Jenseits der Frankfurter Küche

Die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) lieferte in den 1920er Jahren mit der Frankfurter Küche den Entwurf für die weltweit erste Einbauküche. Für ihre Vita war das Segen und Fluch zugleich: Zwar ist ihr Name auch fast 100 Jahre nach dieser Pionierarbeit in Fachkreisen jedem ein Begriff, andererseits reduzieren eben jene Kreise Schütte-Lihotzky fast ausnahmslos auf die berühmte Küche. Eine Tagung in Wien will das ändern und plant einen umfassenden Blick auf Werk und Vita der Architektin.

Unter dem Titel „Architektur. Politik. Geschlecht“ beleuchtet das interdisziplinäre Symposium die Biografie der Architektin, die in diversen Ländern tätig war und die eigene Arbeit stets eng mit ihren politischen Überzeugungen verknüpfte. Schütte-Lihotzky war nicht nur eine bedeutende Architektin, sondern als Widerstandskämpferin, Frauenrechtlerin, Publizistin und bekennende Kommunistin eine der facettenreichsten Persönlichkeiten der europäischen Architektenschaft. Das Symposium findet am 9. und 10. Oktober 2018 an der Universität für angewandte Kunst Wien statt, anmelden kann man sich hier. Und ja, die Frankfurter Küche ist natürlich auch ein Thema. (jr, 26.6.18)

Frankfurter Küche (Bild: PD)

Merchandising der Moderne

Merchandising der Moderne

Frankfurter Küche Handtuch (Bild: idüll)
Das Frankfurter Küche Handtuch (Bild: idüll)

Die Frankfurter Küche gilt als Mutter aller Einbauküchen. In den 1920er Jahren konzipierte die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky im Auftrag des von Ernst May geleiteten Hochbauamts den Prototyp, der in den folgenden Jahren in über 10 000 Wohnungen verbaut wurde. Der Entwurf zielte auf eine größtmögliche Zeitersparnis bei Haus- und Küchenarbeit ab und fußte auf der Analyse von Bewegungsmustern und Arbeitswegen. Das Frankfurter Designbüro Idüll hat der Küche nun ein Denkmal gesetzt: Das „Frankfurter Küche Handtuch“.

Das Küchenutensil wird im Stil einer Blaupause von einer Abbildung der inzwischen ikonischen Metallschütte geziert, die Schütte-Lihotzky zur Aufbewahrung von Gries, Linsen etc. vorsah. Um den Behälter windet sich schwungvoll eine weiße Linie, die an die von der Architektin erarbeiteten Bewegungsschemen erinnert. Entgegen der nüchternen, bisweilen kalt anmutenden klassischen Moderne verspricht das Handtuch „fein gewebte Streicheleinheiten fürs Geschirr“. Das Textil beschränkt sich jedoch nicht in postmoderner Manier auf das historische Zitat, sondern wird im Karton mit weiterführenden Informationen zur Geschichte der Frankfurter Küche geliefert. Ein Handtuch mit didaktischem Anspruch – dieses Alleinstellungsmerkmal wird dem Stoffobjekt so schnell nicht zu nehmen sein. (jr, 24.2.17)