Modezirkus

Wenn die Kostümbildner von Cabaret, Cats und Tschingis Khan im LSD-Rausch gemeinsam eine Kollektion entwerfen würden, könnte das Ergebnis nicht glamouröser ausfallen: Die Ausstellung „Mode Circus Knie“ zeigt in St. Gallen noch bis zum 19. Januar 2020 die schönsten Kostüme aus den letzten 100 Jahren. Die prächtigen Gewänder aus dem Privatbesitz der Familie Knie – von der Arbeitskleidung bis zum modischen Statement – erinnern an Akrobatik, Tierdressuren und Clownerien.

100 Jahre lang tingelten die Gewänder mit ihren Trägern von Dorfplatz zu Dorfplatz. Erst im Freien, dann unterm Zirkuszelt avancierten sie zum unersetzlichen Teil der Dramaturgie. Oft waren renommierte Kostümbildner und edle Materialien im Einsatz, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. So fügen sich die Textilien im Museum auch ohne die dazugehörigen Zirkusnummern zu einem sehr unterhaltsamen Stück Zeitgeschichte. Das Verkehrhaus der Schweiz zeigt parallel – ebenfalls aus Anlass des Jubiläums – die Ausstellung „Knie auf Reisen“. (kb, 8.4.19)

Blick in die Ausstellung (Bild: Textilmuseum St. Gallen)

Zürich: Gartenstadt gerettet

Es ist selten genug und daher umso mehr ein Grund zur Freude: In Zürich stellte das Gericht klar, dass – im Fall der Gartenstadt Friesenberg – Denkmalschutz vor Einzelinteresse geht. Ganz konkret kämpfte der Schweizer Heimatschutz seit 2017 (auch juristisch) gegen die Preisgabe der 1920er-Jahre-Siedlung. Ende 2016 hatte der Stadtrat von Zürich beschlossen, die Gartenstadt inkl. des ehemaligen Genossenschaftshauses nicht unter Denkmalschutz zu stellen und aus dem Inventar zu entlassen.

Die Begründung des Heimatschutzes für den Protest: „Es handelt sich um das schweizweit beeindruckendste Zeugnis der ‚Gartenstadt‘-Bewegung.“ Die meisten der Häuser entstanden in den 1920er Jahren. Hervorzuheben sind vor allem die Bauten der ersten beiden Etappen, die nach Plänen des Architekten Fritz Reiber erstellt wurden. Doch gerade ihre Besonderheit, die sozial, gesundheitlich und ästhetisch begründeten Grünflächen der Gartenstadt, sollten der Siedlung (fast) zum Verhängnis werden. Die einstige Bauherrin und heutige Eigentümerin, die Familienheim-Genossenschaft, wollte abreißen und verdichtet neu bauen. Dem schob das Verwaltungsgericht nun einen Riegel vor: Der Stadtrat muss die Häuser der ersten beiden Bauetappen unter Denkmalschutz stellen, ein Abriss ist damit vorerst abgewendet. Noch ist unklar, ob Zürich gegen das Urteil, das zum Präzenenzfall werden könnte, Einspruch erheben will. (kb, 7.2.19)

Zürich, Gartenstadt Friesenberg (Bild: Michael L. Rieser, gemeinfrei, 2014)

Béton Fédérateur

Das Material Beton schuf ab der Mitte des 19. Jahrhunderts länderübergreifend neue Möglichkeiten, die das Bauen vom technischen Umgang bis zur künstlerischen Form verändern und bis ins 21. Jahrhundert hinein bestimmen sollte. Vom 25. bis zum 26. Januar 2019 will der Workshop „Béton Fédérateur“ in der ETH Zürich der Frage nachgehen, wie der graue Kunststein speziell das Gebiet der Schweiz geprägt hat. Der Blick der Veranstalter und Referenten reicht dabei von den ersten Errungenschaften der Ingenieurkunst bis hin zu den heutigen Straßen und Energieversorgungswegen.

Im Besonderen soll herausgearbeitet werden, wie verschiedenartig Strukturen – Dämme, Brücken, Bunker, Lagerhallen und Häuser – im 20. Jahrhundert unabhängig voneinander entstanden. Und wie Infrastruktur-Netzwerke nach und nach die Schweiz überzogen, wie künstliche (Energie, Transport) bis hin zu natürliche (Wasser) Lebensadern die gebaute Umgebung formten. Der Workshop will nationale und internationale Forscher auf den Feldern Geschichte, Architekturgeschichte, Technik- und Sozialgeschichte zusammenbringen. Am ersten Konferenztag sollen methodische Fragen diskutiert werden: beginnend mit internationalen Experten, gefolgt von einer Vorstellung gegenwärtiger Studien. Der zweite Tag will einen Überblick über die wichtigsten themenbezogenen Forschungsprojekte in der Schweiz bieten. Grundsätzlich ist der Züricher Workshop offen für Interessierte, die Zahl der Sitzplätze ist jedoch begrenzt, die Konferenzsprache ist Englisch. (kb, 21.1.19)

Recherswil, sog. Kilcherschale, 1965, Heinz Isler (Bild: Хрюша, CC BY SA 3.0, 2009)