Schwimmbad

Friedrichshafen, Hallenbad (Bild: Peter Liptau, 2014)

Ausgeplantscht am Bodensee

In Friedrichshafen kann man nicht nur im Sommer im Bodensee baden, sondern auch ganzjährig im Hallenbad. Seit ein paar Wochen nun auch im neuen Sportbad von Behnisch Architekten. Logischerweise hat das alte, 1969/70 errichtete Hallenbad ausgedient: Die Stadt leistete sich vor genau 50 Jahren ein damals luxuriöses, architektonisch durchgestaltetes Bad. Hans Riempp erhielt seinerzeit den Auftrag. Er hatte sich 1950/51 einen Namen gemacht als Architekt der Neuwiesenschule in Ravensburg. Noch als Student schuf er diesen Schlüsselbau, den er als Angestellter des Büros seines Lehrers Rolf Gutbrod betreute. In der Folge erhielt Riempp zahlreiche weitere Aufträge in der Region.

Beim Friedrichshafener Hallenbad setzte Riempp auf eine im DBZ-Heft 12/1970 hervorgehobene hochwertige Materialauswahl. Besonders die Außenhaut des Stahlbaus mit zwei Becken erregt bis heute Aufsehen mit ihren hellblauen Andesitplatten und bronzefarben eloxierten Sonnenlamellen. Innen beherrscht eine Lamellenholzdecke die Optik, die gleichzeitig den Schall dämpft. Ein besonderes Augenmerk verdient auch die Kunst am Bau des Bildhauers Emil Kiess: eine sich über die Gebäudelänge erstreckende Arbeit aus farbigen Emaille-Platten. Diese werden nach Auskunft der Stadt zunächst eingelagert. Einige Elemente des Bades werden zudem an anderer Stelle weiterverwendet oder veräußert. Ebenso wurde eine fotografische Dokumentation im Auftrag des Stadtarchives erstellt. (pl, 7.6.19)

Friedrichshafen, Hallenbad (Titelmotiv: Peter Liptau, 2015, Galerie: Hagen Schönherr, 2015)

Schwerin-Lankow, umgenutze Schwimmhalle (Bild: kfw.d)

In Schwerin baut man über das Wasser

Da wohnen, wo andere schwimmen gehen! In Schwerin-Lankow ist das Realität geworden. 2015 war das Schicksal des alten Volksbads von 1976 bereits besiegelt. Die Schweriner wollten ihre alte Schwimmhalle allerdings nicht den Abrissbaggern überlassen. Hatten doch dort nicht wenige ihre ersten Schwimmzüge getan. Kurz vor knapp wurde der Architekt Ulrich Bunnemann zu Rate gezogen, ob sich noch etwas machen ließe mit der leerstehenden Halle. Es ging! Für einen symbolischen Euro übernahm Bunnemann das Objekt. Was dabei herauskam, ist ein ungewöhnliches Nachnutzungskonzept: 16 Wohnungen über dem Schwimmbecken. 

In kurzer Frist wurden die Wohnungen mit Seeblick in der alten Struktur fertiggestellt, gleichzeitig wurde die vorhandene Bausubstanz eingebunden. So werden die markanten hyperbolisch-paraboloiden Betonschalen des Architekten Herbert Müller – Spitzname „Schalen-Müller“ – in den Wohnräumen inszeniert. Auch das äußere Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Halle blieb in weiten Teilen erhalten. Das Projekt erhielt dafür jetzt den Sonderpreis beim KfW Award Bauen 2019. (jm, 14.6.19)

Titelmotiv: Schwerin-Lankow, umgenutze Schwimmhalle (Bild: kfw.d)

Frankfurt, Rebstockbad (Bild: Karsten11, CC0)

Frankfurt: Schwimmoper wird abgerissen

Mit seiner Wellengang-Dachlandschaft wirkt das Rebstockbad in Frankfurt/Main wie ein postmoderner Verwandter des Münchner Olympiaparks. Das von 1979 bis 1982 gebaute Erlebnisbad ist eines der ersten seiner Art und mit rund 600.000 Besuchern im Jahr auch das größte der Stadt. Doch der Zahn der Zeit nagte (lange unbemerkt) am 36 Jahre alten Bau: Die hölzerne Dachkonstruktion ist marode, Feuchtigkeit, Chlordämpfe und hohe Durchschnittstemperaturen haben überall puren hinterlassen. Bereits 2017 war das Bad zeitweise wegen Reparaturen geschlossen, bald darauf war der Abriss (beinahe) beschlossene Sache. Auf über 80 Millionen Euro wurden die Sanierungskosten geschätzt, ein Neubau kommt nahezu gleich teuer. Und so hat am 23. August die Frankfurter Statdverordnetenversammlung für Abriss und Neubau gestimmt: Die „Schwimmoper“ ist bald Geschichte.

Entworfen hat das opulente Badehaus der Frankfurter Architekt Dieter Glaser, der in den späten 1970ern auch Teil einer Planungsgruppe war, die zur Dom-Römer-Neugestaltung Vorschläge lieferte. Das spaktakuläre Dach, das sowohl an München als auch an fernöstliche Vorbilder erinnert, ist nur ein Teil der Erlebnislandschaft. Drei Sprungtürme, Wellen- und Außenbecken, eine schneckenförmige Wasser-Rutsche und ein großer Wellness-Bereich zählen ebenso zum Unterhaltungsprogramm. Unser Tipp: Gönnen Sie sich doch noch mal einen schönen Tag im Rebstockbad, ehe dort der Stöpsel gezogen wird. (db, 1.9.18)

Frankfurt, Rebstockbad (Bild: Karsten11/gemeinfrei, CC0)

Ausstellung "Schwimmen im Geld" (Bild: Stephan Schwabe)

Wie einst Dagobert Duck

Das sprichwörtliche „Schwimmen in Geld“ verbindet man nicht zuletzt mit dem steinreichen Entenhausener Dagobert Duck. Dessen liebste Beschäftigung ist es, täglich ein Bad im eigenen Geld zu nehmen. Vice versa lässt sich die bildhafte Redewendung aber auch auf die Haltung eines eigenen Schwimmbads münzen: eine besonders kostspielige Form des Privatvergnügens. Und genau dieses war in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit weit verbreitet. Damals wurden Fortschritt und Wohlstand zum zentralen Versprechen von Politik und Gesellschaft – und das private Hallenbad avancierte zum Statussymbol einer ganzen Generation.

