Schwarzes Wien

Wien Radiokulturhaus (Bild: Thomas Ledl, CC-BY-SA 4.0)

Das Schwarze Wien

Das sogenannte Rote Wien ist heute als historisches soziales Wohnbauprogramm weltbekannt. In den Jahren 1918 bis 1934 wurde die österreichische Hauptstadt durchgehend sozialdemokratisch regiert. Die SPÖ initiierte einen beispiellosen öffentlichen Wohnungsbau, der die Stadt mit eindrücklichen Projekten wie dem Karl-Marx-Hof oder dem George-Washington-Hof prägte. Als die österreichische Republik 1934 dem austrofaschistischen Ständestaat weichen musste, versuchten die neuen Machthaber, das Rote Wien zu marginalisieren. Eine jüngst erschienene Monografie untersucht die architektonische Planung des Austrofaschismus für die Hauptstadt.

In den vier Jahren seines Bestehens fokussierte der Ständestaat den Straßen- und Brückenbau für ein großangelegtes Arbeitsbeschaffungsprogramm. Wien sollte zu einer verkehrsgerechten repräsentativen Metropole ausgebaut werden. Eine prominente Rolle kam dabei dem international renommierte Architekten Clemens Holzmeister zu. Er plante im Auftrag des Ständestaates unter anderem das Funkhaus in der Argentinierstraße, das letztlich der einzige fertiggestellte Monumentalbau des Regimes blieb. Die Wohnhöfe des Roten Wiens wurden mit Kirchenbauten verdichtet, um die Bewohne zu rekatholisieren. Das urbane Proletariat sollte außerdem durch ländliche Stadtrandsiedlungen an die Landwirtschaft herangeführt werden. Das „Schwarze Wien“ wurde 1938 durch den Einmarsch der Wehrmacht und den „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland beendet. (jr, 12.5.17)

Suttner, Andreas, Das Schwarze Wien. Bautätigkeit im Ständestaat 1934-1938, Böhlau, Wien u.a. 2017, 288 S, ISBN 978-3-205-20292-9.

Clemens Holzmeister: Funkhaus Wien (Bild: Thomas Ledl, CC BY SA 4.0)