Ratlos in Reutlingen?

Die CDU-Gemeinderatsfraktion in Reutlingen hat jüngst mit Blick auf die Sanierungskosten beantragt, zu prüfen, ob der Denkmalschutz fürs Rathausensemble aufgehoben werden könne. Damit der Weg für den Abbruch des Verwaltungstrakts frei wäre – während das Ratsgebäude unangetastet bliebe. Grüne und SPD widersprechen: „Mit diesem Rathausbau ist sowohl der Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung wie einer demokratischen offenen Bürgergesellschaft Ausdruck gegeben worden“ , schreibt die Sprecherin der Grünen in einer Stellungnahme: „Dies sehen wir auch heute als ein wichtiges Zeichen an“. Auch die SPD schließt den (Teil-)Abriss aus. Rathaus, Marktplatz und Marienkirche seien „das demokratische Herz unserer Stadt, eine seit der Antike und dem Mittelalter geschaffene Tradition mitten in Europa mit hoher sinnstiftender Qualität und Orientierung!“ so Fraktionschef Helmut Treutlein.

Im April 1966 wurde das Rathaus eingeweiht, Architekten waren der Bonatz-Schüler Wilhelm Tiedje und sein Partner Rudolf Volz. Es ersetzte das neogotische Ratsgebäude, das 1945 zerstört wurde. Der Moderne-Bau war 2012 Ort der Tagung „Klötze und Plätze – Wege zu einem neuen Bewusstsein für Großbauten der 1960er und 1970er Jahre“. Die Bewusstseinserweiterung hatte Früchte getragen: 2013 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Im Wasmuth-Verlag erschien der Band „Bestandaufnahme(n)“, in dem die Fotografin Rose Hajdu das Rathaus würdigt und ihre Bilder den zeitgenössischen Schwarzweiß-Aufnahmen von Gottfried Planck (1930-2003) gegenüberstellt. (db, 17.4.20)

Reutlingen, Rathaus (Bild: Greencherry, CC BY SA 4.0)

Reutlingen sucht Architekt/in

Reutlingen sucht Architekt/in

Reutlingen, Rathaus (Bild: Greencherry, CC-BY-SA 4.0)
Gerade erst 50 geworden: das Reutlingener Rathaus (Bild: Greencherry, CC-BY-SA 4.0)

In der heimeligen Altstadt von Reutlingen wird das wuchtige Rathaus noch immer gerne als Fremdkörper bezeichnet. Vor wenigen Jahren schlug die dortige CDU-Fraktion vor, den Verwaltungstrakt zu verkaufen und abzureißen, damit ein Investor ein Shopping-Center bauen könne. Gestoppt wurden die Pläne zunächst durch die Landesdenkmalpflege, als das Rathaus 2013 unter Schutz kam. Im April 1966 wurde das Rathaus eingeweiht, Architekten waren der Bonatz-Schüler Wilhelm Tiedje und sein Partner Rudolf Volz. Es ersetzte das neogotische Ratsgebäude, das im März 1945 zerstört wurde.

Jüngst konnte das Reutlinger Rathaus sein 50-jähriges Jubiläum feiern – ohne dass ein Bagger daran geknabbert hat. Nun sucht die Stadt für die denkmalgerechte Sanierung seines Rathausgebäudes für die neu gegründete Abteilung Sonderprojekte zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/einen Architektin/Architekten. „‚Kernbereich‘ des Aufgabengebietes ist die Wahrnehmung von Bauherrenaufgaben.“ Erwartet werden: ein abgeschlossenes Architekturstudium (Dipl. Ing. oder Bachelor) oder eine vergleichbare Qualifikation, Erfahrung im Bereich Projektmanagement, sehr gute Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit sowie Teamfähigkeit sowie eine selbständige, sorgfältige und zuverlässige Arbeitsweise. Bewerbungen werden bis 13. August 2016 online entgegengenommen. Wünschen wir dem Geburtstagskind Rathaus möglichst viele gute Bewerber! (db/kb, 3.8.16)