Schlagwort: Saarland

Saarlouis, Theater am Ring (Bild: © Presseabteilung Kreisstadt Saarlouis, Sascha Schmidt)

Saarlouis: 60 Jahre Theater am Ring

Während der Rest der Republik im nächsten Jahr den 100. Geburtstag der berühmten Kunstschule nach allen Regeln der Kunst feiert, bereitet sich die saarländische Stadt auf ein eigenes Architekturjubiläum vor: Im Herbst 2019 jährt sich die Eröffnung des Theaters am Ring zum 60. Mal. In Vorbereitung des Jubiläums wurde jüngst ein eigener Band vorgestellt, der sich der (Bau-)Geschichte des nachkriegsmodernen Theaters widmet.

Das Theater wurde Ende der 1950er Jahre von Hanns Rüttgers entworfen, seit 2001 ist es denkmalgeschützt. Nachdem zwischenzeitlich der Abriss im Raum stand, wurde es in den 2010er Jahren durch den bekannten Luxemburger Architekten Francois Valentiny umfassend saniert und umgestaltet. Inzwischen ist der markante Bau zu einem Wahrzeichen der Stadt avanviert. Die geschwungenee Fassade auf der Straßenseite, die mit ihren organisch geformten Fensteröffnungen in der Nachbarschaft Fred Feuersteins nicht auffiele, kontrastiert mit einem turmartigen Baukörper, der sich in strenger Rechteckform erhebt und den Namen des Theaters weithin sichtbar macht. Wir finden: Auch ohne Bauhausbezug ist dieses Jubiläum ein Grund zum Feiern! (jr, 12.12.18)

Saarlouis, Theater am Ring (Bild: © Presseabteilung Kreisstadt Saarlouis, Sascha Schmidt)

Berus, Sendehalle Europe 1 (Bild: Marco Kany)

Saarmoderne Perspektiven

Dass das Saarland eine eigne, französisch-deutsch-hybride Spielart der Nachkriegsmoderne zu bieten hat, ist inzwischen kein Expertenwissen mehr (mR berichtete). Eines der prominentesten Bauwerke dieser Art steht nahe des weniger prominenten Örtchens Berus: die ehemalige Sendehalle von Europe 1. Nun zeichnet sich für den eleganten Bau aus den 1950ern eine Zukunftsperspektive ab: Der zuständige Gemeinderat hat jüngst entschieden, ihn als „Kultur und Wirtschaftszentrum“ aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.

Die Halle wurde 1954/55 von den Architekten Bernard Laffaille und Jean-François Guédy als Zentrale eines neuen Rundfunksenders mit europäischen Ambitionen erbaut. Um das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, musste Eugène Freyssinet schließlich übernehmen, da sich die beiden mit der komplexen Statik des freitragenden Betondachs in Form eines hyperbolischen Paraboloids übernommen hatten. Bereits vor zwei Jahren hat die Gemeinde Überherrn den avantgardistischen Bau gekauft. Ausschlaggebend für die jüngste Entscheidung war eine Machbarkeitsstudie von Lars Scharnholz, dem Chef des Instituts für Neue Industriekultur. Im nächsten Schritt soll ein konkretes Nutzungskonzept erarbeitet werden. (jr, 8.12.18)

Berus, Sendehalle Europe 1 (Bild: Marco Kany)

Forbach-Wiesberg, Notre Dame, 1966, Emile Aillaud (Bild: © bildware.net | H.Elburn)

Auf den Spuren der Saarmoderne

Mit dem Projekt „Resonanzen. Architektur im Aufbruch zu Europa“ stellt das Saarland im Kulturerbejahr seine nachkriegsmodernen Bauten vor. Am Ende des Zweiten Weltkriegs stand für das Saarland eine kurze Phase staatlicher Unabhängigkeit mit enger Anbindung an Frankreich. 1955 entschied sich die Bevölkerung für einen Beitritt zur Bundesrepublik. Das prägte auch die Architektur: Im Saarland kamen zwei Spielarten von Nachkriegsmoderne zum Tragen. Ihre Synthese ist einzigartig, aber immer noch viel zu unbekannt. Vom 29. September bis zum 30. November 2018 will dem die Resonanzen-Ausstellung im Pingusson-Gebäude abhelfen und auf die Schönheiten des modernen Architekturerbes aufmerksam machen.

