Schulbau

Augsburg, Universitätsbibliothek (Bild: Universitätsbibliothek Augsburg/Fotostelle)

Campus museumsreif?

2020 feiert die Universität Augsburg ihren 50. Geburtstag. Eigentlich kein Alter für eine Bildungseinrichtung, doch aktuell wird landauf landab hitzig über den „Schulbau der Zukunft“ diskutiert. Zumeist geht es dabei um neue pädagogische Konzepte, aber davon bleibt auch die Architektur nicht unberührt. Die meisten bundesdeutschen Bildungsbauten entstanden zwischen 1945 und 1979, freilich unter ganz anderen (bildungs-)politischen Voraussetzungen. Damals prägten die Stadtraumfiguren von Agora, Forum und Campus zumeist die Schul- und Universitätsplanungen. Doch gerade diese Architekturen werden heute allzu oft mit reichlich Bundesmitteln bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet oder überbaut.

Vor diesem Hintergrund versteht der Dortmunder Architekturhistoriker PD Dr. Olaf Gisbertz seinem Vortrag „Agora – Forum – Campus. Gebaute Bildungsreformen vermitteln“, der am 3. Juli 2019 um 18.15 Uhr an der Universität Augsburg (Raum 1088, Gebäude D) beginnt, als Denkanstoß: Die Bildungsbauten der Nachkriegsmoderne verdienen als „Zukunft für die Vergangenheit“ einen wertschätzenden nachhaltigen Blick. Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der Reihe „Campus museumsreif? – Universitätswelten ausstellen“, die den Kosmos Universität aus (kunst-)historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet – mit Fachvorträgen, mit Ausstellungen etwa über die Studentenproteste und nicht zuletzt mit dem Campus selbst. (kb, 3.7.19)

Augsburg, Universitätsbibliothek (Bild: Universitätsbibliothek Augsburg/Fotostelle)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil)

Pro PS Wedding

Das Diesterweg-Gymnasium (1977, Pysall, Jensen & Stahrenberg) in Berlin-Wedding gilt als erstes Oberstufenzentrum Berlins, das die reformpädagogischen Ziele der 1960er und 1970er Jahre verkörpert. Und eben dieser popmoderne Schulbau steht seit 2011 leer, 2018 wurde zudem nach einem Wasserrohrbruch der Keller überflutet. Zwar erwiesen sich erste Befürchtungen, das Wasser sei stark asbestbelastet, als übertrieben: Im Wedding hatte man nur in den Kellerräumen in geringem Umfang Asbest verbaut, da eine Sprinkleranlage den restlichen Brandschutz übernahm. Eigentlich eine gute Ausgangslage für die Weiternutzung und den Umbau zum Quartierszentrum mit preiswerten Wohnungen, wie es die Initiative „psWedding“ vorschlägt.

Doch weiterhin wird der Abriss nicht nur diskutiert, sondern aktiv vorangetrieben. Nach ersten Verhandlungen um einen Erbbaurechtsvertrag für die Abrissgegner votiert der Bezirk Mitte seit Herbst 2018 stattdessen für eine Abbruch. Am 2. Mai 2019 widmet sich von 17 bis 19 Uhr eine Veranstaltung des Bezirksamts Mitte dem Thema: In der Mensa der Heinrich-Seidel-Grundschule (Ramlerstraße 9/10, 13355 Berlin) soll die bezirkliche Schulentwicklungsplanung vorgestellt werden. Auf der Tagesordnung stehen zwei Sprecher: die Stadträte Herr Spallek und Herr Gothe. Die Abrissgegner fordern stattdessen „die Klärung der verfahrenen Situation mittels eines Runden Tisches auf Landesebene“ – und hoffen auf aktive Unterstützung von erhaltungsfreudigen Gästen der öffentlichen Sitzung des Bezirksamts am 2. Mai. (kb, 1.5.19)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil)

Diesterweg-Gymnasium: Jetzt noch ungewisser?

Im Sommer diesen Jahres wurde nach einem Wasserrohrbruch der Keller des Diesterweg-Gymnasiums (1977, Pysall, Jensen & Stahrenberg) in Berlin-Wedding überflutet. Abgepumpt ist das Wasser noch immer nicht, aber jetzt ist zumindest klar: Es ist weniger schadstoffbelastet ist als befürchtet. Trotz dieser guten Nachricht spricht sich der Schulstadtrat, wie die „Berliner Woche“ vor wenigen Tagen berichtete, weiter für den Abriss des orangenfarbenen Ensembles aus. Er will stattdessen – schon fast paradox – einen Schulneubau.

Der prägnante Gebäudekomplex, der als erste Oberstufenzentrum Berlins die reformpädagogischen Ziele der 1960er und 1970er Jahre bezeugt, steht seit 2011 leer. Die meisten anderen Schulen der Stadt aus dieser Zeit wurden bereits wegen Asbestbelastung abgerissen. Im Wedding verbaute man jedoch nur in den Kellerräumen Asbest in geringem Umfang. Grund dafür ist, wie der Architekt der Schule Hans-Joachim Pysall erklärte: Damals wurde eine Sprinkleranlage installiert, um verschiebbarer Wände  einbauen zu können – Asbestverkleidungen in den Obergeschossen waren deshalb nicht notwendig. Eigentlich eine gute Ausgangslage für die Weiternutzung und den Umbau zum Quartierszentrum mit preiswerten Wohnungen, wie es die Initiative „psWedding“ vorschlägt. Bislang scheiterte das gemeinwohlorientierte Konzept an bürokratischen Hürden – die Zukunft des Diesterweg-Gymnasiums ist also heute tatsächlich noch ein Stück „ungewisser“. (ck, 9.12.18)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil, 2010)

