Saarland

Forbach, Grand Ensemble "Le Wiesberg" (Émile Aillaud, 1965) (Bild: Marco Kany)

Das unentdeckte Land

Nichts Neues im Südwesten? Weit gefehlt! Seit Jahren sammelt und dokumentiert der Fotograf Marco Kany das moderne und zeitgenössische Bauen im wohl unterschätztesten aller Bundesländer. Gemeinsam mit dem Architekturkritiker Ulf Meyer hat er nun den langersehnten „Architekturführer Saarland“ fertiggestellt. Die Buchvorstellung und die Vernissage zur begleitenden Foto-Ausstellung „Sichtbar machen. Architektur im Saarland“ finden am 18. März 2019 um 19 Uhr statt in der Akademie im Haus der Architekten (Neumarkt 11, 66117 Saarbrücken). Es sprechen Jens UKFW Stahnke (stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Baukultur Saar), Katrin Voermanek (Architekturjournalistin), Ulf Meyer (Autor und Architekturkritiker) sowie Dr. Ilka Desgranges (Saarbrücker Zeitung). Für diesen Abend ist keine Anmeldung erforderlich.

Das Buch kann am Abend der Vernissage oder ab dem 19. März im Handel erworben werden. Bestellungen sind möglich unter: bestellung@architekturfuehrer.saarland (edition ak, Saarbrücken, ca. 300 Seiten, ISBN: 978-3-9820631-0-2). Für die Ausstellung, die im Anschluss bis zum 12. April 2019 zu sehen sein wird (Montag bis Donnerstag 8.30 bis 16 Uhr, Freitag 8.30 bis 14 Uhr), hingegen ist eine Anmeldung notwendig (0681 954410, info@aksaarland.de). (kb, 16.3.19)

Forbach, Grand Ensemble „Le Wiesberg“ (Émile Aillaud, 1965) (Bild: Marco Kany)

Saarlouis, Theater am Ring (Bild: © Presseabteilung Kreisstadt Saarlouis, Sascha Schmidt)

Saarlouis: 60 Jahre Theater am Ring

Während der Rest der Republik im nächsten Jahr den 100. Geburtstag der berühmten Kunstschule nach allen Regeln der Kunst feiert, bereitet sich die saarländische Stadt auf ein eigenes Architekturjubiläum vor: Im Herbst 2019 jährt sich die Eröffnung des Theaters am Ring zum 60. Mal. In Vorbereitung des Jubiläums wurde jüngst ein eigener Band vorgestellt, der sich der (Bau-)Geschichte des nachkriegsmodernen Theaters widmet.

Das Theater wurde Ende der 1950er Jahre von Hanns Rüttgers entworfen, seit 2001 ist es denkmalgeschützt. Nachdem zwischenzeitlich der Abriss im Raum stand, wurde es in den 2010er Jahren durch den bekannten Luxemburger Architekten Francois Valentiny umfassend saniert und umgestaltet. Inzwischen ist der markante Bau zu einem Wahrzeichen der Stadt avanviert. Die geschwungenee Fassade auf der Straßenseite, die mit ihren organisch geformten Fensteröffnungen in der Nachbarschaft Fred Feuersteins nicht auffiele, kontrastiert mit einem turmartigen Baukörper, der sich in strenger Rechteckform erhebt und den Namen des Theaters weithin sichtbar macht. Wir finden: Auch ohne Bauhausbezug ist dieses Jubiläum ein Grund zum Feiern! (jr, 12.12.18)

Saarlouis, Theater am Ring (Bild: © Presseabteilung Kreisstadt Saarlouis, Sascha Schmidt)

Berus, Sendehalle Europe 1 (Bild: Marco Kany)

Saarmoderne Perspektiven

Dass das Saarland eine eigne, französisch-deutsch-hybride Spielart der Nachkriegsmoderne zu bieten hat, ist inzwischen kein Expertenwissen mehr (mR berichtete). Eines der prominentesten Bauwerke dieser Art steht nahe des weniger prominenten Örtchens Berus: die ehemalige Sendehalle von Europe 1. Nun zeichnet sich für den eleganten Bau aus den 1950ern eine Zukunftsperspektive ab: Der zuständige Gemeinderat hat jüngst entschieden, ihn als „Kultur und Wirtschaftszentrum“ aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.

Die Halle wurde 1954/55 von den Architekten Bernard Laffaille und Jean-François Guédy als Zentrale eines neuen Rundfunksenders mit europäischen Ambitionen erbaut. Um das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, musste Eugène Freyssinet schließlich übernehmen, da sich die beiden mit der komplexen Statik des freitragenden Betondachs in Form eines hyperbolischen Paraboloids übernommen hatten. Bereits vor zwei Jahren hat die Gemeinde Überherrn den avantgardistischen Bau gekauft. Ausschlaggebend für die jüngste Entscheidung war eine Machbarkeitsstudie von Lars Scharnholz, dem Chef des Instituts für Neue Industriekultur. Im nächsten Schritt soll ein konkretes Nutzungskonzept erarbeitet werden. (jr, 8.12.18)

Berus, Sendehalle Europe 1 (Bild: Marco Kany)

Forbach-Wiesberg, Notre Dame, 1966, Emile Aillaud (Bild: © bildware.net | H.Elburn)

Auf den Spuren der Saarmoderne

Mit dem Projekt „Resonanzen. Architektur im Aufbruch zu Europa“ stellt das Saarland im Kulturerbejahr seine nachkriegsmodernen Bauten vor. Am Ende des Zweiten Weltkriegs stand für das Saarland eine kurze Phase staatlicher Unabhängigkeit mit enger Anbindung an Frankreich. 1955 entschied sich die Bevölkerung für einen Beitritt zur Bundesrepublik. Das prägte auch die Architektur: Im Saarland kamen zwei Spielarten von Nachkriegsmoderne zum Tragen. Ihre Synthese ist einzigartig, aber immer noch viel zu unbekannt. Vom 29. September bis zum 30. November 2018 will dem die Resonanzen-Ausstellung im Pingusson-Gebäude abhelfen und auf die Schönheiten des modernen Architekturerbes aufmerksam machen.