An Themenführungen sind geplant (jeweils um 15 Uhr): 7. Oktober 2018, Sakralbau; 14. Oktober 2018, Jean Prouvé. Wohnungsbau in Lothringen; 21. Oktober, Siedlungen und Wohnungsbau Saar; 25. Oktober 2018, Kunst und Technik; 28. Oktober 2018, Stadtplanung und Stadtgestaltung; 4. November 2018, Ehemalige französische Botschaft; 10. November 2018, Baukultur und Stadtplanung der Moderne; 11. November 2018, Kunst in der Botschaft/Neue Gruppe Saar (16 Uhr!); 18. November 2018, Sender Europe 1; 22. November 2018, Kunst und Technik; 25. November 2018, Innenausstattung der Botschaft; Schulführungen auf Anfrage. Kontakt: 0681 652150, resonanzen@k8.design, stets aktuelle Veranstaltungen sind online einzusehen. Und wer sich schon einmal ins Thema einlesen will, kann dies im aktuellen mR-Heft „Bleu – Blanc – Brut“ tun. (db, 28.9.18)

Forbach-Wiesberg, Notre Dame, 1966, Emile Aillaud (Bild: © bildware.net | H.Elburn)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Neunkirchen baut ab

Für eine der vielen verlorenen Neunkirchener Gottesdienststätten gibt es eine neue Nutzung mit ökumenischer Perspektive: Die 2015 geschlossene Pauluskirche, ein Bau aus dem Jahr 1955 nach Entwürfen des Architekten Rudolf Krüger, wurde an die koptische Gemeinde verkauft. Neunkirchen liegt bei Saarbrücken, im südwestlichen Winkel der Republik. Dort markierte 2015 einen gravierenden Einschnitt in der modernen Kirchenlandschaft: Von sechs protestantischen Gottesdiensträumen wurden drei geschlossen. Neben der Pauluskirche waren dies die 1960 fertiggestellte evangelische Kirche im Kohlhof. Inzwischen ist die denkmalgeschützte „Zeltkirche“ – errichtet als Holzmontagesystem nach einem Entwurf von Helmut Dunker – verkauft und privat genutzt. Ebenfalls 2015 wurde die evangelische Friedenskirche, eingeweiht 1959, geschlossen. Der Bau soll, so 2018 die Aussage der Gemeinde, wohl abgerissen werden.

Ähnlich sieht auf katholischer Seite aus: 2015 verlor für die 1960 geweihte Piuskirche die liturgische Nutzung. Ebenso erging es 2015 der 1954 fertiggestellten Kirche Herz Jesu. Der katholischen Gemeinde blieben am Ende nur zwei Gottesdienststätten: St. Marien und St. Vincenz. Denn 2015 endete eine bereits lange Jahre bewährte ökumenische Nutzung: Die 1958 geweihte, seit 1972 simultan von Katholiken und Protestanten bespielte Kirche St. Barbara wurde 2015 geschlossen und im selben Jahr abgerissen. (kb, 9.7.1.18)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Saarland und Europa nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Saarland unter der französischen Militärregierung ein Masterplan für den Wiederaufbau von Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen erarbeitet. Die Besatzung setzte auf die Versöhnung beider Nationen und den Aufbruch in ein neues anderes Europa. Gleichwohl erregten die funktionalistischen Stadtbauentwürfe den Unmut der lokalen Behörden und dies nicht zuletzt, weil der einseitig zukunftsgerichteten Modernität keine Erinnerung eingeschrieben war. Diesem Zweiklang „Erinnerung und Aufbruch“ widmet sich die Ringvorlesung „Das europaeische Kulturerbe im Saarland nach 1945“ im Sommersemester in der Ehemaligen Französischen Botschaft in Saarbrücken (sog. Pingusson-Bau, Hohenzollernstraße 60, 66117 Saarbrücken) je um 18 Uhr.

