DAM im Exil

Nach 37 Jahren Nutzung darf ein Gebäude schon einmal pflegebedürftig sein. So ergeht es auch dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main. Bereits 2010 gab es größere Renovierungsarbeiten, ab Oktober 2021 steht die Fortsetzung mit einer umfangreichen energetischen Ertüchtigung und Brandschutzsanierung an. Hierfür wird das Museum für voraussichtlich zwei Jahre schließen. Allerdings nur am Schaumainkai, denn für die Zeit der Generalüberholung gibt es ein Interimsgebäude: das Hochhaus des ehemaligen Telekom-Areals am Danziger Platz, derzeit genutzt als „Danzig am Platz“. Dort wird das DAM eine rund 400 Quadratmeter große, loftartige Fläche beziehen, die von der nördlich gelegenen Henschelstraße aus zugänglich ist. Ausgelobt und finanziert durch die Gesellschaft der Freunde des DAM, sollen mit Studierenden der Frankfurt University of Applied Sciences in einem Ideenwettbewerb gestalterische Konzepte für die Eingangssituation sowie für eine größere Sichtbarkeit, auch vom Danziger Platz aus, erarbeitet werden. Der Start des „DAM in Danzig“ wird im Januar 2022 mit dem jährlich ausgelobten DAM-Preis für die besten Bauten in und aus Deutschland eingeläutet.

Das eigentliche DAM wurde 1984 im Zuge des Gesamtkonzeptes „Museumsufer“ nach Entwurf von Oswald Mathias Ungers erbaut. Das Innere einer Gründerzeit-Villa wurde hierfür entkernt und mit einer eingestellten Konstruktion, dem mittlerweile legendären „Haus im Haus“ überformt. Der gesamte eingeschossige Anbau wurde durch Wandelgänge mit Glassatteldächern gefasst, der hintere Ausstellungsbereich erhielt eine Lichtdecke. Mittlerweile steht der postmoderne Bau unter Denkmalschutz, birgt aber einige Arbeit: Die offenen Treppenhäuser mit direkt angrenzenden Ausstellungsräumen sowie die zahlreichen Glasflächen bedingen starke Temperaturschwankungen und damit eine schwierige Regulierung des Innenklimas. Daher soll der Wärmeschutz deutlich verbessert werden. Die Außenwände der erdgeschossigen Korridore und das Tonnendach der Ausstellungshalle werden gedämmt, zudem gilt es, Mängel bei Brandschutz- und Sicherheitstechnik zu beheben. Auch die sanitären Einrichtungen sollen erneuert werden. Freuen wir uns aufs Ergebnis, und freuen wir uns aufs Interims-DAM im interessanten 1950er-Jahre-Ensemble am Danziger Platz – das in absehberer Zeit leider abgerissen werden soll. (db, 25.7.21)

Frankfurt, DAM 2018 (Bild: Hagen Stier)

Bald wieder Mies

Fünf Jahre hat es gedauert, doch nun wird Berlins größter Tempel wieder seine Türen öffnen: Am 21. August 2021 macht die Neue Nationalgalerie planungsgemäß wieder auf – dies hat der Leiter Joachim Jäger am Freitag bekanntgegeben. Die Schlüsselübergabe soll am 29. April stattfinden, anschließend wird es Tage der Offenen Tür geben. Als erste Ausstellungen sind angekündigt „Die Kunst der Gesellschaft“ mit Werken aus der Sammlung des Hauses (22. August bis Sommer 2023) sowie „Alexander Calder. Minimal/Maximal“ (22. August bis 12. Februar 2022). Ein Bewunderer des Bildhauers Calder (der 1975 auch das erste „BMW Art Car“ gestaltete) war Ludwig Mies van der Rohe, und hier schließt sich der Kreis: van der Rohe ist der Architekt der 1968 fertiggestellten Berliner Moderne-Ikone.

Die Neue Nationalgalerie wurde gebaut als Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts und ist Teil des Kulturforums im Bezirk Tiergarten. Zum Forum zählen unter anderem auch die Berliner Philharmonie (1960-63, Hans Scharoun), die Staatsbibliothek (1967-78, Hans Scharoun/Edgar Wisniewski) und das Kunstgewerbemuseum (1978-85, Rolf Gutbrod). So richtig glücklich ist bis heute niemand mit der Konzeption und der städtebaulichen Einbindung des Areals, Philharmonie und Neue Nationalgalerie sind allerdings längst als Inkunabeln anerkannt. Die etwa 140 Millionen Euro teure Sanierung des Baus wurde von Chipperfield Architekten durchgeführt. Und nach dem, was bislang zu sehen ist, hat sich das Büro im eigenen Ausdruck sehr zurückgehalten und „Mies pur“ realisiert – ganz im Sinne des Urhebers und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Staatlichen Museen Berlin gehören. (db, 20.3.21)

Berlin, Neue Nationalgalerie (Bild: DrKssn, CC BY-SA 3.0)

Richtfest in Weimar

Seit rund einem Jahr wird die Mensa der Bauhaus Universität Weimar saniert. Nun feierte das Studierendenwerk Richtfest. Das DDR-Gebäude ist eine der letzten individuell geplanten und fast vollständig erhaltenen Mensen der Ost-Moderne. Vor zehn Jahren wurde es durch Proteste von Studierenden und Mitarbeiter:innen der Universität vorm Abriss bewahrt: Die „Mensa am Park“ sollte einem neuen Museum Platz machen. Die öffentlich geführte Diskussion um den Bau sorgte erstmals für breitere Wertschätzung der DDR-Architektur, mitverantwortlich war die Initiative „mensadebatte.de„. Letzten Endes mit Erfolg: „Die Mensa ist durch ihre besondere städtebauliche, baukörper­liche, material­ästhetische und farbliche Gestaltung ein wichtiges Zeugnis der spätmodernen Architektur in der DDR“ , beschied das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und stellte das Gebäude im April 2011 unter Schutz. Auch, wenn danach noch jahrelang zäh um die nowendige Sanierung gerungen wurde, war die Mensa damit gesichert, denn sie blieb bis zum Start der Arbeiten in Nutzung.

Die 2500 Personen Platz bietende Mensa am Park wurde 1979-1982 in der DDR von einem Team um die Architektur-Professorin Anita Bach (*1927) an der Hochschule für Architektur und Bauwesen (heute Bauhaus-Universität Weimar) geplant und mithilfe von Arbeitseinsätzen gebaut. Der Bau öffnet sich mit einer großflächigen Glasfront zum benachbarten UNESCO-Welterbe Ilmpark. 1983 wurde er mit dem Architekturpreis des Bezirks Erfurt ausgezeichnet. Bis Herbst 2021 sollen die Sanierungsarbeiten nun abgeschlossen sein, und zum Glück sollen auch die bauzeitlichen Lampen im Speisesaal mehrheitlich wieder angebracht werden. Sie fand man zu DDR-Zeiten nur noch in einem weiteren öffentlichen Bau: dem Palast der Republik. (db, 12.3.21)

Weimar, Mensa am Park (Bild: Gilbert Weise, CC BY-SA 3.0)