Reiches Anschauungsmaterial bietet eine Ausstellung, die aktuell in Dortmund zu sehen ist. Unter dem Titel „Schwimmen in Geld – private Hallenbäder des deutschen Wirtschaftswunders“ werden Fotos aus der gleichnamigen Publikation des Architekten Richard Schmalöers gezeigt. Sie dokumentieren private Schwimmbäder im Ruhrgebiet der 1950er bis 1970er Jahre. So wird erstmals das Bild eines Bautyps vermittelt, der bisher kaum für die Öffentlichkeit zugänglich war. Die Schau findet passenderweise in einem solchen statt: in den Räumen jenes unterirdischen Schwimmbades, das 1966 vom Architekten Wilhelm Menne unter dem Garten des Einfamilienhauses in der Sckellstraße 12 gebaut wurde. Die Präsentation endet am 21. September und ist Teil einer Doppelausstellung, zu der auch „Doppelplusmodern“ gehört. (fk, 21.8.18)

Ausstellung „Schwimmen im Geld“ (Bild: Stephan Schwabe)

Laboe, Meeresschwimmhalle (Copyright: Bastian Holst, CC BY SA 2.0)

Überdachtes Schwimmen

Es ist keine gute Saison zum überdachten Schwimmen. Im Ostseebad Laboe könnte daran bald nicht nur das raue Winterwetter schuld sein. Denn hier kämpft eine Bürgerinitiative schon seit einigen Jahren um den Erhalt der Meereswasserschwimmhalle. Bei einem ersten Bürgerentscheid hatte man 2015 rund 60 % der Stimmen gegen eine Schließung gesammelt. Der imposante Hallenbadbau wurde 1969 auf acht Betonpfeilern an den Ostseestrand gesetzt und wird seitdem mit Meerwasser betrieben. Als in den 1990er Jahren die Besucherzahlen zurückgingen, wurde erstmals eine Schließung diskutiert. Stattdessen entschied man sich 1998 für eine Sanierung, investierte 2004 in eine Sauna.

Als die Schließungsdebatte erneut aufflammte, gründete sich 2012 eine Bürgerinitiative. Für „Pro Schwimmhalle Laboe“ ist der Freizeitbau nicht nur ein wichtiges touristisches Angebot, sondern auch ein fester Bestandteil der örtlichen (Sport-)Kultur. Um die Betriebskosten zu entlasten, schlägt die Initiative z. B. den Einsatz von Ehrenamtlichen vor. Bei einem zweiten Bürgerentscheid im Herbst 2017 nun stimmten 52,8 % für den Erhalt der Schwimmhalle. Wieder hat dieses Ergebnis eine zweijährige Bindungsverpflichtung. Es dürfte also nicht der letzte Kampf um den markanten Bau gewesen sein. (kb, 2.11.17)

Laboe, Meeresschwimmhalle (Copyright: Bastian Holst, CC BY SA 2.0)

Winterbaden in Bonn

Bonn, Viktoriabad (Bild: Werkstatt Baukultur Bonn)
Seit 100 Jahren eine Bonner Institution, wurde nun ein Architekturführer über das Viktoriabad veröffentlicht (Bild: Werkstatt Baukultur Bonn)

Vor 100 Jahren, im Februar 1905, wurde das Viktoriabad als erstes Bonner Hallenbad eröffnet. Errichtet nach Plänen des Bonner Stadtbaumeister Rudolf Schultze (1854-1935), erhielt der Jugendstilbau eine reiche Innenausstattung u. a. durch den Bonner Künstler Karl Menser (1872-1929). Im Jahr 1944 beschädigten Fliegerangriffen das Viktoriabad, das aber 1947 bereits wiedereröffnet werden konnte. Doch Ende der 1960er Jahre reichte die Anlage für die wachsende Nachfrage nicht mehr aus, so dass sie 1969 abgerissen wurde. Für den 1971 eingeweihten Neubau wurde vor allem die 30 mal 7,6 Meter große, farbig gestaltete Fassade prägend.

Nachdem das Hallenbad selbst 2010 stillgelegt wurde, stellte man die „Glasfassade“ 2010 unter Schutz. Zum einen wurden auf ungewöhnlicher Größe ungewöhnliche Materialien eingesetzt: farbige Kunstharzplatten. Zum anderen entwarf das Motiv kein Geringerer als die Kölner Koryphäe Gottfried Böhm. Das Schicksal des modernen Bäderbaus, für dessen Erhalt sich der Verein „Unser Viktorabad“ engagiert, ist weiterhin offen. Schon seit Jahren weist auch die Bonner Werkstatt Baukultur beharrlich auf den Bau und seine Geschichte hin. Nun ist ihr Architekturführer zum Viktoriabad erschienen und im Buchhandel (Altstadtbuchhandlung, Behrendt und BuchLaden46) oder per Mail (versand@baukultur-bonn.de) zu erwerben. (kb, 14.1.16)