Ostwerte

Auch wenn das Thema schon oft diskutiert wurde, von medial bis fachlich: Die baukünstlerischen Zeugnisse der DDR-Zeit werden munter weiter abgerissen. Vor diesem Hintergrund plant der Bund Heimat und Umwelt e. V. (BHU) gemeinsam mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. eine zweitägige Veranstaltung zu dieser bedrohten Architekturepoche. Die Tagung „Ostmoderne“ soll (unter Wahrung aller coronabedingten Hygieneerfordernisse) vom 25. bis zum 26. September 2020 an zwei Orten stattfinden: zunächst in der Aula der Berufsschule Sangerhausen (Friedrich-Engels-Straße 22, 06526 Sangerhausen), anschließend im Hotel TRYP by Wyndham Halle (Neustädter Passage 5, 06122 Halle an der Saale).

Auf dem Programm stehen Schwerpunkte wie Großsiedlungen im Nordosten von Berlin, Anspruch und Realität der sozialistischen Stadt, Halle-Neustadt als Prototyp und Sonderfall, das Schauspielhaus Chemnitz oder der prägende Architekt Josef Kaiser. Mit von der Partie sind u. a. Mark Escherich (Erfurt) sowie Martin Neubacher und Marco Dziallas vom Netzwerk ostmodern Dresden. Neben Exkursionen und übergreifenden Vorträgen werden Einzelbeispiele vorgestellt und die Ergebnisse abschließend in einer Podiumsdiskussion gebündelt. (kb, 25.6.20)

Leider schon weg: das damals leerstehende und hochwassergeschädigte Planetarium auf der Peißnitzinsel in Halle an der Saale im Jahr 2014 (Bild: Knut Mueller)

Wohnen mit Turm

Die Presse titelt frech, hier ginge es um „Sachsens größtes Einfamilienhaus“. Möglich. In jedem Fall handelt es sich um ein Wohnhaus mit viel Flair und Turm. Gemeint ist die katholische Kirche Maria Frieden in Demitz-Thumitz. Der 1954 geweihte Bau zeigt nach außen ganz traditionell Turm, Satteldach und Naturstein. 2011 wurde die Kirche geschlossen. In der Folge richtete man einen Teil des Schiffs für die neue Wohnnutzung her: mit einer Trennwand, einer Zwischendecke und einer Versetzung der Orgel.

Vor Ort träumte man einige Zeit von einer kulturellen Teilnutzung der Kirche. Doch als zeitgleich von staatlicher Seite das Erlebnismuseums „Alte Steinsäge“ aus der Taufe gehoben wurde, reduzierte sich die künftige Funktion von Maria Frieden auf reines Wohnen. Einige Räume wurden auch als Ferienwohnung angeboten. Nun ziehen die jetzigen Bewohner um – und suchen einen neuen Käufer für die ehemalige Kirche. Der Preis soll sich auf 259.000 Euro für das Gebäude und das 2.630 Quadratmeter große Grundstück belaufen. Die neuen Eigentümer könnten auch die Orgel übernehmen. (kb, 30.4.18)

Demitz-Thumitz, Maria Frieden (Bild: Lydia, CC BY SA 3.0, 2011)

Große Pläne

Große Pläne im Harz

Grosse_Plaene_im_Harz_Bild_Diakonissenmuterhaus_ElbingerodeModerne Wohnsiedlungen, reformierte Schulen, aufsehenerregendes Produktdesign, technische Rekorde und künstlerische Kraft – trotz aller politischen und wirtschaftlichen Instabilität nach dem Ersten Weltkrieg waren die Jahre von 1919 bis 1933 in Sachsen-Anhalt voller Aufbruchsstimmung, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bewegung: Mit einer sehr eigenen Dynamik wurde das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt in den 1920er Jahren in die politische, kulturelle und künstlerische Moderne katapultiert. Diese Aufbruchsstimmung teilten Künstler, Gestalter, Architekten, Techniker, Unternehmer und Politiker.

Diese Zeit hat auch in Elbingerode ihre Spuren hinterlassen, als die damalige Oberin Schwester Klara Sagert den noch jungen Architekten Godehard Schwethelm beauftragte das neue Mutterhaus zu bauen. In vielen Details erkennt man bis heute die Ideen des Neuen Bauens. Im Rahmen des Projekts „Große Pläne!“ wird im Foyer des Diakonissen-Mutterhauses Elbingerode (Unter den Birken 1, 38875 Elbingerode) am 18.Mai 2016 um 16.30 eine Präsentation eröffnet, welche die Geschichte des Diakonissen-Mutterhauses und des Neubaus von 1932-1934 dokumentiert. Im Anschluss finden Führungen durch das Diakonissen-Mutterhaus statt, sind Vorträge mit Gespräch geplant. (kb, 17.5.16)