An Themen werden geboten: 18. April, Der gebaute Europagedanke der Universität des Saarlands, Dr. Lil Helle Thomas; 2. Mai, Unterricht in Kunst und Design an der Saar, Prof. Rolf Sachsse; 16. Mai, Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion in den 1950ern, Prof. Dietmar Hüser; 23. Mai 2018, 19.30 Uhr, Vorab-Premiere des Dokumentarfilms „Der eiserne Schatz – Eine Geschichte der Völklinger Hütte“ (Kino 8 ½. Saarbrücken); 30. Mai 2018, Die Kettelersiedlung, Dr. Ingeborg Besch; 13. Juni 2018, Saarbrücken und Mainz, Stadtutopien der Besatzungszeit, Prof. Volker Ziegler; 27. Juni 2018, Gründung und Aufbau der Modernen Galerie, Dr. Roland Mönig; 11. Juli 2018, Aufbruch in die Mobilität? Entstehung und Wahrnehmung der Saarbrücker Stadtautobahn, Prof. Barbara Krug-Richter. (kb, 10.4.18)

Ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken (Foto: © Marco Kany, marcokany.de)

Perl-Besch, Schule (Bild: Günter Leuck, mapio.de)

Perl: Aus für die Schule in Besch?

In Besch, einem Stadtteil im saarländischen Perl bei Merzig, hat die Grundschule Dreiländereck eine Dependance. Noch, zumindest wenn es nach der Kommune geht. Die will hier ein Feuerwehr-/Bürgerhaus errichten. Der Schulbau aus dem Jahr 1962, den figürliche Mosaikmotive u. a. nach Entwürfen des Nenninger Kunstmalers Nikolaus Schmitt zieren, soll dafür weichen. Die Schüler müssten sich dann täglich mit dem Bus auf den Weg nach Perl machen. Doch der Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) weigert sich, den Schulstandort Besch aufzugeben. Und vor Ort kämpft eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Gebäudes mit seiner angestammten Nutzung.

Am 6. Oktober nun ging der seit Sommer letzten Jahres schwelende Streit in die nächste Runde. An diesem Tag hat der Gemeinderat beschlossen, auf seine Neubaupläne zu bestehen und notfalls den Klageweg zu beschreiten. Der Auftrag für den Abriss wurde jedoch noch nicht erteilt, erst will die Kommune die Abrissfreigabe vom Land ertrotzen. Dafür hat man sich selbst und damit dem Ministerium eine Frist von 14 Tagen gesetzt. Danach dürfte der „Fall Besch“ wohl vor Gericht landen. (kb, 17.10.17)

Perl-Besch, Schule (Bild: Günter Leuck, mapio.de)

Bous, Kloster Heiligenborn, 2007 (Bild: immobilienscout24.de)

Bous: modernes Kloster unter dem Hammer

Am 16. September soll sich das weitere Schicksal des nachkriegsmodernen Klosters Heiligenborn entscheiden: Für diesen Tag ist die Versteigerung der gut 30.000 Quadratmeter großen Anlage angesetzt, die seit 2009 nicht mehr von den Redemptoristen genutzt wird. Die Geschichte des Klosters im saarländischen Bous reicht bis in die 1940er Jahre zurück, als sich der Orden 1949 in einem ehemaligen HJ-Heim einrichtete. An einer Quelle, der die Legende eine Heiligengeschichte zuordnet, hatten die Nationalsozialisten Anfang der 1940er Jahre den Bau eines Jugendheims mit Thingstätte aufgenommen.

Der Grundstein für einen Neubau mit Klosterkirche (unter Einbeziehung einiger NS-Vorgängerbauten) wurde 1951 gelegt. Der Auftrag ging an den ungarischen Künstler György Lehoczky (1930-79) (mit Rösinger), der auch das Kloster im nahegelegenen Püttlingen gestaltete. Die Fertigstellung der Anlage zog sich bis 1957 hin. Nach 2009 waren vielfältige Umnutzungen im Gespräch, die sich alle zerschlugen: Kinderhospiz, Jugendherberge, betreutes Wohnen oder Gründerzentrum. Seit 2015 liegt auf dem denkmalgeschützten Ensemble eine behördliche Veränderungssperre, die gerade erst um ein Jahr verlängert wurde. Die Kommune selbst hat erklärt, das Kloster nicht kaufen zu wollen. Kritiker fordern ein Engagement des Landes, um den Bau zu erhalten und angemessen zu nutzen. Das Mindestgebot wurde auf 365.000 Euro festgesetzt. (kb, 28.8.17)

