehe keinen Ausschluss aus politisch-moralischen Gründen vor, befand das Gericht am 11. Februar (Az.: 28 K 823/18). Pikant: Der heutige Besitzer erwarb das Gebäude 2018, als die Unterschutzstellung bereits im Gange war. Und ob ein Immobilienkaufmann ein 8000-Quadratmeter-Grundstück kauft, um das auf ihm befindliche Gebäude aus moralischen Gründen abreißen zu lassen, darf zumindest angezweifelt werden … (db, 14.2.21)

Berlin, Shell-Haus (Bild: Norro, CC BY-SA 3.0)

Kleine Modellstadt Minidomm

Es waren nicht nur Kathedralen und Hängebrücken, die es dem Architekten und Künstler Wilhelm „Willi“ Dommel angetan hatten. 1967 begründete er in Ratingen-Breitscheid den „Minidomm“ – als Freizeitpark für die ganze Familie: Architekturgeschichte bis in die (damalige) Gegenwart in 1:25. Im ehemaligen Sumpfgebiet zeigte man auf 80.000 Quadratmetern zuletzt über 300 Beispiele der „besten deutschen Architektur“: von Schloss Neuschwanstein und dem Ulmer Münster bis hin zum Brüsseler Atomium, dem Berliner Olympiastadion, der Dortmunder Westfalenhalle und dem Flughafen Köln/Bonn. Im Laufe der Zeit kam noch ein überregional bekannter Restaurantbetrieb hinzu, im Park konnte man aus einem Wagen der Wuppertaler Schwebebahn Snacks kaufen.

Es wurde schwieriger, sich gegen die immer spektakulären Vergnügungsparks behaupten. Das Ende kam 1992: Georg, der Sohn Dommels und damals Leiter des Parks versuchte vergeblich, die Gesamtheit der Modelle zu verkaufen. Die Miniaturen kamen in private Hände oder wurden entsorgt. Das Restaurantgebäude stand gleich zweimal in Brand und wurde abgebrochen. Heute befindet sich auf dem Areal ein Gewerbegebiet. Die Ausstellung „Kleine Modellstadt“ zeigt in Stuttgart (Die Raumgalerie, Ludwigstraße 73, 70176 Stuttgart) noch bis zum 9. Juli 2019 Fotografien des Minidomm von Christian Konrad und Stefan Schneider. Hinzu kommen Videoaufnahmen, zur Verfügung gestellt von den Minidomm-Fans. (pl, 30.5.19)

Titelmotiv: Ratingen-Breitscheid, Minidomm, Modell des Brüsseler Atomiums (Bild: C. Konrad/St. Schneider, Minidommarchiv, 1991)