Glückwunsch, Herr Jastram!

Gestern wurde der Rostocker Architekt Dieter Jastram 90 Jahre alt. Nach dem Krieg hatte er zunächst Zimmermann gelernt, dann studierte er Bauingenieurwesen und Architektur. Zu seinen frühen Werken zählt das Haus der Schifffahrt. Auch in den folgenden Jahrzehnten sollte er das Bild der Hansestadt prägen, u. a. mit dem Hotel Haus Sonne. Doch auch Abgänge musste Jastram bereits verschmerzen, darunter das Rostocker Interhotel Warnow, 1967 eröffnet, 2001/02 abgerissen. Der NDR widmete Jastram nun einen eigenen Beitrag im Nordmagazin – auch mR gratuliert zum runden Geburtstag! (kb, 1.7.20)

Rostock, Hotel Warnow (Bild: historische Postkarte)

Geschützte Terrassen

Das Terrassenhochhaus in der Bertolt-Brecht-Straße in Rostock-Evershagen steht ab sofort unter Denkmalschutz. Seit 1977 prägt die als „Stadt in der Stadt“ konzipierte Wohnscheibe, die aus den WBS 70-Plattenelementen montiert wurde, den Stadtteil. Der Rostocker Architekt Peter Baumbach präsentierte die kühnen Planungen für das 4000 Menschen Wohnraum bietende Gebäude 1969 auf der Ostseemesse: begrünte Dachgärten, Kindertagesstätte, Restaurants, Waschsalon, Sauna und Bibliothek waren integriert. Die DDR-Wohnarchitektur sollte seinerzeit in der europäischen Liga mitspielen. Realisiert wurde auf Druck der Regierung dann eine abgespeckte Version ohne Grün und Sauna, die aber immer noch als großer Wurf galt. Und bis heute bei den Bewohnern beliebt ist.

„Das war damals auf der Höhe der Zeit der internationalen Architektur“, sagt Rostocks Stadtkonservator Peter Writschan. Trotz aller Reglementierung hätten die Architekten aus den Möglichkeiten der WBS 70 das Beste herausgeholt. Zudem hat die kommunale Wohnungsgesellschaft WIRO in den 1990ern die Gebäude in der Bertolt-Brecht-Straße ohne Fassadendämmung saniert – was sie gerettet hat: Die Außenhüllen samt Terrassen der Hausnummern 8 bis 10 sind nun als Einzeldenkmale ausgewiesen. Der Terrassen-Block war die erste Großwohneinheit Rostocks und Vorbild unter anderem für die Südstadt und Lichtenhagen. (db, 18.12.19)

Rostock-Everhagen, Bertolt-Brecht-Straße (Bild: Florian Koppe, CC BY-SA 3.0)

Kunsthalle Rostock: 50 Jahre Baugeschichte

Dass man in der DDR für viele Dinge einen langen Atem brauchte, ist bekannt. Auf einen Trabant etwa konnte man schon einmal 12 Jahre lang warten. Alle Rekorde hat jedoch die Kunsthalle Rostock gesprengt, die auch lange nach dem Ende des Arbeiter- und Bauernstaates noch an diesem Grundsatz festhielt. Kürzlich erhielt der Bau mit dem neuen Schaudepot endlich seinen Erweiterungsbau – geplant war dieser bereits seit der Eröffnung im Jahr 1969.

Die Galerie war das einzige neugebaute Kunstmuseum der DDR und entstand nach Plänen von Hans Fleischhauer und Martin Halwas. Die Realisierung des Erweiterungsbaus wurde jedoch erst fast 50 Jahre später durch die Fördergelder des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ möglich. Den Entwurf lieferten die Büros buttler architekten und matrix Architektur, die auch für die anstehende Sanierung der Kunsthalle verantwortlich zeichnen. Der Neubau aus Glas und Stahl orientiert sich mit seiner kubischen Form am Bestand und ergänzt den ostmodernen Museumsbau um einen zeitgenössischen Akzent. (jr, 23.11.18)

Rostock, Kunsthalle (Bild: Kunsthalle Rostock, CC BY SA 3.0)