Resozialisierung

Das bulgarische Buzludzha-Denkmal ist in den vergangenen Jahren als stimmungsvoller Brutalismus-Lost-Place bekannt geworden. Seit Sommer 2018 wird es fachkundig untersucht von ICOMOS Deutschland und der TU München, um gemeinsam mit lokalen Partnern der Buzludzha Project Foundation um Dora Ivanova einen Denkmalpflege- und Notsicherungsplan zu erstellen. Vor diesem Hintergrund sollen nun in München die bisherigen Erfahrungen diskutiert und in einen weiteren internationalen Kontext gestellt werden. Denn über konservatorisch-restauratorische Details hinaus geht es hier um „politisch wie ideologisch höchst umstrittene Hinterlassenschaften“, so die Veranstalter, „welche auf vielfache Weise Fragen der nationalen und kulturellen Identität berühren“.

„Resozialisierung – Zum Erbe einer ‚Sozialistischen Moderne‘“, die Vortragsreihe der Professur NB, Prof. Dr. Putz, und des Lehrstuhls RKK, Prof. Dr. Danzl, startet am 10. November 2020 mit einer Einführung inkl. Podiumsdiskussion und setzt sich mit Einzelvorträgen fort am 24. November und 8. Dezember 2020, am 12. Januar, 26. Januar und 9. Februar 2021 jeweils um 19 Uhr. Um Registrierung wird gebeten unter: www.ar.tum.de/nb/lehre/vorlesung (Zoom-Webinar ID:964–6754–6300). Kooperationspartner der TUM-Veranstaltungsreihe sind die Bayerische Architektenkammer, die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, reused.TUM.de – und moderneREGIONAL. (kb, 23.10.20)

Titelmotiv: Heinz Drache/Walter Rehn: „Unser sozialistisches Leben“, Kulturpalast Dresden (Bildquelle: Veranstaltungsplakat)

Betondatenbank

Was Sie immer schon über Beton wissen wollten und sich nicht zu fragen trauten: Hier finden Sie Antworten! Mit der interaktiven englischsprachigen Online-Datenbank „InnovaConcrete“ stellen sich weltweit Experten der Betonsanierung und -restaurierung vor. Denn, so die Betreiber der Seite, was wäre die Kultur des 20. Jahrhunderts ohne den grauen Kunststein. Von der Skulptur bis zur Architektur fand der günstige und formbare Baustoff reiche Anwendung. Immer wieder wurden neue Zusammensetzungen und Techniken erprobt, die sich bei der Restaurierung allzu oft als Wundertüte entpuppen.

Umso wichtiger ist es für die Praxis, von der Denkmalpflege bis zum Architekturbüro, auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen zu können. Um Erfahrungen, Methoden und Adressen austauschen zu können. Hier will „InnovaConcrete“ mit einem einfachen Tool bei der Entscheidungsfindung helfen. Als Grundlage werden u. a. die Leitlinien von ICOMOS zugänglich gemacht. Weiterführend soll der Nutzer den (kulturellen) Wert eines Betonbaus einschätzen, die Bau- und Konstruktionsgeschichte besser verstehen sowie einen angemessenen Weg zur Erhaltung entwickeln können. Entsprechend hält die von der Europäischen Union geförderte Datenbank u. a. eine Literaturliste, Fallstudien und eine Experten-Adressliste bereit. (kb, 22.4.20)

Sylt, Tetrapode am Strand (Bild: AndreasS, GFDL, 2004)

Rückkehr der Arbeiterklasse

Im Rathaus Neubrandenburg kehrt die sozialistische Kunst zurück: Die Restauratorin Helma-Konstanze Groll hat mit der Freilegung des zweiteiligen Bildes „Kampf und Sieg der Arbeiterklasse“ von Wolfram Schubert begonnen, das 1991 überklebt worden war. Der heute 93-jährige hatte das Werk 1969 zum 20. Jahrestag der DDR für die SED-Bezirksleitung und den Rat des Bezirks geschaffen. Als das Bezirksratsgebäude nach der Wiedervereinigung zum Rathaus wurde, kamen die Maler… Anlässlich der jetzigen Sanierung des Ostmoderne-Baus von 1967 wurde beschlossen, das Wandbild wieder sichtbar zu machen. „Wir können heute viel offensiver mit solcher Kunst umgehen, als gleich nach der Wende“, so Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos).

Wolfram Schubert, der dem Arbeitsbeginn beiwohnte, sagte denn auch, dass er „das heute nicht mehr so malen würde“ – schon mit Blick auf die Ereignisse des Prager Frühlings 1968. Der nahe Jüterbog geborene Schubert war von 1965-88 Vorsitzender des Bezirksverbands Bildender Künstler in Neubrandenburg und 1973-77 Leiter des Fachgebiets Malerei an der Kunsthochschule Weißensee. Er galt als einer der einflussreichsten Künstler der DDR. Die Kosten, das 30 Quadratmeter große Werk zu restaurieren, auf dem unter anderem Marx und Lenin abgebildet sind, werden auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Wolfram Schubert hat angeboten, bei Bedarf auch selbst das Gerüst zu erklimmen. (db, 9.2.20)

Neubrandenburg, Rathaus, Ausschnitt „Kampf und Sieg der Arbeiterklasse“ (Bild: Stadtarchiv Neubrandenburg)