Hamburg-Volksdorf: Ein Bauheft für St. Gabriel

1968 konnte die junge Architektin Brigitte Eckert-von-Holst in Hamburg-Volksdorf eine evangelisch-lutherische Kirche im damaligen Geist des Aufbruchs fertigstellen: St. Gabriel. Ein Zeltdach über quadratischem Grundriss, das liturgische Zentrum gemeinschaftsbezogen in einer der Spitzen des Vierecks, die Glasfenster von Hanno Edelmann – viele gute Argumente, mit denen der Bau unter Denkmalschutz gestellt wurde. Doch aktuell ist er in seinem Erhalt bedroht.

2017 erklärte der Kirchenkreis St. Gabriel, gemeinsam mit weiteren Objekten, für „nicht förderfähig“. Was bedeutet, dass die Gemeinde den Bauunterhalt mittelfristig selbst finanzieren müsste. Und das klingt wiederum sehr nach einem drohenden Abriss. Dagegen kämpfen aktuell ein Teil der Gemeinde und der Förderverein St. Gabriel Volksdorf. Vor diesem Hintergrund will das frisch im Schaff Verlag erschienene „Hamburger Bauheft“ zu dieser Kirche dazu beitragen, Schönheiten und Werte des Kulturdenkmals publik zu machen. (kb, 20.11.19)

Behr, Karin von/Hirschfeld, Gerhard/Dierking, Claus-Friedrich, Die Kirche St. Gabriel in Volksdorf, Nr. 30 aus der Reihe (Hamburger Bauhefte 30), Schaff Verlag, Hamburg 2019, 52 Seiten, DIN-A5-Querformat, Farbdruck, fester Umschlag, Rückendrahtheftung, ISBN 978-3-944405-47-6.

Hamburg-Volksdorf, St. Gabriel (Titelmotiv: hh oldman, via mapio.net); unten: Covermotiv, Schaff Verlag)

Hamburg: Die Jugendherberge

Besser lässt es sich in Hamburg kaum wohnen: direkt unterhalb der Haltestelle Landungsbrücken, auf dem Stintfang. Benannt wurde die Anhöhe nach einer beliebten Fischsorte, heute liegt hier ein kleiner Weinberg – und die Jugendherberge. Der Bau wurde 1953 nach Entwürfen des Architekten Hermann Schöne (1894-1982) fertiggestellt, an der Stelle der kriegszerstörten Stern- bzw. Seewarte. Der Neubau ersetzte die ursprüngliche Überlegung, auf dem prominent gelegenen Baugrund lieber ein Luxushotel zu platzieren.

Damit geriet die Jugendherberge zum Zeichen des Wiederaufbaus der Hansestadt, für die demokratische Öffnung für Gäste aus aller Welt. Auf Initiative von Hamburgs erster Senatorin, der Jugendsenatorin Paula Karpinski (1897-2005) wurde die Anlage zum „Haus der Jugend“ erweitert. In der renommierten Reihe der „Hamburger Bauhefte“, die im Schaff-Verlag erscheinen, hat sich nun Jörg Schilling der Baugeschichte der Jugendherberge auf dem Stintfang angenommen. Ein lohnender Blick, war das denkmalgeschützte Bauwerk doch immer wieder von der Aufgabe bedroht. Zuletzt wurde der Standort jedoch in den 2000er Jahren bestätigt und renoviert, so dass Gäste hier bis heute den Ausblick auf Hafen, Speicherstadt und St. Pauli genießen können. (kb, 2.7.19)

Schilling, Jörg, Die Jugendherberge. Haus der Jugend am Stintfang (Hamburger Bauhefte 29), Schaff-Verlag, Hamburg 2019, 52 Seiten, ISBN: 978-3944405452.

Das Deutschlandhaus auf 58 Seiten

Die Nachricht ist nicht neu – und für Hamburg leider langsam die Regel: Das 1928/29 errichtete Deutschlandhaus am Gänsemarkt soll fallen. Die ABG-Holdinggruppe, die das Gebäude 2014 kaufte, kündigte im Herbst 2017, „es in wenigen Jahren durch einen attraktiven Neubau zu ersetzen“. Als Architekt ist Hadi Teherani im Gespräch – für einen Komplex mit Büros, Einzelhandelsflächen und Wohnungen. Das Deutschlandhaus entstand nach Plänen des Büros Block und Hochfeld. Nach Kriegsschäden wurde das Kontorhaus mehrfach verändert, Ende der 1970er Jahre durch Heinz Schudnagies überformt. Die letzte große Sanierung fand 2006 statt.

So viel Baugeschichte in noch nicht einmal 100 Jahren ist eine eigene Publikation wert. Im Hamburger Schaff Verlag veröffentlichten nun Roland Jaeger und Jörg Schilling ihren historisch orientierten Blick auf dieses „herausragende Beispiel urbaner Großstadtkultur“. Immerhin fand sich im Deutschlandhaus mit dem UFA-Palast das seinerzeit größte Kino Europas. Mehrfach umgebaut und deshalb nicht unter Denkmalschutz stehend, soll das von den deutsch-jüdischen Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld entworfene und – zusammen mit der gegenüberliegenden Finanzdeputation von Fritz Schumacher – den Stadtraum am Gänsemarkt prägende Bauwerk 2019 abgerissen und durch einen das Original in heutigen Formen „interpretierenden“ Neubau von Hadi Teherani Architects ersetzt werden. (kb, 16.11.18)

Jaeger, Roland/Schilling, Jörg, Das Deutschlandhaus 1929-2019 (Hamburger Bauhefte 25), Schaff Verlag, Hamburg 2019, 58 Seiten, DIN A5 Querformat, Farbdruck, fester Umschlag, Rückendrahtheftung, ISBN 978-3-944405-40-7.

Roland Jaeger/Jörg Schilling, „Das Deutschlandhaus 1929-2019) (Bild: Buchcover, Detail, Schaff Verlag, Hamburg)