Bous, Kloster Heiligenborn (Bilder: immobilienscout24.de)

Ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Förderung für Saarlands Nachkriegsmoderne

Die europäische Kommission hat das kommende Jahr zum Europäischen Kulturerbejahr erklärt. Auf dem ganzen Kontinent sollen 2018  die gemeinsamen kulturellen Wurzeln der Länder der EU gefeiert werden. Deutschland will sich dabei besonders der Baukultur widmen und hat sich zum Ziel gesetzt, „das Europäische im Lokalen zu entdecken“. Ein Bundesland scheint für solche Entdeckungen besonders vielversprechend: das Saarland. Der Bund gab kürzlich bekannt, die saarländischen Aktivitäten zum Kulturerbejahr mit 200.000 Euro zu fördern.

Die Bewohner des Saarlandes musste sich im 20. Jahrhundert mehr als einmal mit der Frage nationaler Zugehörigkeit herumschlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Region unter dem Mandat das Völkerbunds, bei einer Volksabstimmung 1935 entschieden sich die Saarländer fatalerweise für die Losung „Heim ins Reich“. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte die französische Besatzung, eine kurze Zeit der Autonomie und schließlich der Beitritt zur Bundesrepublik. Diese Geschichte hat sich besonders in nachkriegsmodernen Bauten wie der französischen Botschaft von Georges-Henri Pingusson oder dem Langwellensender „Europe 1“ manifestiert. 2018 werden zahlreiche Veranstaltungen, Fachtagungen und Sonderausstellungen der Geschichte dieser und anderer Bauten nachgehen. (jr, 5.8.17)

Saarbrücken, ehemalige französische Botschaft (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Ehemalige franzoesische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Das Saarland und der Städtebau. 1945-56

Nach dem Zweiten Weltkrieg erarbeitete die französische Militärregierung einen ambitionierten Masterplan für den Wiederaufbau des Saarlands. Saarlouis und Neunkirchen sollten im Zeichen des funktionalistischen Urbanismus und Saarbrücken als Hochhausstadt wiedererstehen. Hierfür wurden führende französische Architekten rekrutiert: Prouvé, Pingusson, Menkès, Lefèvre, Roux u. a. m. Dieser kurzen, aber planungs- und folgenreichen Phase widmet sich am 14. Juli 2017 die Tagung „Der französische Städtebau im Saarland 1945-1956“ in Saarbrücken (Universität des Saarlandes, Campus Saarbrücken, D4 1 (Mensa), FORUM).

Der Workshop strebt das Gespräch an zwischen Kunstgeschichte, Geschichte, Architektur, Bildender Kunst und Denkmalpflege. So sollen neue Frageansätze, aber auch neue Formen einer landesgeschichtlichen wie transdisziplinären Zusammenarbeit entwickelt und erprobt werden. Schwerpunktmäßig widmet sich der Workshop dem Zusammenhang von Städtebaupolitik und Demokratisierung nach 1945. Darüber hinaus werden die aktuellen politischen, denkmalpflegerischen und künstlerischen Aspekte und Herausforderungen thematisiert, die sich aus dem Umgang mit dem baulichen und künstlerischen Erbe der französischen Besatzungs- und Wiederaufbauzeit ergeben. Der Workshop ist öffentlich, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (kb, 4.7.17)

Saarbrücken, ehemalige Franzoesische Botschaft, G.-H. Pingusson (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Sender Überherrn (Bild: Lokilech, CC-BY-SA 3.0)

Der Werkbund und Europa

Der saarländische Werkbund wird in diesem Jahr 60 Jahre alt und lädt am 29. und 30. September 2017 zur Geburtstags-Klausur nach Saarbrücken. Schwerpunkt der Tagung ist der Themenkomplex „Werkbund und Europa“. Dabei wird besonders die Architektur der deutsch-französischen Grenzregionen Saarland und Lothringen im Fokus der Diskussionen und Referate stehen. Ein Highlight ist der Besuch der Sendeanlage des Europasenders Überherrn.