An Themenführungen sind geplant (jeweils um 15 Uhr): 7. Oktober 2018, Sakralbau; 14. Oktober 2018, Jean Prouvé. Wohnungsbau in Lothringen; 21. Oktober, Siedlungen und Wohnungsbau Saar; 25. Oktober 2018, Kunst und Technik; 28. Oktober 2018, Stadtplanung und Stadtgestaltung; 4. November 2018, Ehemalige französische Botschaft; 10. November 2018, Baukultur und Stadtplanung der Moderne; 11. November 2018, Kunst in der Botschaft/Neue Gruppe Saar (16 Uhr!); 18. November 2018, Sender Europe 1; 22. November 2018, Kunst und Technik; 25. November 2018, Innenausstattung der Botschaft; Schulführungen auf Anfrage. Kontakt: 0681 652150, resonanzen@k8.design, stets aktuelle Veranstaltungen sind online einzusehen. Und wer sich schon einmal ins Thema einlesen will, kann dies im aktuellen mR-Heft „Bleu – Blanc – Brut“ tun. (db, 28.9.18)

Forbach-Wiesberg, Notre Dame, 1966, Emile Aillaud (Bild: © bildware.net | H.Elburn)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Neunkirchen baut ab

Für eine der vielen verlorenen Neunkirchener Gottesdienststätten gibt es eine neue Nutzung mit ökumenischer Perspektive: Die 2015 geschlossene Pauluskirche, ein Bau aus dem Jahr 1955 nach Entwürfen des Architekten Rudolf Krüger, wurde an die koptische Gemeinde verkauft. Neunkirchen liegt bei Saarbrücken, im südwestlichen Winkel der Republik. Dort markierte 2015 einen gravierenden Einschnitt in der modernen Kirchenlandschaft: Von sechs protestantischen Gottesdiensträumen wurden drei geschlossen. Neben der Pauluskirche waren dies die 1960 fertiggestellte evangelische Kirche im Kohlhof. Inzwischen ist die denkmalgeschützte „Zeltkirche“ – errichtet als Holzmontagesystem nach einem Entwurf von Helmut Dunker – verkauft und privat genutzt. Ebenfalls 2015 wurde die evangelische Friedenskirche, eingeweiht 1959, geschlossen. Der Bau soll, so 2018 die Aussage der Gemeinde, wohl abgerissen werden.

Ähnlich sieht auf katholischer Seite aus: 2015 verlor für die 1960 geweihte Piuskirche die liturgische Nutzung. Ebenso erging es 2015 der 1954 fertiggestellten Kirche Herz Jesu. Der katholischen Gemeinde blieben am Ende nur zwei Gottesdienststätten: St. Marien und St. Vincenz. Denn 2015 endete eine bereits lange Jahre bewährte ökumenische Nutzung: Die 1958 geweihte, seit 1972 simultan von Katholiken und Protestanten bespielte Kirche St. Barbara wurde 2015 geschlossen und im selben Jahr abgerissen. (kb, 9.7.1.18)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Saarland und Europa nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Saarland unter der französischen Militärregierung ein Masterplan für den Wiederaufbau von Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen erarbeitet. Die Besatzung setzte auf die Versöhnung beider Nationen und den Aufbruch in ein neues anderes Europa. Gleichwohl erregten die funktionalistischen Stadtbauentwürfe den Unmut der lokalen Behörden und dies nicht zuletzt, weil der einseitig zukunftsgerichteten Modernität keine Erinnerung eingeschrieben war. Diesem Zweiklang „Erinnerung und Aufbruch“ widmet sich die Ringvorlesung „Das europaeische Kulturerbe im Saarland nach 1945“ im Sommersemester in der Ehemaligen Französischen Botschaft in Saarbrücken (sog. Pingusson-Bau, Hohenzollernstraße 60, 66117 Saarbrücken) je um 18 Uhr.

An Themen werden geboten: 18. April, Der gebaute Europagedanke der Universität des Saarlands, Dr. Lil Helle Thomas; 2. Mai, Unterricht in Kunst und Design an der Saar, Prof. Rolf Sachsse; 16. Mai, Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion in den 1950ern, Prof. Dietmar Hüser; 23. Mai 2018, 19.30 Uhr, Vorab-Premiere des Dokumentarfilms „Der eiserne Schatz – Eine Geschichte der Völklinger Hütte“ (Kino 8 ½. Saarbrücken); 30. Mai 2018, Die Kettelersiedlung, Dr. Ingeborg Besch; 13. Juni 2018, Saarbrücken und Mainz, Stadtutopien der Besatzungszeit, Prof. Volker Ziegler; 27. Juni 2018, Gründung und Aufbau der Modernen Galerie, Dr. Roland Mönig; 11. Juli 2018, Aufbruch in die Mobilität? Entstehung und Wahrnehmung der Saarbrücker Stadtautobahn, Prof. Barbara Krug-Richter. (kb, 10.4.18)

Ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken (Foto: © Marco Kany, marcokany.de)