Ein Hotel im Lustgarten

Seit einigen Jahren befindet sich die Architektur von Potsdam im Umbruch. Das historische Stadtbild der Vorkriegszeit wird an vielen Stellen, v. a. in der Stadtmitte wiederhergestellt. Der Autor Jörg Fröhlich versucht in seinem Buch „Ein Hotel im Lustgarten von Potsdam“ – 2014 in zweiter Auflage erschienen – darzustellen, dass neben der preußischen Barockarchitektur gleichberechtigt in der Stadt Potsdam auch die „Ostmoderne“ ihren Platz hat.

Fröhlich widmet sich der Geschichte des „Interhotels Potsdam“, des heutigen „Hotel Mercure“ im Lustgarten an der Langen Brücke, des einstigen Wahrzeiches im Potsdamer Stadtzentrum. Um 1960 wurde hier ein „neues sozialistisches Stadtzentrum“ geschaffen – und als markanten Teil davon gestaltete Sepp Weber bis 1969 das Interhotel. Der Autor will mit seiner Beschreibung des „Lustgarten-Ensembles“ und seines Hotels die Zeit der Umgestaltung des Stadtgebietes ab 1949 noch einmal Revue passieren lassen – und zugleich um Verständnis zum Erhalt ausgewählter DDR-Architektur in der Stadt Potsdam werben. (kb, 22.9.15)

Fröhlich, Jörg, Ein Hotel im Lustgarten. Das Interhotel Potsdam in historischer Umgebung von 1968 bis heute, Books on Demand, 2014, 2. Auflage, Taschenbuch, 72 Seiten, 18,9 x 0,4 x 24,6 cm, ISBN: 978-3848228546.

Titelmotiv: Buchcover

Potsdamer Mitte: Alt oder neu?

Rekonstruktivismus scheint ansteckend zu sein: Aktuell breitet er sich über Potsdam aus. Schon 2012 wurde der neue Landtag an die Form des 1960 abgebrochenen historischen Stadtschlosses angelehnt. Nun denkt man laut über die „Potsdamer Mitte“ nach. Seit 2014 läuft ein mehrstufiges „Werkstattverfahren“, um die Neugestaltung des Lustgartengeländes zu diskutieren. Um 1960 wurde hier ein „neues sozialistisches Stadtzentrum“ geschaffen – und als markanten Teil davon gestaltete Sepp Weber bis 1969 das Interhotel.

Nach der Wende als Mercure-Hotel weiter betrieben, wird diese neue „Stadtkrone“ nach einem Eigentümerwechsel lebhaft diskutiert. Soll sie gehalten, abgerissen oder „verschönert“ werden? Zwischenzeitlich liebäugelte die Stadt damit, das Hochhaus zu kaufen, niederzulegen und die neue Freifläche dem historischen Lustgarten anzugliedern. Auf der anderen Seite setzt sich die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ für die ostmodernen Gestaltungsqualitäten des Ensembles ein. Das Werkstattverfahren brachte mehrheitlich Entwürfe, die Fläche ohne das Hochhaus zu entwickeln. Eine Bürgerbefragung und ein Stadtverordnetenbeschluss vom März 2015 hingegen sprechen sich gegen den Abriss des Hotelriesen aus. (kb, 1.5.15)

Potsdam 1970: Interhotel vor historischen Arkaden (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0721-0301-001, CC BY SA 3.0.de, Foto: Hubert Link, 1970)

Wiederaufbau europäischer Städte

Wiederaufbau europäischer Städte

Das kriegszerstörte Hamburg (Bild: Dowd J)
Das kriegszerstörte Hamburg (Bild: Dowd J)

Wiederaufbau und (Re)konstruktion kriegszerstörter Städte und ihrer Identitäten sind Themen, die Architekturhistoriker in den letzten Jahren immer wieder kontrovers diskutierten. Der jüngst erschienene, von Georg Wagner-Kyora herausgegebene Sammelband beleuchtet den Themenkomplex am Beispiel europäischer Städte nach 1945 und verbindet soziokulturelle Fragestellungen mit konkreten Fallstudien. Er ist das Ergebnis der 2009 in Hamburg veranstalteten internationalen Historikertagung „Wiederaufbau der Städte: Europa seit 1945 / Rebuilding European Cities: Reconstruction-Policy since 1945“.

Der Band ist thematisch in drei Teile untergliedert. Der erste befasst sich mit Identitätspolitik im Wiederaufbau. Die Beiträge widmen sich dabei verschiedenen Wiederaufbaukonzepten im kriegszerstörten Europa und scheuen auch nicht den Vergleich über Ländergrenzen hinweg. Darauf aufbauend fokussiert der zweite Teil Geschichtspolitik und Medien. Das dritte Großkapitel ist mit „Rekonstruktion in der Moderne“ überschrieben und beleuchtet anhand verschiedener historischer Fallbeispiele von Hamburg über Tallinn, Mailand oder Pforzheim die (Re)konstruktion urbaner Identitäten. (jr, 6.11.2014)

Wagner-Kyora, Georg (Hg.), Wiederaufbau europäischer Städte/Rebuilding European Cities. Rekonstruktionen, die Moderne und die lokale Identitätspolitik seit 1945/Reconstructions, Modernity and the Local Politics of Identity Construction since 1945, Stuttgart 2014, 485 Seite, 112 Abbildungen, ISBN 978-3-515-10623-8.