Rostock-Evershagen: Mitmachen erwünscht!

Bereits jetzt wirft der Tag des offenen Debkmals, der bundesweit für den 13. September 2020 geplant ist, seine Schatten voraus. Von offizieller Seite werden coronabedingt digitale Aktionen vernetzt, doch in Rostock-Evershagen will man an die inzwischen fünfjährige Tradition anknüpfen. Hierzu sollen drei analoge Stadtteilrundgänge bzw. -fahrten von Zeitzeugen und verschiedenen Fachleuten begleitet werden.

Der genaue Ablauf und Umfang sind noch offen. Doch fest steht bereits, dass erste Zusagen von Zeitzeugen und Fachleuten vorliegen. Deshalb bitten die Initiatoren um Unterstützung: Gesucht werden Zeitzeugen, die über die Entstehung und Entwcklung der Rostocker Stadtteile berichten können. Ebenso willkommen sind Zeitzeugnisse für eine Präsentationsmappe sowie Helfer, um einzelne Stationen bzw. Gruppen zu betreuen. Interessierte können Kontakt aufnehemen unter denkmal@evershagen.de, weitere und stets aktuelle Informationen finden sich online. (kb, 17.7.20)

Rostock-Evershagen, Klinkergiebel „Sonne“ nach einem Entwurf von Reinhard Dietrich, 1974-76 (Bild: André Axmann, 2019)

Glückwunsch, Herr Jastram!

Gestern wurde der Rostocker Architekt Dieter Jastram 90 Jahre alt. Nach dem Krieg hatte er zunächst Zimmermann gelernt, dann studierte er Bauingenieurwesen und Architektur. Zu seinen frühen Werken zählt das Haus der Schifffahrt. Auch in den folgenden Jahrzehnten sollte er das Bild der Hansestadt prägen, u. a. mit dem Hotel Haus Sonne. Doch auch Abgänge musste Jastram bereits verschmerzen, darunter das Rostocker Interhotel Warnow, 1967 eröffnet, 2001/02 abgerissen. Der NDR widmete Jastram nun einen eigenen Beitrag im Nordmagazin – auch mR gratuliert zum runden Geburtstag! (kb, 1.7.20)

Rostock, Hotel Warnow (Bild: historische Postkarte)

Geschützte Terrassen

Das Terrassenhochhaus in der Bertolt-Brecht-Straße in Rostock-Evershagen steht ab sofort unter Denkmalschutz. Seit 1977 prägt die als „Stadt in der Stadt“ konzipierte Wohnscheibe, die aus den WBS 70-Plattenelementen montiert wurde, den Stadtteil. Der Rostocker Architekt Peter Baumbach präsentierte die kühnen Planungen für das 4000 Menschen Wohnraum bietende Gebäude 1969 auf der Ostseemesse: begrünte Dachgärten, Kindertagesstätte, Restaurants, Waschsalon, Sauna und Bibliothek waren integriert. Die DDR-Wohnarchitektur sollte seinerzeit in der europäischen Liga mitspielen. Realisiert wurde auf Druck der Regierung dann eine abgespeckte Version ohne Grün und Sauna, die aber immer noch als großer Wurf galt. Und bis heute bei den Bewohnern beliebt ist.

„Das war damals auf der Höhe der Zeit der internationalen Architektur“, sagt Rostocks Stadtkonservator Peter Writschan. Trotz aller Reglementierung hätten die Architekten aus den Möglichkeiten der WBS 70 das Beste herausgeholt. Zudem hat die kommunale Wohnungsgesellschaft WIRO in den 1990ern die Gebäude in der Bertolt-Brecht-Straße ohne Fassadendämmung saniert – was sie gerettet hat: Die Außenhüllen samt Terrassen der Hausnummern 8 bis 10 sind nun als Einzeldenkmale ausgewiesen. Der Terrassen-Block war die erste Großwohneinheit Rostocks und Vorbild unter anderem für die Südstadt und Lichtenhagen. (db, 18.12.19)

Rostock-Everhagen, Bertolt-Brecht-Straße (Bild: Florian Koppe, CC BY-SA 3.0)