Diesterweg-Gymnasium: Abriss angekündigt

Orange die Fassade, die Ecken abgerundet, grüne Türen mit großen Bullaugen-Fenstern – das Diesterweg-Gymnasium (1977, Pysall, Jensen & Stahrenberg) im Brunnenviertel ist ein markanter Nachkriegsbau und einzigartig in Berlin. Nicht nur die Gestaltung des dreigeschossigen Gebäudes war futuristisch, auch das Nutzungskonzept war experimentell. Im Erdgeschoss verband eine öffentlich zugängliche Schulstraße die beiden Eingänge von der Putbusser und der Schwinemünder Straße. An der Schulstraße liegt als offener Raum die Aula mit bodentiefen Fenstern. Orangene Treppen führen ins Obergeschoss mit Klassenzimmern, deren Wände flexibel angepasst werden konnten. Mit einer Stadtbibliothek, einem Sportplatz und einer Turnhalle und durch seine stadträumliche Einbindung diente die Schule als Quartiersmittelpunkt im Brunnenviertel.

2011 wurde die Schule geschlossen: Der hohe Flächenanteil pro Schüler und der schlechte energetische Standard galten als unwirtschaftlich. Seitdem wird über Abriss oder Umnutzung diskutiert, viele haben sich für den Erhalt des Gebäudes ausgesprochen und auf die architektonische, städtebauliche und soziale Bedeutung hingewiesen. Es gibt sogar ein ausgereiftes Nutzungskonzept für ein soziokulturelles Nachbarschaftszentrum mit Kita, Theater, Bibliothek, Sportangeboten, Gemeinschaftsgarten und preiswerten Wohnungen. Doch der zuständige Schulstadtrat verkündete vor wenigen Tagen, dass die Schule abgerissen wird. Der Grund sei ein Wasserschaden wegen eines geplatzten Rohrs. (ck, 4.9.18)

Berlin, Diesterweg-Gymnasium (Foto: Christian Kloss, urbanophil, 2010)

Perl-Besch, Schule (Bild: Günter Leuck, mapio.de)

Perl: Aus für die Schule in Besch?

In Besch, einem Stadtteil im saarländischen Perl bei Merzig, hat die Grundschule Dreiländereck eine Dependance. Noch, zumindest wenn es nach der Kommune geht. Die will hier ein Feuerwehr-/Bürgerhaus errichten. Der Schulbau aus dem Jahr 1962, den figürliche Mosaikmotive u. a. nach Entwürfen des Nenninger Kunstmalers Nikolaus Schmitt zieren, soll dafür weichen. Die Schüler müssten sich dann täglich mit dem Bus auf den Weg nach Perl machen. Doch der Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) weigert sich, den Schulstandort Besch aufzugeben. Und vor Ort kämpft eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Gebäudes mit seiner angestammten Nutzung.

Am 6. Oktober nun ging der seit Sommer letzten Jahres schwelende Streit in die nächste Runde. An diesem Tag hat der Gemeinderat beschlossen, auf seine Neubaupläne zu bestehen und notfalls den Klageweg zu beschreiten. Der Auftrag für den Abriss wurde jedoch noch nicht erteilt, erst will die Kommune die Abrissfreigabe vom Land ertrotzen. Dafür hat man sich selbst und damit dem Ministerium eine Frist von 14 Tagen gesetzt. Danach dürfte der „Fall Besch“ wohl vor Gericht landen. (kb, 17.10.17)

Perl-Besch, Schule (Bild: Günter Leuck, mapio.de)

Schulretter!

Wien, Informatik-Mittelschule Kinkplatz (Bild: Manfred Seidl (Büro Richter), CC BY SA 3.0)
In der Diskussion: die Wiener Wien, Informatik-Mittelschule Kinkplatz (Bild: Manfred Seidl (Büro Richter), CC BY SA 3.0)

Jetzt müssen wir uns hier schon um die 1990er kümmern … In Wien ist es soweit, dass ein, wenn nicht DAS Hauptwerk des österreichischen Architekten Helmut Richter zur Diskussion steht. Der 1941 in Graz geborene Baumeister und Hochschullehrer hatte sein Handwerk in Graz und Los Angeles gelernt, bevor er 1971 eine Professur in Paris annahm, um 1977 schließlich in Wien sein eigenes Büro zu eröffnen. 2014 verstarb Richter in seiner Wahlheimat im Alter von 73 Jahren. Zu seinem renommierten Werk gehören der Prototyp eines Fernsehsessels (1968) ebenso wie die Wiener Restaurants Klang I und II (1985/97) sowie Ausstellungsarchitektur für die Biennale in Venedig (1993).

Der imposante Stahl-Glas-Keil am Wiener Klinkplatz entstand von 1991 bis 1994. „Ich wollte eine Schule machen, bei der nicht gleich das Unangenehme, das bei Schulen immer so auffällt, sich bemerkbar macht“ – so Richter über sein Werk. So ist es nur folgerichtig, dass die Initiative „Rettet die Informatik-Mittelschule Kinkplatz von Architekt Helmut Richter“ für eben dieses Ziel kämpft. Aktuell hat die zuständige Magistratsabteilung der Stadt eine Untersuchung in Auftrag gegeben, wie mit dem Bau zukünftig umzugehen sei. Daher fordert die Initiative, das spätmodernen Schulgebäude des österreichischen Altmeisters unter Denkmalschutz zu stellen. (kb, 16.6.16)