Robotron bald ganz platt?

Die Gebäude des VEB Robotron in Dresden sind bereits weitgehend abgeräumt. Nun geht es auch fürs ehemalige Verwaltungsgebäude am Pirnaischen Platz offenbar in die letzte Rund: Die Eigentümer TLG Immobilien hat noch einmal den Mietvertrag mit der Stadt für die Immobilie bis 2025 verlängert. Danach ist alllerdings der Abriss des Gebäudes angekündigt. Lediglich die V-förmigen Träger im Erdgeschoss des Ostmoderne-Baus sollen als Arkadengang am Neubau als Reminiszenz verbleiben.

Ansonsten ändert sich alles: Aus der jetzigen L-Form soll ein geschlossenes Viereck werden. Im hinteren Bereich des Blocks sollen Wohnungen entstehen. Der neue gesamte Innenhof soll nach den Plänen der TLG zur „gebauten Naturlandschaft im Stadtraum“ werden. Sanierung und Erhalt des Robotron-Gebäudes lehnt die TLG ab. Nachdem auch der Erhalt der Robotron-Kantine in weite Ferne gerückt ist, sieht es gerade so aus, als würde Dresden das komplette Robotron-Areal verlieren. Der Gebäudekomplex 1968-74 wurde von einem Architektenkollektiv unter Leitung von Axel Magdeburg und Werner Schmidt realisiert. Der Dresdner Friedrich Kracht entwarf die schmückenden Betonformsteine zusammen mit Karl-Heinz Adler. (db, 31.8.20)

Dresden, VEB Kombinat Robotron 1990 (Bild: Ncarste, CC BY SA 4.0)

Robotron-Kantine wieder vogelfrei

„Ich schlage vor, die Robotron-Kantine abreißen zu lassen und die vorgesehenen über zwölf Millionen Euro zum Beispiel für Mietwohnungsbau, Brückensanierung oder Radwegebau zu verwenden“ lautet der Text einer eingereichten Petition, die nun vom zuständigen Ausschuss geprüft wird. Moment mal! War die Zukunft der Dresdener Robotron-Kantine nicht gesichert? Eigentlich schon: Ende Januar 2019 beschloss die Mehrheit des Stadtbezirksrats den Erhalt ders Flachbaus als Zeugnis der Baukunst der Ostmoderne – auch, wenn Sanierungskosten von 12 Millionen Euro im Raum standen. Die Verwaltung plante, die Kantine in die Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 zu integrieren. Das Projekt ist leider schiefgegangen: Dresden flog Ende 2019 bereits im Vorentscheid raus. Auch die Kaufmöglichkeit der Robotron-Kantine war kurz darauf weg!

Hinter den Kulissen hat die Düsseldorfer Gerch Group nur wenige Tage nach dem Aus der Kulturhauptstadt-Bewerbung das Robotron-Areal vom bisherigen Eigner Immovation erworben. Und bei Gerch fühlt man sich nicht an irgendwelche Zusagen gebunden. Man „wolle in Ruhe überlegen, ob man die Kantine erhalte“, so ein Sprecher. Das ewige Tauziehen mit finanzstarken Investoren scheint also weiterzugehen, während der seit 4 Jahren leergeräumte Bau verfällt. Ob ein wie nun geforderter Abriss allerdings den Status des 100.000-Quadratmeter-Geländes als potentielles Spekulationsobjekt in Filetlage ändert, darf angezweifelt werden. mR unterschreibt jedenfalls nix! (db, 14.2.20)

Das Robotron-Puzzle

Das Robotron-Puzzle

Dresden, Robotron (Bild: Martin Maleschka)
Noch vor der Demontage: Glasgestaltung am Dresdener Robotron-Gelände (Bild: Martin Maleschka)

Das Netzwerk ostmodern rief vor wenigen Wochen den Investor des Dresdener Robotron-Areals dazu auf, künstlerisch wertvolle Bleiglasfenster vor der Zerstörung zu bewahren. Sie befanden sich damals noch im Komplex „Atrium I“ – jenem Gebäude, das gerade zugunsten einer Wohnanlage abgerissen wird. Bei diesem Bau der einstigen DDR-Microchipschmiede wurde großer Wert auf die Gestaltung gelegt – erkennbar etwa an den Fassadenteilen aus Meissner Keramik oder den Giebelwänden aus Formsteinen der Dresdner Künstler Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht. Das größte Stück Baukunst ist das Bleiglas-Mosaik im Treppenhaus. Den Entwurf lieferte der leitende Architekt des Gesamtkomplexes, Axel Magdeburg, ausgeführt wurde es durch die Künstler Günter Gera und Gerhard Papstein.

Nun hat die die Tochtergesellschaft der Immovation-Unternehmensgruppe, so meldet dresden.de, zwei Elemente der künstlerischen Glasgestaltung an die Stadt Dresden übergeben. Der Immobilienentwickler war mit dem Denkmalamt übereingekommen, Teile dieser Kunst am (nicht denkmalgeschützten) Bau exemplarisch zu sichern. Leider mussten die aktuell demontieren Elemente in ihre Einzelteile zerlegt werden, da ein vollständiger Ausbau technisch unmöglich gewesen sei. Zusätzlich übergab der Investor zwei bereits zuvor vollständig geborgene Elemente einer Glasgestaltung der Künstlerin Roswitha Oehme-Heintze vom Robotron-Gelände. (kb, 29.4.16)