Das Herbstheft ist da – mit DOI und neuem pdf-Layout

Da muss jede:r durch, im Schönen wie im Hässlichen: die Schule. Seit den Reformansätzen des frühen 20. Jahrhunderts wurden die Klassenräume zu Laboratorien einer heilen, einer besseren Welt stilisiert. Vom Baubeamten bis zur Stararchitektin haben sich in den letzten Jahrzehnten viele an dieser großen Aufgabe versucht – mit bemerkenswerten Ergebnissen. Das moderneREGIONAL-Herbstheft “Moderne bildet” (Redaktion: M. Kraemer/A. Vinzenz) stellt lesens- und sehenswerte Beispiele vor, die Schularchitektur des 20. Jahrhunderts zu erforschen, zu bewahren und an die nächste Generation zu vermitteln.

Die mR-Redakteurin Jasmin Rettinger hat dem pdf zum Heft jetzt ein neues Layout verliehen, um das Lesen nicht nur stilvoller, sondern auch übersichtlicher zu gestalten. Die gewohnte Online-Version der Einzelbeiträge steht parallel weiterhin zur Verfügung. Nun wird auch der Open-Access-Ansatz der moderneREGIONAL-Hefte noch konsequenter umgesetzt: Neben der digitalen ISSN, mit der die Deutsche Digitale Bibliothek für die Langzeitdatensicherung sorgt, verfügt jetzt jedes Heft über eine DOI (Digital Object Identifier), einen eindeutigen und dauerhaften Identifikationscode, mit dem das Heft nach internationalen Standards wissenschaftlich zitierbar wird. (kb, 4.10.21)

Titelmotiv: Barcelona, Deutsche Schule, Klassentrakt (Entwurf: Pysall und Rollenhagen, Realisierung: Architekten PJS, 1969–1976 (Bild: SAIB, Nachlass PSP)

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Inhalt

LEITARTIKEL: Bildungs(t)räume

LEITARTIKEL: Bildungs(t)räume

Oliver Sukrow über die Moderne im Schulbau.

FACHBEITRAG: Waldorfschulen

FACHBEITRAG: Waldorfschulen

Alexandra Vinzenz über das architektonische Konzept jenseits des Klischees.

FACHBEITRAG: Schulkollektiv und Polytechnik

FACHBEITRAG: Schulkollektiv und Polytechnik

Dina Dorothea Falbe über den DDR-Schulbau von Ludwig Deiters bis Helmut Trauzettel.

FACHBEITRAG: Farbenfrohe Schulhäuser von PJS

FACHBEITRAG: Farbenfrohe Schulhäuser von PJS

Arne Herbote über die Bildungsbauten des Büros Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner.

PORTRÄT: Ostertags Realschule in Bad Friedrichshall

PORTRÄT: Ostertags Realschule in Bad Friedrichshall

Maximilian Kraemer über einen bemerkenswerten Schulbau des Architekten Roland Ostertag.

FOTOSTRECKE: Holzstuhl und Linoleumboden

FOTOSTRECKE: Holzstuhl und Linoleumboden

Die bunte Welt der Lehrmittel im Spiegel der Werbebilder der Nachkriegszeit.

INTERVIEW: Gregor Zoyzoyla zum Europagymnasium Wörth

INTERVIEW: Gregor Zoyzoyla zum Europagymnasium Wörth

Der Architekturfotograf hat mit Schüler:innen einen modernen Bau erkundet.

