Die Goldene Abrissbirne 2020 geht an …

Sie ist die einzige ihrer Art: Die „Goldene Abrissbirne“ wird in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben. Der Verband Deutscher Kunsthistoriker überreicht sie virtuell an die bayerische Gemeinde Kochel am See, wo (noch) das ehemalige Verstärkeramt steht. Für die Inkunabel, errichtet unter Leitung von Franz Holzhammer, scheint ein Abriss möglich, da bereits ein Bebauungsplan existierte, bevor sie 2018 unter Denkmalschutz gestellt wurde. An ihrer Stelle sollen ein Bauhof und Wohnungen entstehen. Gegen den Abriss dieses bedeutenden Beispiels der Bayerischen Postbauschule wandten sich auch Architekturhistoriker wie Wolfgang Voigt, Wolfgang Sonne und Christoph Hölz – gebracht hat es bislang nichts.

Das Objekt wurde im Juni 2020 in die Rote Liste des Verbands Deutscher Kunsthistoriker aufgenommen. Damals schienen es noch möglich, das Denkmal zu retten und einer sinnvolle Nutzung zuzuführen. Im November schlug man im Handstreich erste große Löcher in die Fassade – scheinbar, um den Abriss vorzubereiten. Noch wäre Rettung möglich, so der Kunsthistorikerverband, und hofft auf einen Effekt der „Goldenen Abrissbirne“. Die Gemeinde Kochel am See wurde über den Preis informiert. (kb, 19.12.20)

Kochel, Verstärkeramt im November 2020 – kombiniert mit dem Signet der „Goldene Abrissbirne“ des Deutschen Kunsthistorikerverbands (Bild: buerger-forum.org (Kochel), Deutscher Kunsthistorikerverband (Logo))

Rote Liste Hamburg

Rote Liste Hamburg

Hamburg, Abriss Elisabethgehölz 5-7, 2015, (Bild: Peter Vogt)
Hamburg, Elisabethgehölz 5-7: 1998 saniert, 2015 abgerissen … (Bild: Peter Vogt)

Die Abrissfreudigkeit in den deutschen Großstädten hat ein Ausmaß erreicht, das wieder an die 1960er erinnert. Augenfällig wird es, wenn all die gefährdeten oder bereits abgerissenen Gebäude in einer bebilderten Liste aufgeführt sind. So wie etwa in der „Roten Liste Hamburg“, die sich den zur Disposition stehenden Bauwerken, unabhängig von deren etwaigen Denkmalwert, widmet.

Ob derartige Webseiten die Verantwortlichen nachdenklich machen, sei dahingestellt. Doch vielleicht öffnen sie gleichgültigen Mitbürgern die Augen dafür, dass so manches unscheinbare Häuschen und auch so mancher vermeintliche  Betonklotz vielleicht mehr architektonische Qualität mitbringt, als das, was ein seiner Stelle entstehen soll. Die Rote Liste hat das Ziel, von Umbau und Überformung bedrohte wertvolle, prägende Orte sichtbar zu machen. Etwa, um eine Diskussion anzuregen, welche Orte auch abseits klassischer Denkmal-Kriterien geschützt werden sollten. Denn nicht nur die Denkmäler, sondern ihre Einbettung stehen für den Charakter eines ganzen Stadtviertels. Die Macher der Rote Liste richten sich dabei ausdrücklich nicht gegen Veränderung – möchten aber sensibilisieren, diese Veränderung behutsam anzugehen und genau abzuwägen, an welchen Orten sich vielleicht die Seele der Stadt festmacht. Vielleicht wäre eine derartige Rote Liste in jeder größeren Stadt hilfreich … (db, 15.2.17)