Die Zukunft der Stadtbäder

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, selbst als bereits der Erste Weltkrieg den Kontinent erschütterte, haben aufgeklärte Politiker und Architekten Stadt- und Volksbäder als Stätten des sozialen Fortschritts errichtet. Die Tragweite von Bäderschließungen in der Gegenwart ist kaum abzuschätzen: Die körperliche Leistungsfähigkeit von Kindern geht zurück, die Zahlen der Nichtschwimmer steigen und tödliche Schwimmunfälle sind aktueller denn je. Auch die vielfältigen gesellschaftlichen Funktionen der Bäder werden ebenso wenig dargestellt wie die lokalen Planungen und Entscheidungsmechanismen.

Daher veranstaltet der Förderverein Zukunft Stadtbad Halle/Saale (mit dem das Landesamts für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt und der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft) vom 9. bis zum 10. Oktober in Halle (Melanchthonianum, Hörsaal XVI, Universitätsplatz 8-9, 06108 Halle, Eröffnung: Frauenhalle, Stadtbad Halle, Schimmelstraße 1, 06108 Halle/Saale) die Tagung “Die Zukunft der Stadtbäder. 100 Jahre Stadtbad Halle. Europäisches Kulturdenkmal und aktive Sportstätte”. Anlass ist das 100-jährige Jubiläum des Stadtbads Halle, dem mehrmals Schließung und Verfall drohten. 2014 konnten nach einem “Runden Tisch” aller relevanten Akteure die notwendigsten Arbeiten an der 2012 geschlossenen Frauenhalle durch die Bäder Halle GmbH und die Stadt Halle durchgeführt werden. Aber für die Zukunft braucht es noch erhebliches Engagement. Anmeldungen zur Tagung werden entgegengenommen unter: tagung@zukunftstadtbadhalle.de oder 0176/21901434. Bis zum 9. Oktober wird begleitend die Ausstellung “Volks- und Stadtbäder in Deutschland und Frankreich” im Technischen Halloren- und Salinenmuseum Halle gezeigt. (kb, 1.10.15)

100 Jahre alt: das Stadtbad in Halle/Saale (Bild: Jwaller, CC BY SA 4.0)

Obdachlos zum Jubiläum?

Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)
Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)

Im Jahr 2019 wird das Bauhaus 100. Bis zu diesem Jubiläum soll in Dessau ein neues Bauhausmuseum entstehen, um den Geburtstag im gebührenden Rahmen begehen zu können. Dieser Zeitplan scheint jedoch ebenso in Gefahr zu sein wie der Museumsneubau an sich: Nach Informationen von DeutschlandradioKultur ist die zugesagte Teilfinanzierung seitens des Bundes nicht sicher. Statt der in Aussicht gestellten 12,5 Millionen sind bisher offenbar gerade einmal 500 000 Euro für das Projekt eingeplant.

Mit dem prestigeträchtigen Neubau befasste sich jüngst auch ein Ausschuss des Magdeburger Landtages. Wenngleich das Land Sachsen-Anhalt zu seiner Finanzierungszusage steht, gibt es doch heftige Auseinandersetzungen um die Höhe der Baukosten und den Standort des neuen Museums. Während sich die Mitarbeiter des Bauhauses für einen Platz in unmittelbarer Nähe der Meisterhäuser aussprechen, wünscht sich Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) einen Neubau in der Dessauer Innenstadt. Pessimisten befürchten nun, das Jubiläum im Zelt feiern zu müssen… (jr, 22.10.2014)