Bausünden und Baukultur

Parallel zum Tag der Architektur laden jedes Jahr regionale Architektengruppen und ihre Partner ein zu Aktionen in der rheinland-pfälzischen „Woche der Baukultur“. Acht verschiedene Veranstaltungen in Pirmasens, Koblenz, Landau, Trier, Kaiserslautern, Bad Kreuznach und Mainz sowie eine Kinderbustour in Ingelheim bieten ab dem 22. Juni ein reichhaltiges Programm: Von der Ausstellungseröffnung über Bus-Touren zu ausgewählten Objekten bis zum Waldspaziergang. Es ist in jedem Fall ratsam, sich auf der Homepage www.diearchitekten.org zu informieren, da einige Veranstaltungen eine vorherige Anmeldung erfordern.

Ans Herz legen möchten wir Ihnen das Programm in Mainz, wo im Café Gutleut drei Vorträge zu hören sein werden: „Das Mainzer Staatstheater im Wandel“ (19.6., 18.30 Uhr), „Werkbericht DFZ Architekten“ (21.6., 18.30 Uhr) und zur Eröffnung am 16.6. um 17.30 Uhr „Die Kunst der Bausünde“ – Turit Fröbe stellt grauenhaft schöne architektonische Geschmacksabstürze vor. Denn die gute Bausünde hebt sich von der schlechten Bausünde ab. Wir sehen uns in Mainz. Oder in Bad Kreuznach. Oder in Landau. Oder … (db, 11.6.17)

Berliner Bausünde (Bild: Turit Fröbe)

Schweres Erbe?

Manches Erbe wird als Last empfunden, hält es doch die Erinnerung an Geschichte(n) wach, die man eigentlich lieber vergessen würde. Besonders gilt das für die Hinterlassenschaften des Dritten Reiches – gleich, ob es um Repräsentationsbauten des Regimes geht oder um verschwindende Spuren ihres Terrors. Wie aufwühlend die Fragen nach einem angemessenen Umgang sind, zeigen aktuelle Debatten: die um die Sanierung des Hauses der Kunst in München durch David Chipperfield Architects zum Beispiel. In Mainz wurde gerade der Wettbewerb zur Gestaltung eines Gedenkortes „Deportationsrampe“ entschieden.

Die Hambacher Architekturgespräche bieten jedes Jahr eine Podiumsdiskussion an der Nahtstelle zwischen Architektur und baukulturellem Erbe. In diesem Jahr sprechen die Experten am 1. Juni ab 18 Uhr darüber, ob die Steine oder die Menschen die Verantwortung und wie das Erinnern tragen. Eingeladen wurden der Partner von Chipperfield Architects, der Architekt Martin Reichert, sowie der Architekt Peter Weber, der mit seinem Atelier den Wettbewerb Deportationsrampe Mainz für sich entschieden hat. Mit Ihnen diskutieren Dr. Julia Binder, Stadt- und Regionalsoziologin an der TU Cottbus, Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE und Kammerpräsident Gerold Reker. (kb, 24.5.17)

München, Haus der Kunst, 2014 (Bild: M(e)ister Eiskalt, CC BBY SA 4.0)

Im Generalstabsgebäude Landau

Im Generalstabsgebäude Landau

Landau, Generalstabsgebäude (Foto: Thomas Holch)
Soll zu Wohnungen umgenutzt werden: das  Generalstabsgebäude Landau (Foto: T. Holch)

Das Generalstabsgebäude in Landau, ein in den frühen 1950er Jahren entstandener Verwaltungsbau der französischen Besatzungsarmee am Rande des Stadtentwicklungsgeländes der Landesgartenschau 2015, wird gerade zu Wohnungen umgebaut. Unter dem neuen Namen „Philosphengärten“ möchte Thorsten Holch, Investor und selbst Architekt, hochwertigen Wohnungsbau in die inzwischen denkmalgeschützte Substanz einbinden. Großzügige Balkone für moderne Wohnansprüche und der Erhalt einer Verwaltungsarchitektur der Nachkriegszeit – geht das zusammen? Tiefgarage, Energieeffizienz, Aufzug und lichte Wohnungen unter dem Dach – das alles gilt es, im Einklang mit den denkmalpflegerischen Anforderungen umzusetzen.

Unmittelbar vor der Fertigstellung macht die Reihe „Ortsgespräche“ zu ihrer fünften Ausgabe am 30. September 2016 um 17 Uhr in Landau Station. Diesmal stehen Rundgang und Diskussionsrunde im Zeichen von Konversion, Nachkriegsmoderne und moderner Wohnnutzung. Die Denkmalpflege und Architekten stellen das Projekt vor, es folgt die vom renommierten Architekturkritiker Dr. Wolfgang Bachmann moderierte Gesprächsrunde Mit der Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser, dem Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch sowie dem Architekten und Investor Thorsten Holch. Die Reihe „Ortsgespräche“ wird von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und der Generaldirektion Kulturelles Erbe gemeinsam durchgeführt. Kurzentschlossene können sich noch bis zum 27. September anmelden unter Fax (06131/2016-222) und Mail (anmeldung@gdke.rlp.de). (kb, 22.9.16)