„Überm See“ wird gebetet

Seit 50 Jahren wird in Olpes Stadtteil Sondern zwischen „Überm See“ und der Franz-Hitze-Straße die Messe gefeiert. Hier am Biggesee, einem in der Nachkriegszeit angelegten Stausee, entstand zwischen 1966 und 1969 – nach Plänen des Architekten und Essener Stadtbaurats Herman Gehrig – die katholische Kirche St. Maria Hilfe der Christen. Der verklinkerte Saalbau mit Betonglas- und Bleiglas-Fenstern erhebt sich über einem polygonalen Grundriss.

Obwohl das kleine Sondern keine 500 Einwohner zählt, bietet die Kirche satte 345 Sitzplätze. Eine Besonderheit ist zudem die Erweiterungsmöglichkeit durch ein bestuhlbares Atrium, das sich zum östlich gelegenen Biggesee orientiert. Dabei waren die Arbeiten holprig verlaufen: Kurz nach dem Baubeginn verstarb Gehrig und der lokale Architekt Heribert Klein musste sein Werk vollenden. Für die Kirchenglocken fehlte zunächst das Kapital. Erst seit 2003 läutet es aus dem skulpturalen Campanile. Umso mehr darf man sich bei einem Besuch über den 50. Kirchengeburtstag freuen und das gelungene Baukunstwerk bestaunen. (mk, 30.11.19)

Olpe-Sondern, St. Maria Hilfe der Christen (Bild: pv-olpe.de)

Crowdfunding im Staatssozialismus

Crowdfunding im Staatssozialismus

Heilige Jungfrau Maria der Koenigin von Polen Kirche, Widnica (Bild: ©Igor Snopek)
Die Heilige-Jungfrau-Maria-der-Königin-von-Polen-Kirche in Widnica (Bild: © Igor Snopek)

Nach 1945 erlebte der polnische Kirchenbau eine ungeahnte Blüte. Über 3000 sakrale Neubauten entstanden in der jungen Volksrepublik. Wenngleich die Regierung den religiösen Bauabsichten der Bürger skeptisch gegenüberstand, legitimierte sie meist die Grundsteinlegung. Der Bau selbst war jedoch von den vielfältigen Initiativen der Gemeinden und der Gläubigen bestimmt. Die Ausstellung „Architektur des VII. Tages“ beleuchtet den nachkriegsmoderne Kirchenbau in Polen und legt einen Schwerpunkt auf das oft entscheidende private und kirchengemeindliche Engagement.

Neben ihrer sakralen Funktion fungierten die polnischen Kirchen oft auch als Zentren der Zivilgesellschaft. In zahlreichen polnischen Gemeinden erfolgten daher im Laufe der Zeit Aus- und Umbauaktionen der neuen Sakralbauten. Die Initiative und Realisierung kam oftmals von den Bürgern selbst – Crowdfunding geht auch offline und sogar im Sozialismus! Die Modifikationen der Bauten spiegelten die Bedürfnisse der Gemeinden wider, stießen aber oftmals auf den Widerstand der Architekten, die ihre Arbeit verfälscht sahen. Die Ausstellung ist bis zum 28. Februar 2017 im Polnischen Institut Berlin zu sehen. (jr, 30.11.16)

Digitaler Sakralbauatlas

Die Bauten aller Religionen in Deutschland virtuell vernetzten – eine große Idee, die gerade den gefährdeten Kirchen der Nachkriegsmoderne zugute kommen könnte. Fachleute aus den Disziplinen Theologie, Soziologie, Städtebau, Kunstgeschichte, Baumanagement, Pädagogik und Denkmalpflege diskutierten am 21. März 2014 in Weimar über das Projekt „Digitaler Sakralbauatlas“. Eingeladen hatte die Professur Baumanagement und Bauwirtschaft der Bauhaus-Universität Weimar, gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung. Nach einführenden Kurzvorträgen stand der Nachmittag ganz im Zeichen von Workshops. Die Teilnehmer trugen ihre Erwartungen, Anfragen und Wünsche an das Projekt zusammen. Man darf gespannt sein, wie es mit dieser großen Idee in kleinen konkreten Schritten weitergehen wird. (kb, 22.3.14)

Prof. Dr. Th. Erne und Dr. A. Körs (Bild: K. Berkemann)