Auf den Spuren der Saarmoderne

Mit dem Projekt „Resonanzen. Architektur im Aufbruch zu Europa“ stellt das Saarland im Kulturerbejahr seine nachkriegsmodernen Bauten vor. Am Ende des Zweiten Weltkriegs stand für das Saarland eine kurze Phase staatlicher Unabhängigkeit mit enger Anbindung an Frankreich. 1955 entschied sich die Bevölkerung für einen Beitritt zur Bundesrepublik. Das prägte auch die Architektur: Im Saarland kamen zwei Spielarten von Nachkriegsmoderne zum Tragen. Ihre Synthese ist einzigartig, aber immer noch viel zu unbekannt. Vom 29. September bis zum 30. November 2018 will dem die Resonanzen-Ausstellung im Pingusson-Gebäude abhelfen und auf die Schönheiten des modernen Architekturerbes aufmerksam machen.

An Themenführungen sind geplant (jeweils um 15 Uhr): 7. Oktober 2018, Sakralbau; 14. Oktober 2018, Jean Prouvé. Wohnungsbau in Lothringen; 21. Oktober, Siedlungen und Wohnungsbau Saar; 25. Oktober 2018, Kunst und Technik; 28. Oktober 2018, Stadtplanung und Stadtgestaltung; 4. November 2018, Ehemalige französische Botschaft; 10. November 2018, Baukultur und Stadtplanung der Moderne; 11. November 2018, Kunst in der Botschaft/Neue Gruppe Saar (16 Uhr!); 18. November 2018, Sender Europe 1; 22. November 2018, Kunst und Technik; 25. November 2018, Innenausstattung der Botschaft; Schulführungen auf Anfrage. Kontakt: 0681 652150, resonanzen@k8.design, stets aktuelle Veranstaltungen sind online einzusehen. Und wer sich schon einmal ins Thema einlesen will, kann dies im aktuellen mR-Heft „Bleu – Blanc – Brut“ tun. (db, 28.9.18)

Forbach-Wiesberg, Notre Dame, 1966, Emile Aillaud (Bild: © bildware.net | H.Elburn)

Neunkirchen baut ab

Für eine der vielen verlorenen Neunkirchener Gottesdienststätten gibt es eine neue Nutzung mit ökumenischer Perspektive: Die 2015 geschlossene Pauluskirche, ein Bau aus dem Jahr 1955 nach Entwürfen des Architekten Rudolf Krüger, wurde an die koptische Gemeinde verkauft. Neunkirchen liegt bei Saarbrücken, im südwestlichen Winkel der Republik. Dort markierte 2015 einen gravierenden Einschnitt in der modernen Kirchenlandschaft: Von sechs protestantischen Gottesdiensträumen wurden drei geschlossen. Neben der Pauluskirche waren dies die 1960 fertiggestellte evangelische Kirche im Kohlhof. Inzwischen ist die denkmalgeschützte „Zeltkirche“ – errichtet als Holzmontagesystem nach einem Entwurf von Helmut Dunker – verkauft und privat genutzt. Ebenfalls 2015 wurde die evangelische Friedenskirche, eingeweiht 1959, geschlossen. Der Bau soll, so 2018 die Aussage der Gemeinde, wohl abgerissen werden.

Ähnlich sieht auf katholischer Seite aus: 2015 verlor für die 1960 geweihte Piuskirche die liturgische Nutzung. Ebenso erging es 2015 der 1954 fertiggestellten Kirche Herz Jesu. Der katholischen Gemeinde blieben am Ende nur zwei Gottesdienststätten: St. Marien und St. Vincenz. Denn 2015 endete eine bereits lange Jahre bewährte ökumenische Nutzung: Die 1958 geweihte, seit 1972 simultan von Katholiken und Protestanten bespielte Kirche St. Barbara wurde 2015 geschlossen und im selben Jahr abgerissen. (kb, 9.7.1.18)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Saarland und Europa nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Saarland unter der französischen Militärregierung ein Masterplan für den Wiederaufbau von Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen erarbeitet. Die Besatzung setzte auf die Versöhnung beider Nationen und den Aufbruch in ein neues anderes Europa. Gleichwohl erregten die funktionalistischen Stadtbauentwürfe den Unmut der lokalen Behörden und dies nicht zuletzt, weil der einseitig zukunftsgerichteten Modernität keine Erinnerung eingeschrieben war. Diesem Zweiklang „Erinnerung und Aufbruch“ widmet sich die Ringvorlesung „Das europaeische Kulturerbe im Saarland nach 1945“ im Sommersemester in der Ehemaligen Französischen Botschaft in Saarbrücken (sog. Pingusson-Bau, Hohenzollernstraße 60, 66117 Saarbrücken) je um 18 Uhr.

An Themen werden geboten: 18. April, Der gebaute Europagedanke der Universität des Saarlands, Dr. Lil Helle Thomas; 2. Mai, Unterricht in Kunst und Design an der Saar, Prof. Rolf Sachsse; 16. Mai, Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion in den 1950ern, Prof. Dietmar Hüser; 23. Mai 2018, 19.30 Uhr, Vorab-Premiere des Dokumentarfilms „Der eiserne Schatz – Eine Geschichte der Völklinger Hütte“ (Kino 8 ½. Saarbrücken); 30. Mai 2018, Die Kettelersiedlung, Dr. Ingeborg Besch; 13. Juni 2018, Saarbrücken und Mainz, Stadtutopien der Besatzungszeit, Prof. Volker Ziegler; 27. Juni 2018, Gründung und Aufbau der Modernen Galerie, Dr. Roland Mönig; 11. Juli 2018, Aufbruch in die Mobilität? Entstehung und Wahrnehmung der Saarbrücker Stadtautobahn, Prof. Barbara Krug-Richter. (kb, 10.4.18)

Ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken (Foto: © Marco Kany, marcokany.de)