Schlagwort: Schwimmbad

Laboe, Meeresschwimmhalle (Copyright: Bastian Holst, CC BY SA 2.0)

Überdachtes Schwimmen

Es ist keine gute Saison zum überdachten Schwimmen. Im Ostseebad Laboe könnte daran bald nicht nur das raue Winterwetter schuld sein. Denn hier kämpft eine Bürgerinitiative schon seit einigen Jahren um den Erhalt der Meereswasserschwimmhalle. Bei einem ersten Bürgerentscheid hatte man 2015 rund 60 % der Stimmen gegen eine Schließung gesammelt. Der imposante Hallenbadbau wurde 1969 auf acht Betonpfeilern an den Ostseestrand gesetzt und wird seitdem mit Meerwasser betrieben. Als in den 1990er Jahren die Besucherzahlen zurückgingen, wurde erstmals eine Schließung diskutiert. Stattdessen entschied man sich 1998 für eine Sanierung, investierte 2004 in eine Sauna.

Als die Schließungsdebatte erneut aufflammte, gründete sich 2012 eine Bürgerinitiative. Für „Pro Schwimmhalle Laboe“ ist der Freizeitbau nicht nur ein wichtiges touristisches Angebot, sondern auch ein fester Bestandteil der örtlichen (Sport-)Kultur. Um die Betriebskosten zu entlasten, schlägt die Initiative z. B. den Einsatz von Ehrenamtlichen vor. Bei einem zweiten Bürgerentscheid im Herbst 2017 nun stimmten 52,8 % für den Erhalt der Schwimmhalle. Wieder hat dieses Ergebnis eine zweijährige Bindungsverpflichtung. Es dürfte also nicht der letzte Kampf um den markanten Bau gewesen sein. (kb, 2.11.17)

Laboe, Meeresschwimmhalle (Copyright: Bastian Holst, CC BY SA 2.0)

Winterbaden in Bonn

Bonn, Viktoriabad (Bild: Werkstatt Baukultur Bonn)
Seit 100 Jahren eine Bonner Institution, wurde nun ein Architekturführer über das Viktoriabad veröffentlicht (Bild: Werkstatt Baukultur Bonn)

Vor 100 Jahren, im Februar 1905, wurde das Viktoriabad als erstes Bonner Hallenbad eröffnet. Errichtet nach Plänen des Bonner Stadtbaumeister Rudolf Schultze (1854-1935), erhielt der Jugendstilbau eine reiche Innenausstattung u. a. durch den Bonner Künstler Karl Menser (1872-1929). Im Jahr 1944 beschädigten Fliegerangriffen das Viktoriabad, das aber 1947 bereits wiedereröffnet werden konnte. Doch Ende der 1960er Jahre reichte die Anlage für die wachsende Nachfrage nicht mehr aus, so dass sie 1969 abgerissen wurde. Für den 1971 eingeweihten Neubau wurde vor allem die 30 mal 7,6 Meter große, farbig gestaltete Fassade prägend.

Nachdem das Hallenbad selbst 2010 stillgelegt wurde, stellte man die „Glasfassade“ 2010 unter Schutz. Zum einen wurden auf ungewöhnlicher Größe ungewöhnliche Materialien eingesetzt: farbige Kunstharzplatten. Zum anderen entwarf das Motiv kein Geringerer als die Kölner Koryphäe Gottfried Böhm. Das Schicksal des modernen Bäderbaus, für dessen Erhalt sich der Verein „Unser Viktorabad“ engagiert, ist weiterhin offen. Schon seit Jahren weist auch die Bonner Werkstatt Baukultur beharrlich auf den Bau und seine Geschichte hin. Nun ist ihr Architekturführer zum Viktoriabad erschienen und im Buchhandel (Altstadtbuchhandlung, Behrendt und BuchLaden46) oder per Mail (versand@baukultur-bonn.de) zu erwerben. (kb, 14.1.16)

