Wie einst Dagobert Duck

Das sprichwörtliche „Schwimmen in Geld“ verbindet man nicht zuletzt mit dem steinreichen Entenhausener Dagobert Duck. Dessen liebste Beschäftigung ist es, täglich ein Bad im eigenen Geld zu nehmen. Vice versa lässt sich die bildhafte Redewendung aber auch auf die Haltung eines eigenen Schwimmbads münzen: eine besonders kostspielige Form des Privatvergnügens. Und genau dieses war in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit weit verbreitet. Damals wurden Fortschritt und Wohlstand zum zentralen Versprechen von Politik und Gesellschaft – und das private Hallenbad avancierte zum Statussymbol einer ganzen Generation.

Reiches Anschauungsmaterial bietet eine Ausstellung, die aktuell in Dortmund zu sehen ist. Unter dem Titel „Schwimmen in Geld – private Hallenbäder des deutschen Wirtschaftswunders“ werden Fotos aus der gleichnamigen Publikation des Architekten Richard Schmalöers gezeigt. Sie dokumentieren private Schwimmbäder im Ruhrgebiet der 1950er bis 1970er Jahre. So wird erstmals das Bild eines Bautyps vermittelt, der bisher kaum für die Öffentlichkeit zugänglich war. Die Schau findet passenderweise in einem solchen statt: in den Räumen jenes unterirdischen Schwimmbades, das 1966 vom Architekten Wilhelm Menne unter dem Garten des Einfamilienhauses in der Sckellstraße 12 gebaut wurde. Die Präsentation endet am 21. September und ist Teil einer Doppelausstellung, zu der auch „Doppelplusmodern“ gehört. (fk, 21.8.18)

Ausstellung „Schwimmen im Geld“ (Bild: Stephan Schwabe)

Überdachtes Schwimmen

Es ist keine gute Saison zum überdachten Schwimmen. Im Ostseebad Laboe könnte daran bald nicht nur das raue Winterwetter schuld sein. Denn hier kämpft eine Bürgerinitiative schon seit einigen Jahren um den Erhalt der Meereswasserschwimmhalle. Bei einem ersten Bürgerentscheid hatte man 2015 rund 60 % der Stimmen gegen eine Schließung gesammelt. Der imposante Hallenbadbau wurde 1969 auf acht Betonpfeilern an den Ostseestrand gesetzt und wird seitdem mit Meerwasser betrieben. Als in den 1990er Jahren die Besucherzahlen zurückgingen, wurde erstmals eine Schließung diskutiert. Stattdessen entschied man sich 1998 für eine Sanierung, investierte 2004 in eine Sauna.

Als die Schließungsdebatte erneut aufflammte, gründete sich 2012 eine Bürgerinitiative. Für „Pro Schwimmhalle Laboe“ ist der Freizeitbau nicht nur ein wichtiges touristisches Angebot, sondern auch ein fester Bestandteil der örtlichen (Sport-)Kultur. Um die Betriebskosten zu entlasten, schlägt die Initiative z. B. den Einsatz von Ehrenamtlichen vor. Bei einem zweiten Bürgerentscheid im Herbst 2017 nun stimmten 52,8 % für den Erhalt der Schwimmhalle. Wieder hat dieses Ergebnis eine zweijährige Bindungsverpflichtung. Es dürfte also nicht der letzte Kampf um den markanten Bau gewesen sein. (kb, 2.11.17)

Laboe, Meeresschwimmhalle (Copyright: Bastian Holst, CC BY SA 2.0)

Winterbaden in Bonn

Winterbaden in Bonn

Bonn, Viktoriabad (Bild: Werkstatt Baukultur Bonn)
Seit 100 Jahren eine Bonner Institution, wurde nun ein Architekturführer über das Viktoriabad veröffentlicht (Bild: Werkstatt Baukultur Bonn)

Vor 100 Jahren, im Februar 1905, wurde das Viktoriabad als erstes Bonner Hallenbad eröffnet. Errichtet nach Plänen des Bonner Stadtbaumeister Rudolf Schultze (1854-1935), erhielt der Jugendstilbau eine reiche Innenausstattung u. a. durch den Bonner Künstler Karl Menser (1872-1929). Im Jahr 1944 beschädigten Fliegerangriffen das Viktoriabad, das aber 1947 bereits wiedereröffnet werden konnte. Doch Ende der 1960er Jahre reichte die Anlage für die wachsende Nachfrage nicht mehr aus, so dass sie 1969 abgerissen wurde. Für den 1971 eingeweihten Neubau wurde vor allem die 30 mal 7,6 Meter große, farbig gestaltete Fassade prägend.

Nachdem das Hallenbad selbst 2010 stillgelegt wurde, stellte man die „Glasfassade“ 2010 unter Schutz. Zum einen wurden auf ungewöhnlicher Größe ungewöhnliche Materialien eingesetzt: farbige Kunstharzplatten. Zum anderen entwarf das Motiv kein Geringerer als die Kölner Koryphäe Gottfried Böhm. Das Schicksal des modernen Bäderbaus, für dessen Erhalt sich der Verein „Unser Viktorabad“ engagiert, ist weiterhin offen. Schon seit Jahren weist auch die Bonner Werkstatt Baukultur beharrlich auf den Bau und seine Geschichte hin. Nun ist ihr Architekturführer zum Viktoriabad erschienen und im Buchhandel (Altstadtbuchhandlung, Behrendt und BuchLaden46) oder per Mail (versand@baukultur-bonn.de) zu erwerben. (kb, 14.1.16)