Verrückt – der Comic zum Berliner Schloss

„Na das schönste Erlebnis für einen Zeichner ist natürlich, wenn dein Baby zu Welt kommt, oder besser: wenn du deinen Comic gedruckt in den Händen hälst.“ So beschreibt Sebastian Strombach in einem Interview den freudigen Moment, wie er ihn in diesem Winter wieder erleben konnte, als er die Proofs für sein neuestes Werk „Verrückt“ aus der Knallfolie wickelte. Über die Rekonstruktion des Berliner Schlosses wurde fast doppelt so lange diskutiert, wie die Wiederaufbauarbeiten dauerten. Jetzt setzt nach und nach die Versöhnung, zumindest die Gewöhnung ein – auch künstlerisch. Strombach näherte sich dem strittigen Thema mit dem gespitzten Stift.

Auf doppelseitigen Panoramen wandert er durch die Baugeschichte des Schlosses vom Mittelalter bis in die Moderne. Aus der Sicht eines Flaneurs beleuchtet er aus den unterschiedlichsten Perspektiven die Bauherren und ihre Intentionen – ob Großer Kurfürst oder Walter Ulbricht. Erschienen ist der Band mit den kraftvollen Schwarz-Weiß-Zeichnungen im urbanophil-Verlag, gestaltet vom Bureau Punktgrau. (kb, 11.12.20)

Strombach, Sebastian, Verrückt. Der Comic zum Berliner Schloss, urbanophil-Verlag, Berlin 2020, 136 Seiten, ISBN 978-3982-0586-2-7.

Neubeginn und Tradition

Mitten im demokratischen Deutschland wird ein neues Schloss gebaut. In Berlin soll es aber kein Schloss mehr sein, sondern Museum und eine Begegnungsstätte. Das entspricht dem Geist der Globalisierung und dem Stand der kulturellen Reflexion. Dennoch gibt die Bundesrepublik Deutschland diesem Bauwerk die äußere symbolträchtige Form ihrer monarchischen Vergangenheit. Was bedeutet dies?

Vom 25. bis 26. September 2015 geht dieser Frage die Tagung „Neubeginn und Tradition. Monarchisches Erbe in Politik und Staat der DDR und der Bundesrepublik Deutschland“ in der Berliner Bundesakademie für Sicherheitspolitik (Schlossanlage Schönhausen, Ossietzkystraße 44/45, 13187 Berlin) nach. Seit 1945 war sich die deutsche Demokratie uneins, wie sie mit dem (baulichen) Erbe der Monarchie umgehen sollte. In der alten Bundesrepublik wie in der DDR wurden Schlösser abgerissen, gleichzeitig zogen die Präsidenten der neu gegründeten deutschen Staaten in – Schlösser. Aber warum wählte man für die (Re-)Präsentation weiterhin Schlösser einer vergangenen, so oder so überwunden geglaubten Zeit? Was hat sich an monarchischen Traditionen erhalten? Diese und weitere Fragen erörtert die Konferenz, die vom Research Center Sanssouci (RECS) der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie von der Abteilung Neue Geschichte, Lehrstuhl Prof. Dr. Dominik Geppert, der Universität Bonn veranstaltet wird. Anmeldungen sind möglich bis zum 15. September unter:  j.klein@spsg.de. (kb, 17.7.15)

Als der Umgang mit dem Erbe der Monarchie museal wurde: eine Schlossbesichtigung in Potsdam im Mai 1951 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-10799-0014, CC BY SA 3.0.de, Foto: Schack)

Das Schloss in der Republik

Berlin, Schloss bei der Sprengung 1960 (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 83-07964-0001)
Das Berliner Schloss bei Sprenungsarbeiten im Jahr 1950 (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 83-07964-0001)

Mit dem „Wiederaufbau“ des Berliner Stadtschlosses brach auch wieder die Grundsatzdiskussion auf: Was fängt eine moderne Demokratie mit einem historischen Schloss an? Dieser Frage spürt die Tagung „Das Schloss in der Republik. Monument zwischen Repräsentation und Haus der Geschichte“ – zugleich das Herbstsymposion der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten – in den Dornburger Schlössern bei Jena vom 17. bis zum 18. Oktober 2014 nach. Die Vorträge beleuchten das Thema anhand bundesweiter Beispiele: Prof. Dr. Ulrich Schütte spricht über Repräsentationsstrategien der Fürstenschlösser nach 1945, Dr. Guido Hinterkeuser beleuchtet das Berliner Schloss unter den beiden deutschen Diktaturen (1933-51/63), Dr. Franz Nagel berichtet über Thüringer Schlösser zwischen Denkmalwert und Nutzungsdruck nach 1945 u. v. m.

Für den Festvortrag konnte Dr. Cajetan von Aretin/München gewonnen werden. Die Exkursion führt am Samstagnachmittag durch das Schloss Schwarzburg. Anmeldungen sind noch bis zum 6. Oktober möglich unter: stiftung@thueringerschloesser.de. Die Teilnahmebestätigung erfolgt durch Anmeldung und Überweisung der Tagungsgebühr (25,- €, ermäßigt 18,- €) und evtl. des Exkur­sionsbeitrages (18,- €) bis zum 8. Oktober 2014 unter Angabe des Namens auf das Konto der Stiftung bei der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt: IBAN: DE03 8305 0303 0000 0001 24, BIC: HELADEF1SAR. (kb, 12.9.14)