Die Arbeiten haben begonnen: Stiege zieht um

Die Stabkirche beim sachsen-anhaltinischen Stiege ist in Bewegung, im wahrsten Sinne des Wortes: Die hölzerne Konstruktion aus dem Jahr 1905 soll versetzt werden, aus dem Wald in den nächstliegenden Ort. Erbaut wurde die Kirche als evangelische Gottesdienstätte zur Lungenheilanstalt Albrechtshaus – daher die idyllische Lage mitten im Wald. Schon seit den 1990er Jahren, seit der Schließung des Sanatoriums, findet in der denkmalgeschützten Stabkirche jedoch keine regelmäßige liturgische Nutzung mehr statt.

Um dem beginnenden Verfall entgegenzuwirken, wurde 2014 ein Förderverein gegründet, der punktuell für die Öffnung zu besonderen Anlässen sorgte. Bereits seit Längerem plant man nun die Translozierung der Kirche über rund sechs Kilometer hinweg in den Ort Stiege hinein. Hier soll der Bau als Kultur- und Begegnungszentrum genutzt werden. Allen Corona-Schwierigkeiten zum Trotz beginnen in diesen Tagen die Erdarbeiten für den gut eine Million teuren Kirchentransport, für den Fördermittel eingeworben werden konnten. Auch das Innenleben des Bauwerks ist bereits umzugsfertig hergerichtet, denn 2021 soll es an seinem neuen Standort glänzen. (kb, 16.11.20)

Stabkirche Stiege (Bild: Frank Bothe, CC BY SA 4.0, 2016)

Ostwerte

Auch wenn das Thema schon oft diskutiert wurde, von medial bis fachlich: Die baukünstlerischen Zeugnisse der DDR-Zeit werden munter weiter abgerissen. Vor diesem Hintergrund plant der Bund Heimat und Umwelt e. V. (BHU) gemeinsam mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. eine zweitägige Veranstaltung zu dieser bedrohten Architekturepoche. Die Tagung „Ostmoderne“ soll (unter Wahrung aller coronabedingten Hygieneerfordernisse) vom 25. bis zum 26. September 2020 an zwei Orten stattfinden: zunächst in der Aula der Berufsschule Sangerhausen (Friedrich-Engels-Straße 22, 06526 Sangerhausen), anschließend im Hotel TRYP by Wyndham Halle (Neustädter Passage 5, 06122 Halle an der Saale).

Auf dem Programm stehen Schwerpunkte wie Großsiedlungen im Nordosten von Berlin, Anspruch und Realität der sozialistischen Stadt, Halle-Neustadt als Prototyp und Sonderfall, das Schauspielhaus Chemnitz oder der prägende Architekt Josef Kaiser. Mit von der Partie sind u. a. Mark Escherich (Erfurt) sowie Martin Neubacher und Marco Dziallas vom Netzwerk ostmodern Dresden. Neben Exkursionen und übergreifenden Vorträgen werden Einzelbeispiele vorgestellt und die Ergebnisse abschließend in einer Podiumsdiskussion gebündelt. (kb, 25.6.20)

Leider schon weg: das damals leerstehende und hochwassergeschädigte Planetarium auf der Peißnitzinsel in Halle an der Saale im Jahr 2014 (Bild: Knut Mueller)

Wohnen mit Turm

Die Presse titelt frech, hier ginge es um „Sachsens größtes Einfamilienhaus“. Möglich. In jedem Fall handelt es sich um ein Wohnhaus mit viel Flair und Turm. Gemeint ist die katholische Kirche Maria Frieden in Demitz-Thumitz. Der 1954 geweihte Bau zeigt nach außen ganz traditionell Turm, Satteldach und Naturstein. 2011 wurde die Kirche geschlossen. In der Folge richtete man einen Teil des Schiffs für die neue Wohnnutzung her: mit einer Trennwand, einer Zwischendecke und einer Versetzung der Orgel.

Vor Ort träumte man einige Zeit von einer kulturellen Teilnutzung der Kirche. Doch als zeitgleich von staatlicher Seite das Erlebnismuseums „Alte Steinsäge“ aus der Taufe gehoben wurde, reduzierte sich die künftige Funktion von Maria Frieden auf reines Wohnen. Einige Räume wurden auch als Ferienwohnung angeboten. Nun ziehen die jetzigen Bewohner um – und suchen einen neuen Käufer für die ehemalige Kirche. Der Preis soll sich auf 259.000 Euro für das Gebäude und das 2.630 Quadratmeter große Grundstück belaufen. Die neuen Eigentümer könnten auch die Orgel übernehmen. (kb, 30.4.18)

Demitz-Thumitz, Maria Frieden (Bild: Lydia, CC BY SA 3.0, 2011)