Sep Ruf

Frankfurt, Taunusanlage 1954 (Bild: Ursula Edelmann)

Frankfurt-Fotos von Ursula Edelmann

Geboren wurde sie 1926 in Berlin, ihre Fotografen-Ausbildung machte sie in Potsdam, bekannt wurde sie durch ihre Wahlheimat Frankfurt: Ursula Edelmann kam 1949 in die Main-Metropole und hielt mit der Kamera die Nachkriegsgeschichte der Stadt fest. Ihr exakter Blick, die ruhige Stimmung, stilistisch näher an der Neuen Sachlichkeit als am hektischen Wiederaufbau, prägten ihre Bilder: Ab 1955 dokumentierte sie für das Hochbauamt die Bauprojekte der Stadt Frankfurt/Main, auch teils kriegszerstörte historische Bauten lichtete sie mit ihrer Linhof Technika ab. Ab den 1960ern fotografierte sie die Kunstwerke der Frankfurter Museen, sodass Edelmanns ikonische Bilder in Kunstbänden weltweite Verbreitung fanden.

Das Museum Bensheim zeigt bis zum 21. Oktober unter dem Titel „Ursula Edelmann – Frankfurt Fotografien“ eine Auswahl ihrer Werke. Vorgenommen hat diese Ursula Edelmann höchstselbst, von Ruhestand ist bei der 92-Jährigen wenig zu merken. Sie fotografiert noch immer Frankfurter Neubauten, allerdings fährt sie nicht mehr mit ihrem NSU Prinz zu den Motiven: Der ist längst Geschichte, ebenso wie vieles, was die Künstlerin einst als gerade fertiggestellten Neubau festhielt. Das geht von der Esso-Tankstelle, an deren Stelle heute das Museum für Moderne Kunst steht, bis zur Berliner Handelsgesellschaft an der Taunusanlage (Sep Ruf/Friedel Steinmeyer, 1954), die 2016 der Spitzhacke zum Opfer fiel. (db, 26.8.18)

Frankfurt, Berliner Handelsgesellschaft 1954 (Bild: Ursula Edelmann)

Nürnbergs 50er

Plaerrer-Hochhaus (Bild: Claus Baierwaldes)
Das Plaerrer-Hochhaus war auch von innen ein Hingucker (Bild: Claus Baierwaldes)

Nürnberg hatte nach dem Krieg ein ramponiertes Image. Die Nazis hatten der „Stadt der Reichsparteitage“ mit dem riesigen Aufmarschgelände und seiner weltweiten Rezeption nachhaltig ihren Stempel aufgedrückt. Vielleicht wurde die Nachkriegsmoderne daher hier von manchem besonders euphorisch begrüßt, 1953 ließen sich etwa die Nürnberger Stadtwerke mit dem modernen Plärrerhochhaus das höchste Gebäude Bayerns errichten. Die Fotoausstellung „Architektur der 1950er Jahre in Nürnberg. Fotografien von Claus Baierwaldes“ im Museum Industriekultur widmet sich diesem und weiteren Kleinoden der Nachkriegsmoderne.

Besonders eng verbunden sind Nürnbergs 50er mit dem Namen Sep Ruf. Mit der Akademie der Bildenden Künste, der Bayerischen Staatsbank und dem Neubau des Germanischen Nationalmuseums errichtete der Architekt hier Bauten von überregionaler Bekanntheit. Neben diesen bedeutenden Gebäuden nehmen die Fotografien Claus Baierwaldes auch die unbekannte Nachkriegsmoderne in den Blick. Darunter zählen verspielt-elegante Kleinbauten wie Tankstellen, Kioske oder Pavillons ebenso wie betont sachliche Schulen und öffentliche Verwaltungsgebäude. Die Ausstellung ist bis zum 30. April 2017 zu sehen. (jr, 6.4.17)

Bayerns Bonner Botschaft

Die ehemalige Landesvertretung zeigt sich auch im Inneren in der Eleganz der 1950er (Bild: Eckhard Henkel, CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons))
Die ehemalige bayerische Landesvertretung zeigt sich auch im Inneren in der Eleganz der 1950er Jahre (Bild: © Eckhard Henkel, CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons))

Der Tag des offenen Denkmals zeigt am 14. September auch dieses Jahr wieder zahlreiche bauliche Zeugnisse der Nachkriegsmoderne. Eines davon ist die ehemalige bayerische Landesvertretung im alten Bonner Regierungsviertel. Sie wurde nach Plänen von Sep Ruf erbaut und 1955 eröffnet. Ruf zeichnet auch für den Kanzlerbungalow (1966) verantwortlich, der sinnbildlich für die Bonner Republik steht. Die Landesvertretung kann am 14. September von 13 bis 17 Uhr besichtigt werden, um 13.15 Uhr findet eine Führung mit Rainer Mertesacker statt.

Der dreigeschossige Stahlskelettbau ist betont nüchtern gehalten, die Fassade wird von großen Chicago Fenstern beherrscht und einem Staffelgeschoss mit Dachterrasse bekrönt. Die stolzen Bayern hatten jedoch eigene Vorstellungen von einer angemessenen Vertretung ihres Freistaates. Die schwarz-weiß gerasterte Fassade wurde bald nach ihrem Einzug in den weiß-blauen Landesfarben umgestaltet. Und ein zünftiger Bierkeller sollte bayerische Gemütlichkeit in den funktionalen Bau bringen. Heute residiert im Bauwerk die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die es weitgehend wieder in den Urzustand versetzt hat. (jr, 25.8.14)

Sep Ruf. Leben und Werk

Sep Ruf. 1908-82. Leben und Werk (Bild: Deutscher Kunstverlag)
Irene Meissner stellte erstmals ein umfassendes Werkverzeichnis zum bayerischen Architekten Sep Ruf zusammen (Bild: Deutscher Kunstverlag)

Es war höchste Zeit, dass der Architekt des Bonner Kanzlerbungalows ein umfassendes Werkverzeichnis bekommt. Im Deutschen Kunstverlag hat die Architekturhistorikerin Irene Meissner mit ihrer Publikation „Sep Ruf. 1908-1082. Leben und Werk“ diese verdienstvolle Aufgabe übernommen. Schon 2008 hatte Meissner am Ruf-Ausstellungskatalog der Münchener Pinakothek der Moderne im Prestel-Verlag mitgewirkt. Nun konnte sie mit ihrer Publikation, zugleich ihre Dissertation an der TU München, erstmals das Gesamtwerk dieses bedeutenden Architekten der deutschen Nachkriegsmoderne darstellen und einordnen.

Sep Ruf gestaltete nicht nur mit Egon Eiermann den Deutschen Pavillon der Weltausstellung in Brüssel (1958). Einen Namen machte sich Ruf vor allem durch seine ebenso filigranen wie gemäßigt modernen Baukunstwerke – von der Neuen Maxburg (1956, mit Theo Pabst) in München über die Kirche St. Johannes von Capistran (1960) in München-Bogenhausen bis hin zum Bonner Kanzlerbungalow (1966). Lange unbeachtet blieben seine Stadtplanungs- und Beratungsprojekte, mit denen er die Nachkriegsgestalt von Städten wie Fulda entscheidend prägte. (kgb, 30.5.14)

Irene Meissner, Sep Ruf. 1908-1982. Leben und Werk, Deutscher Kunstverlag, 2013, 515 Seiten, gebunden, 132 Farb- und 382 Schwarzweiß-Abbildungen, 28 x 21 cm, ISBN 978-3-422-07192-6.