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Bevor die Neue Altstadt die Gemüter bewegte, hatte im späten 20. Jahrhundert bereits die Postmoderne Frankfurts Geschichte fest im Blick. Mit dem Buch „Ein neues Gesicht für Frankfurt“ umreißt Leonie Köhren, Denkmalpflegerin aus Mainz, „die Bedeutung der Postmoderne für die Wiederentdeckung des Stadtraums und einer identitätsstiftenden städtischen Architektur im ausgehenden 20. Jahrhundert“. Damit legt sie zugleich ihre Dissertation vor, die sich im Kern um die Bereiche Dom-Römerberg, Museumsufer und Messegelände dreht.

Köhren nähert sich den postmodernen Entwicklungen der 1980er Jahre über den „eiligen Wiederaufbau“ der 1950er, den „funktionalistischen“ Bauboom der 1960er und die Identitätssuche der 1970er Jahre. „Man akzeptierte die vorhandene Stadt wieder“, so Köhren über die postmodernen Ansätze für Frankfurt. Nach ihrer Analyse wählte man für Einzelbauten Lösungen zwischen Entkernung des Bestands und ornamental dekorierten, farbig aufgewerteten Fassaden. Vor allem im Städtebau sei der Beitrag der Postmoderne für Frankfurt zukunftsweisend: mit ihrer geschichtsbewussten Dichte, ihrer erzählerisch-identitätsstiftenden Baukunst. Das Buch ist bei digital frei verfügbar, zugleich als Druckausgabe über den Buchhandel erhältlich. (kb, 27.3.20)

Köhren, Leonie, Ein neues Gesicht für Frankfurt. Die Bedeutung der Postmoderne für die Wiederentdeckung des Stadtraums und einer identitätsstiftenden städtischen Architektur im ausgehenden 20. Jahrhundert, arthistoricum.net, Heidelberg 2019.

Frankfurt am Main, Saalgasse (Bild: Dguendel, GFDL oder CC BY SA 3.0, 1992)

Comeback fürs Technische Rathaus?

Kaum war es weg, schon mehrten sich die bedauernden Stimmen: „So schlimm war es ja doch nicht?“ Umstritten war das – nach Entwürfen der Architektengemeinschaft Bartsch, Thürwächter und Weber gestaltete – Technische Rathaus am Frankfurter Römerberg schon vor seiner Einweihung im Jahr 1974. Für den Neubau wurde 1970 der Baugrund „bereinigt“, die historische Bebauung Braubachstraße 15-29 niedergelegt. Ursprünglich sollten die drei neuen Bürotürme mit umlaufenden Pflanztrögen einen grünen Akzent in Frankfurts Häusermeer bilden.

Die Kritiker sahen den Bau als guten Entwurf an falscher Stelle: Bis 2011 wurde der ungeliebte Koloss stufenweise demontiert. Nun sollen am Römerberg neue Bauten nach historischem Vorbild entstehen. Eine unerwartete Wende brachte die frisch gegründete Bürgerinitiative „Bürger Frankfurts, wehrt euch!“ – benannt nach einem Flugblatt, mit dem die Freunde Frankfurts 1970 gegen den Neubau agierten. Die „neuen“ Bürger Frankfurts fordern nun: „Wenn schon Rekonstruktion, dann richtig!“ Am alten Standort solle das Technischen Rathauses wieder entstehen. Engagierte Bürger boten Waschbetonspolien an, die sie aus den Trümmern des Technischen Rathauses geborgen haben. Ob und wie diese Initiative Erfolg hat, steht noch in den Sternen – doch wird für das neue/alte Rathaus schon laut über einen alternativen Standort in Sachsenhausen nachgedacht. (db, 1.4.15)

Geht es nach den „neuen“ Bürgern Frankfurts, sieht es auf dem Römer bald wieder so aus (Bild: Dontworry, 2007, GFDL, CC BY SA 3.0 oder CC BY SA 2.5/2.0/1.0)