Candela, Isler, Müther

Félix Candela, Heinz Isler und Ulrich Müther – schon einer dieser Namen lässt die Augen von Modernisten weltweit aufleuchten. Alle drei standen von den 1950er bis zu den 1980er Jahren an der Spitze des Betonschalenbaus. Ihr Werk, das vorwiegend in Mexiko, der Schweiz und der DDR unter sehr unterschiedlichen Bedingungen entstand, wurde international bestaunt, besucht und nachgeahmt. Vor diesem Hintergrund findet vom 17. bis zum 18. Mai 2019 in Berlin in der Akademie der Künste (Pariser Platz 4, 10117 Berlin, Plenarsaal) das internationale Symposium „Candela, Isler, Müther. Der Betonschalenbau in Mexiko, in der Schweiz und in Deutschland“ statt.

Die Konferenz will die Bauten von Candela, Isler und Müther in die Architekturentwicklung und das Ingenieurwesen ihrer Zeit einordnen. Im Mittelpunkt stehen die wechselseitigen Einflüsse, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Entwurfsprozessen, der Konstruktion und der Ausführung. Zudem werfen die Referenten einen Blick auf die Aufnahme und das Weiterleben des nachkriegsmodernen Betonschalenbaus. Das Symposium ist das zweite in einer auf drei Konferenzen angelegten Reihe, die von der Hochschule Wismar mit der ETH Zürich und der Universidad Nacional Autónoma de México organisiert wird. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Akademie der Künste, Belin, durchgeführt – unterstützt durch die Wüstenrot Stiftung. Der Eintritt ist frei, die Anmeldung noch möglich bis zum 10. Mai 2019 bei Lisa Zorn, zorn@adk.de. (kb, 2.5.19)

Valencia, L’Oceanogràfic, Félix Candela/Alberto Domingo/Carlos Lázaro, 2003 (Bild: Felipe Gabaldón, CC BY 2.0)

Leichte Schalen

Mit fünf Zentimetern über 80 Meter: Für die Betonschale der ehemaligen Sendehalle von „Europe 1“ gingen der Architekt Jean-François Guédy und der Ingenieur Bernard Laffaille an die Grenzen des damals technisch Möglichen. Zunächst hatten sie 1953 eine schlaff bewehrte Konstruktion im Sinn, die dann aber zu einer vorgespannten Schale hin abgewandelt werden sollte. Bei diesen Arbeiten zerriss die Schale, so dass der Altmeister Eugène Freyssinet im Herbst 1954 helfend einspringen und die Konstruktion abwandeln musste. 1980 traten dann Bauschäden auf, daher wurde das Tragkonzept nochmals geändert und dadurch das Ensemble bewahrt.

Somit spannt die Sendehalle von Felsberg-Berus einen bemerkenswerten Bogen zwischen Architektur und Ingenieurskunst, zwischen zwei ehemals verfeindeten Nachbarländern. Nicht zuletzt zeugt diese Schadensgeschichte vom „Tanz auf Messers Schneide“, den die Nachkriegszeit zugunsten einer leichten schwerelosen Bauweise riskierte. Ein Wagnis, das heute beim Erhalt solcher Baukunstwerke viele Fragen aufwirft. Dieser Herausforderung stellt sich der Workshop „Grenzgänger – Vom Umgang mit leichten Schalentragwerken“ vom 11. bis 13. Oktober 2018 in der ehem. Sendehalle Europe 1 in Überherrn-Berus. Die Veranstaltung erfolgt im Rahmen des saarländischen ECHY-Projekts „Resonanzen. Die langen Wellen der Utopie“. Um Anmeldung bis zum 30. September 2018 wird gebeten unter: a.boecker@bildung.saarland.de (kb, 3.9.18)

Felsberg-Berus, Sendehalle „Europe 1“ (Bild: Marco Kany)

Planetarium: Abriss genehmigt

Planetarium: Abriss genehmigt

Halle, Planetarium (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)
Idyllisch gelegen und futuristisch geschwungen: das ehemalige Sigmund-Jähn-Planetarium auf der Peißnitz-Insel (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)

Benannt ist der geschwungene Bau auf der Peißnitz-Insel nach dem ersten Deutschen im Weltall. Das Sigmund-Jähn-Planetarium wurde 1978 eingeweiht. Für die Technik sorgten die Carl Zeiss-Werke Jena mit dem hochmodernen Projektor „Spacemaster DP2“. Für die futuristische Bauform zeichnete der Ingenieur Herbert Müller verantwortlich, der vielerorts DDR-Funktionsbauten unter eine oder gleich mehrere „hyperbolischen Halbschalen“ setzte.

Die malerische Insellage machte dem Planetarium zu schaffen. Mehrere Hochwassereinbrüche, zuletzt 2013, schädigten zuerst den Bau und schließlich auch den Projektor. Vor diesem Hintergrund hatte sich die Stadt Halle entschlossen, das Planetarium auf der Peißnitz-Insel aufzugeben und an einem anderen Standort einen Neubau zu errichten. Seit 2013 steht der Bau leer und Ende April 2015 wurden Gelder für den Abriss eingestellt, nun wurde der Abriss auch formell genehmigt. Mit der Auflage, dass der rund 8 Millionen Euro teure – ebenso wie der Abriss teils aus Fluthilfemitteln zu finanzierende – Neubau eines Planetariums im Gasometer am Holzplatz erfolgt. Damit ist auch das Angebot eines Patenschafts-Vertrags durch die Initiative „Schalendom“, die das denkmalgeschützte Peißnitz-Planetarium als prägenden Bau der Ostmoderne erhalten sehen will, abgelehnt. Noch fehlt der Baubeschluss für den Planetariums-Neubau. (kb, 26.6.16)