Als die Moderne baden ging

Wasser heißt Leben, ob als erfrischendes Getränk im Glas oder als kühlendes Nass im Schwimmbecken. Letzteres bleibt vielerorts jedoch immer häufiger leer. Für manche Städte und Gemeinden ist der Betrieb zu teuer geworden, obwohl man Schwimmbäder auch politisch zumeist als Teil der Grundversorgung betrachtet. Sanierungen oder Umnutzungen kommt nicht selten der Abrissbagger zuvor. Um diesem Missstand mit Wissen zu begegnen, hat sich der Berliner Historiker und Journalist Matthias Oloew in seiner Dissertation mit der Architekturgeschichte des Schwimmbads befasst.

Bereits im April vergangenen Jahres erschienen seine Forschungsergebnisse im Reimer-Mann-Verlag unter dem treffenden Titel „Schwimmbäder“. Auf fast 400 Seiten legt Oloew einen bisher oft vermissten Überblick der Entwicklung dieser besonderen Bauaufgabe vor. Gleichermaßen bezieht er Freibäder und Hallenbäder sowie deren Kombination in seine chronologische Abhandlung von 1830 bis in die Gegenwart mit ein. Abschließend wird der heutige Umgang mit kommunalen Bädern kritisch hinterfragt. Mögliche Alternativen werden aufgezeigt. (mk, 23.9.20)

Oloew, Matthias, Schwimmbäder. 200 Jahre Architekturgeschichte des öffentlichen Bades, Dietrich-Reimer-Verlag, Berlin 2019, 392 Seiten, 22 Farb- und 234 Schwarz-Weiß-Abbildungen, 20 x 26 cm, Hardcover, ISBN 978-3-496-01617-5.

Titelmotiv: Schwimmbad mit Illusionsmalerie von Volker Wunderlich (Bild: PD, via wikimedia commons)

Herbert Rimpl. NS und Wiederaufbau

Herbert Rimpl (1902-78) leitete den größten Architekturkonzern Westeuropas im Dritten Reich – und prägte nur wenige Jahre später den bundesdeutschen Wiederaufbau. Ein widersprüchliches Architektenleben, dem Jo Sollich im Reimer-Mann-Verlag nun eine reich bebilderte Publikation gewidmet hat. Nach seinem Studium in München wurde Rimpl bekannt für moderne Industriebauten, u. a. das Oranienburger Heinkel-Werk. In der NS-Zeit erhielt er auch repräsentative städtebauliche Aufträge von Herrmann Göring oder Albert Speer.

Nach dem Krieg wirkte Rimpl als freier Architekt mit eigenem Büro in Mainz und Wiesbaden. In der hessischen Landeshauptstadt setzte er, über Projekte im Wiederaufbau hinaus, z. B. das Bundeskriminalamt (1954) oder in Biebrich die Heiliggeistkirche (1960) um. Der Architekturhistoriker Sollich geht Rimpls Schaffen nicht allein aus ästhetisch-soziologischer Sicht nach. Ein umfangreiches Werk- und Mitarbeiterverzeichnis runden seine Publikation ab. (kb, 13.6.14)

Jo Sollich, Herbert Rimpl (1902–1978), Architekturkonzern unter Hermann Göring und Albert Speer – Architekt des deutschen Wiederaufbaus, Reimer-Mann-Verlag, 2013, 431 Seiten, 617 Abbildungen, 21 × 26 cm, gebunden, ISBN 978-3-496-01481-2.

Eine neue Publikation stellt das widersprüchliche Leben des Architekten Herbert Rimpl in der NS- und Nachkriegszeit dar (Bild: Reimer-Mann-Verlag)