Kassel-Wilhelmshöhe: Freibad bleibt

Kassel, Freibad Wilhelmshöhe (Bild: Gelehrter2000, CC BY SA 4.0)
Gerade 80 Jahre alt geworden: das Traditionsbad in Kassel-Wilhelmshöhe (Bild: Gelehrter2000, CC BY SA 4.0)

„In diesem Traditionsbad haben ganze Generationen den Sommer verbracht und schwimmen gelernt.“ Das Freibad Wilhelmshöhe, verkehrsgünstig am grünen Rand der Stadt Kassel gelegen, wirbt seiner 80-jährigen Vergangenheit. Natürlich gibt es da auch das „Schwimmerbecken mit integriertem Nichtschwimmerteil“ von stolzen 50 Metern Länge, ein Kinderbecken, Spielgeräte – und natürlich eine Pommesbude.

Noch vor kurzem drohte dem Freibad die Schließung, die Stadt Kassel muss sparen und sah keine Möglichkeiten, die anstehende Sanierung der Anlage zu finanzieren. Doch es regte sich Bürgerprotest. Schließlich sei das Freibad inzwischen historisch, mit der eigenen Jugend eng verbunden – und überhaupt müsse sich die Jugend heute auch wieder mehr bewegen. Mit Aktionen wie „Sponsorenschwimmen“, „Nochdsee-Lust“ zum Jubiläum und retroverdächtigem Jazz am Schwimmbecken will man auch Hippster anziehen. Mit Erfolg, 2015 kamen schon 50.000 Besucher und bis Saisonende sollen es 70.000 werden. Damit ließ sich auch die Politik überzeugen: einigte sich: Das Freibad soll 2016 saniert werden, der Förderverein finanziert die neue Rutsche. Ab Sommer 2017 gibt es dann wieder Pommes neben dem Becken. (kb, 27.8.15)

Sachsen: Der TofD geht baden

Utopien des Neuen Frankfurt

Versprach in den 1920ern Abkühlung in avantgardistischem Ambiente: Rudloffs Schwimmbadentwurf (Bild: ernst-may-gesellschaft)
Versprach in den 1920ern Abkühlung in avantgardistischem Ambiente: Rudloffs Schwimmbadentwurf (Bild: ernst-may-gesellschaft)

Die hochsommerlichen Temperaturen bescheren den Schwimmbädern momentan Besucherrekorde. Wer dem Gedränge entgehen will, findet in Frankfurt eine trockene Alternative: im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Utopien des Neuen Frankfurt“ steht ein avantgardistischer Schwimmbadentwurf! Der Rundbau, der sich dem Besucher in kolorierten Bauplänen und einem Modell präsentiert, windet sich mit einer so dynamischen Eleganz gen Himmel, dass die Assoziation zu Tauts Stadtkrone oder Tatlins Monument für die III. Internationale nahe liegt. Die Ausstellung ist bis zum 23. Dezember 2015 im ernst-may-haus zu sehen.

Der verantwortliche Architekt Carl-Hermann Rudloff (1890-1949) war einer der bedeutendsten Protagonisten des Neuen Frankfurt. Unter anderem war er maßgeblich am Bau der Siedlungen Römerstadt, Bornheimer Hang und Zick-Zack-Hausen beteiligt. Sein Schwimmbadentwurf blieb aber trotz der weit vorangeschrittenen Planung eine nie verwirklichte Utopie. Hätte man Rudloffs architektonische Vision tatsächlich realisiert, wäre sie zweifellos eine bauliche Sensation geworden, deren Prominenz weit über die Siedlung Bornheimer Hang hinausgegangen wäre. Begleitend zur Ausstellung erscheint in limitierter Auflage eine in Leinen gebundene Katalogmappe mit sämtlichen Zeichnungen und Plänen sowie vertiefenden Aufsätzen. (jr, 10.8.15)