Das Areal liegt in unmittelbarer Nähe der deutsch-französischen Grenze und beherbergt den stärksten Rundfunksender Deutschlands. Die elegante, denkmalgeschützte Sendehalle entstand 1954/55 unter der Leitung des französischen Architekten Eugène Freyssinett. Es handelt sich dabei um den weltweit ersten Großbau mit einem aus Beton gegossenen Dach, das auf vorgespannten Seilen hängt. Die Tagung selbst findet in der Hochschule für Bildende Künste Saar statt. Das barocke Gebäude wurde 1765 bis 1769 nach Plänen Friedrich Joachim Stengels errichtet. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es durch das Werkbundmitglied Hans P. Koellmann wieder aufgebaut und erweitert. (jr, 23.6.17)

Sendeanlage Europe 1 bei Überherrn (Bild: Lokilech, CC BY SA 3.0)

Das Saarland und die anderen

Ehemalige franzoesische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)
Hoffentlich noch lange zu bestaunen: die ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken des Architekten Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Im Sommersemester steht die Ringvorlesung in Saarbrücken (Stadtgalerie, Sankt-Johanner-Markt 24) jeweils am Dienstag um 19 Uhr unter dem Titel „Herausforderung Denkmalpflege: Das Saarland und die anderen“. Hat man doch gerade im (ehemaligen) Grenzgebiet viel Erfahrung mit dem Blick über den Tellerrand. Die Veranstaltung wird gemeinsam vom Institut für Kunstgeschichte der Universität des Saarlandes und dem Saarländischen Verein für Denkmalschutz e. V. in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken angeboten.

Die Ringvorlesung verknüpft saarländische Strukturen und Inhalte mit überregionalen Entwicklungen und Problemstellungen wie: Wie gefährlich sind Rekonstruktionen für die Denkmalpflege? (26. April, Prof. Dr. Achim Hubel, Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte, Universität Bamberg) Welche Folgen hatte das Europäische Denkmalschutzjahr von 1945 (17. Mai, Dr. Astrid Hansen, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München) Wo stehen wir nach gut 40 Jahren Industriedenkmalpflege? (31. Mai, Axel Föhl, Düsseldorf/Delft/Berlin) Darüber hinaus stehen auch konkrete Fälle im Mittelpunkt: von der ehemaligen französischen Botschaft (21. Juni, Dipl.-Ing. Axel Böcker, Landesdenkmalamt des Saarlandes) bis hin zu Denkmäler in Transit-Räumen im spätmodernen Saarbrücken (5. Juli, PD Dr. Salvatore Pisani, Institut für Kunstgeschichte, Universität des Saarlandes, Saarbrücken). (kb, 3.4.16)

Pingusson bleibt auf der Agenda

Ehemalige franzoesische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)
Zukunft nach wie vor ungewisse: der Pingusson-Bau in Saarbrücken (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Die Zukunft der ehemaligen französischen Botschaft in Saarbrücken ist nach wie vor ungewiss. Die denkmalgeschützte, 1954 eröffnete Hochhausscheibe des französischen Architekten Georges-Henri Pingusson steht seit 2014 leer. Kürzlich befasste sich der saarländische Ministerrat erneut mit dem Bau. Grundlage ist ein vom saarländischen Finanzministerium in Auftrag gegebenes Gutachten, das bereits 2015 zu dem Schluss kam, dass eine Sanierung des Baus möglich ist. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme wird aber nach Aussage der saarländischen Staatskanzlei derzeit noch geprüft.

Sollte die Sanierung beschlossen werden, gäbe es mehrere Möglichkeiten der Nutzungsoptionen. Möglich wäre eine Rückkehr des Bildungsministeriums, das bis 2014 im Pingusson-Bau saß. Offenbar erwägt man aber auch die Nutzung durch andere Behörden. Eine von der Landesregierung eingesetzte Kommission eruiert derzeit verschiedene Konzepte, im April 2016 will das Kabinett auf deren Grundlage über die zukünftige Nutzung entscheiden. Die Opposition im Landtag meldete gegenüber dem Saarländischen Rundfunk Bedenken an, das Projekt könne auf die lange Bank geschoben werden. Die jüngsten Informationen der Landesregierung böten wenig Neues und erweckten den Anschein, lediglich die Debatte um den Bau beruhigen zu wollen. (jr, 17.3.16)