Der Best-of-90s-Beitrag

Gewerbeschule Durlach – von Karin Berkemann

Karlsruhe, Gewerbeschule Durlach (Bild: Cordula Schulze, Mai 2021)

Bildungsschock

Bundesweit stehen Schulbauten der Architekturmoderne aktuell entweder auf der Sanierungs- oder Abrissliste. Dabei waren Räume der Bildung nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem in Zeiten des Kalten Krieges, auch politisch gewollte Vorzeigeprojekte. Die Ausstellung “Bildungsschock”, noch zu sehen bis zum 11. Juli 2021 im Haus der Kulturen der Welt (John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin) in Berlin, fragt daher nach den Verflechtungen von “Lernen, Politik und Architektur in den 1960er und 1970er Jahren”. Denn, so die These des Projekts, es gibt eine Parallele zwischen der Bildungsoffensive jener Jahre und dem “Sputnik-Schock”, als die UdSSR 1957 für einen Moment das Wettrennen im All gewonnen zu haben schien. In der Ausstellung und zwei zugehörigen Publikationen werden die Neuaufbrüche der Schulpolitik im Kalten Krieg und in den bewegten Jahren nach 1968 entfaltet.

Themengerecht wird die Präsentation von einem breitgefächerten Begleitprogramm gestützt, darunter z. B. das Projekt Bildung in Beton an acht Berliner Schulen, in dem sich Schüler:innen und Künstler:innen mit ihren Schulbauten der 1960er und 1970er Jahre auseinandersetzen. Sonderführungen wenden sich eher an das erwachsene Publikum, eine Dialogreihe mit Fachleuten wird aus dem Haus der Kulturen der Welt gestreamt, spezielle Workshops stehen den Bildungstreibenden ebenso offen wie Interessierten – und wer sich terminlich nicht binden mag, kann bereits aufgezeichnete Veranstaltungen online als Video abrufen. Als einer der kommenden Termine sei die Expertinnenführung mit Dina Dorothea Falbe und Dorett Mumme unter dem Titel “Plattenbau und Polytechnik. Emanzipatorische Momente realsozialistischer Schulgestaltung” empfohlen, die am 27. Juni 2021 ab 15 Uhr analog stattfinden soll. Oder am 1. Juli 2021 ab 18 Uhr der Workshop “Bewegungen bilden – eine körperliche Raumerkundung” mit Sabine Zahn. (kb, 23.6.21)

Berlin, Oberstufenzentrum Wedding/Diesterweg-Gymnasium (ehem. Ranke-Oberschule), 2019 (Bild: Ludger Blanke)

Mannheim: Ein Mutschler weniger

Nun ist es offiziell: Der Gemeinderat der Stadt Mannheim hat in seiner Sitzung vom 3. November beschlossen, dass es der Geschwister-Scholl-Schule auf der Vogelstang an den Kragen geht. Ein Neubau soll die Gesamtschule ersetzen, die aus einer Werkrealschule, einer Realschule und einem Gymnasium besteht und auch die Stadtteilbibliothek beheimatet. Zuvor hatte ein Gutachter bestätigt, dass die Schule “nicht sanierbar” sei, wie der Mannheimer Morgen berichtet. Dank des Gutachtens könnten für den Neubau Fördermittel des Landes beantragt werden, heißt es auf einer Website der Stadt Mannheim.

Architekt der Geschwister-Scholl-Schule war der Mannheimer Architekt und Egon-Eiermann-Schüler Carlfried Mutschler. Errichtet wurde sie in zwei Bauabschnitten zwischen 1967 und 1975. Während die von Mutschler gemeinsam mit Frei Otto entworfene Multihalle kürzlich gerettet werden konnte, hat der Schulbau offenbar keine Fürsprecher. Auch ein Artikel der Süddeutschen Zeitung kam zum Schluss, dass Mutschlers Schulbauten nicht mehr in die Zeit passten. Dabei verfolgte der Architekt ein ambitioniertes Gestaltungskonzept. Mit Sichtbeton und rotem Sichtmauerwerk tritt die Schule in Beziehung zum nahe gelegenen Evangelischen Gemeindezentrum Vogelstang, das Mutschler 1968 mit den gleichen Materialien schuf. Man darf auf den Neubau gespannt sein – ob auch er die subtile städtebauliche Beziehung fortführen wird? (mk, 18.11.20)

Titelmotiv: Eingangsbereich der Geschwister-Scholl-Schule in Mannheim-Vogelstang von Carlfried Mutschler, (Bild: Maximilian Kraemer 2020)