Sanierung macht (Braunschweiger) Schule

In Braunschweig wagte man nach dem Zweiten Weltkrieg den kompromisslosen Neuanfang. Besonders eindrücklich schlug sich der Aufbruchsgeist auf dem Campus der TU Braunschweig nieder. Dort entstanden ab 1950 Hochschulbauten mit Vorbildcharakter. Die Architekten und Lehrer rund um Prof. Friedrich Wilhelm Kraemer schufen Stilprägendes. Die „Braunschweiger Schule“ war geboren. Nach Kraemers Entwurf entstand auch bis 1960 das Herzstück der Anlage: das Audimax. Ein strenger konsequenter Baukörper, dem dadurch allerdings ein Moment der Festlichkeit innewohnt. Durchbrochen wird die Stringenz nur durch eine amorphe Wandinstallation Hans Arps. Sorgfältig ausgewählte Materialien spiegeln den fortschrittlichen Anspruch der damaligen Zeit: eloxiertes Aluminium, Sichtbeton und Glas – in höchster Präzision in das Konstruktionsraster eingepasst.

Der Nachteil der großzügigen Glasflächen ist heute kein Geheimnis mehr. Es bedarf dringend einer energetischen Sanierung. Das Büro Dr. Krekeler Architekten wurde beauftragt, den Bau auf den neuesten Stand zu bringen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Harmonisierung der modernen Anforderungen mit der vorhandenen Originalsubstanz. Nachbauzeitliche Mängel werden in einem Vorgang gleich mit beseitigt. Der elegante Kubus sollte danach bestens gerüstet sein, weitere 60 Jahre über dem TU Forum zu schweben. (jm, 26.5.19)

Braunschweig, Audimax (Bild: Dr. Krekeler Architekten
und Generalplaner (Stefan Melchior))

Fernsehturm Dresden macht wieder auf

Seit 1991 ist der Dresdener Fernsehturm für Besucher geschlossen. Nun steht das Finanzierungskonzept für die Sanierung des doppelstöckigen Turmrestaurants und der einst frei zugänglichen Bereiche: Nachdem der Bund bereits im vergangenen Herbst 12,8 Millionen Euro und damit die Hälfte der veranschlagten Kosten zusagte, sicherte mittlerweile auch das Land Sachsen einen 25-prozentigen Anteil zu. Den Rest der veranschlagten rund 25 Millionen Euro zur Reparatur des 252-Meter-Turms trägt die Stadt Dresden. Zwar gibt es noch keinen Zeitplan zur Wiedereröffnung, doch steht jetzt immerhin fest, dass das einst etwa 200.000 Besucher pro Jahr verzeichnende moderne Wahrzeichen nach bald 30 Jahren wieder zum öffentlichen Ort wird.

Der Baubeginn für den Fernsehturm war 1964, die Eröffnung fand am 7. Oktober 1969 statt, dem 20. Geburtstag der DDR. Architekten waren Kurt Nowotny, Hermann Rühle und Johannes Braune. Die Form (Spitzname: „Sektkelch“) wurde wohl durch den 1953-56 errichteten Fernsehturm Stuttgart inspiriert. In 145 Meter Höhe wartete der Turm mit dem Restaurant auf; eine ursprünglich geplante Gastronomie im Sockelbereich wurde damals nicht fertiggestellt, die Grundmauern stehen heute noch. Wenn alles wie geplant umgesetzt wird, kann man sich in absehbarer Zeit wieder mit dem Aufzug in lichte Höhen auf Kaffee und Kuchen begeben – oder 750 Stufen laufen! Doch zunächst geht nun die Suche nach einem Betreiber für die Gastronomie im denkmalgeschützten Ostmoderne-Bau los. (db, 19.5.19)

Dresden, Fernsehturm (Bild: Stefan Müller, CC BY SA 3.0)

Rathaus Wedding im neuen Glanze

Geht doch! Nach dreijähriger Sanierung durch das Büro Rüthnick Architekten ist der Erweiterungsbau des Rathauses Berlin Wedding nun fit für die nächsten Jahrzehnte. Zwar hat das 1966 fertiggestellte Verwaltungshochhaus seine Waschbetonelemente eingebüßt, doch die neue Dämmfassade übernimmt zumindest die bisherige Streifengestaltung des Hochhauses. Der denkmalgeschützte, aufgeständerte Sitzungssaal konnte sein Äußeres behalten – vor allem aber seine famose Wand- und Deckengestaltung im Inneren. Vorm Abriss gerettet wurde der vorerst verschlossene Übergang von den Alt- in den Neubau, hier wird noch nach einer neuen Nutzung gesucht. Im einstigen Rathaus ist heute das Jobcenter untergebracht.

Architekt der Rathaus-Erweiterung war Fritz Bornemann, der in Berlin unter anderem die Deutsche Oper (1956-61) und das Museumszentrum Dahlem (1965-73, mit Wils Ebert) realisierte. Auch die Universitätsbibliothek Bonn und der Deutsche Pavillon der Weltausstellung 1970 in Osaka zählen zu den Werken Bornemanns, der mit seiner betont sachlichen, am Vorbild Le Corbusier orientierten Architektur das Gesicht West-Berlins mitprägte. Auch der Altbau des Rathauses Wedding zählt zur Moderne: Der genauso sachliche Klinkerbau entstand 1925-30 nach Plänen von Friedrich Hellwig. (db, 20.3.19)

Berlin, Rathaus Wedding (Bild: Rüthnick Architekten/Kevin Fuchs)