(K)ein Idyll

Der Traum von den eigenen vier Wänden. Aus dem kleinen Häuschen in der Arbeitersiedlung wird in den Nachkriegsjahrzehnten der fast obligatorische Bausparvertrag für die grüne Wiese. Was die Bau- und Immobilienwirtschaft seinerzeit freute, befindet sich heute oft im Generationsumbruch. Die Erben oder neuen Eigentümer stehen vor der Herausforderung, das alte Konzept an ihre neuen Bedürfnisse anzupassen. Vor diesem Hintergrund will der Journalist Stefan Hartmann mit seiner Publikation „(K)ein Idyll“, frisch erschienen im Triest-Verlag, mehr bieten als eine Geschichte des Einfamilienhauses. Vielmehr legt er den Finger in die wohnpolitische Wunde und sucht nach neuen Wegen für ein angestammtes Siedlungskonzept.

Ein Kernproblem sieht Hartmann in der aufgelockerten Bauweise, welche die leeren Kassen der Gemeinden ebenso belaste wie das knappe Zeitbudget der Bewohner. Als Ausweg stellt er mögliche Szenarien vor, um bestehende Einfamilienhausgebiete neu betrachten und weiterentwickeln zu können. Zu seinen Nutzungsstrategien zählen neben der Erhaltung auch die Sanierung und maßvolle Verdichtung. Das Buch „(K)ein Idyll“ wird bereichert durch ein Fotoessay von Retro Schlatter.

Hartmann, Stefan, (K)ein Idyll – das Einfamilienhaus. Eine Wohnform in der Sackgasse, Zürich 2020, Triest-Verlag, 176 Seiten, 20 x 27 cm, Klappenbroschur, ISBN: 978-3038630265.

Titelmotiv: Buchcover, Detail

Heimat planen. Heimat bauen

Während Architekturgeschichte und Denkmalpflege noch mit den Siedlungen der 1960er und 1970er Jahre ringen, wird anderswo munter abgerissen. Die Backsteinbaukunst der 1920er Jahre muss gegen Dämmplatten verteidigt werden. Die Zeilenstrukturen der 1950er Jahre drohen, zur Nachverdichtung missbraucht zu werden. Zahlreiche Projekte beschäftigen sich mit verlorenen oder nie verwirklichten Sozialstrukturen. Um diesen ungeheuren Wohnraumvorrat, gerade der Nachkriegsmoderne, kommen wir nicht herum – es gilt, das Beste herauszuholen.

Diese Blickwinkel bündelt der Bund Heimat und Umwelt (BHU) – mit dem Schwäbischen Heimatbund und dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg – vom 14. bis 16. Oktober 2014 in Stuttgart mit der Tagung „Heimat planen. Heimat bauen“. Wie waren und wurden Siedlungen zur Heimat, wie können sie es heute werden? Interessierte aus Architektur, Städtebau, Denkmalpflege, Soziologie, Wohnungswirtschaft und Quartiersmanagement, aus Heimat-, Bürger- und Siedlungsvereinen sind eingeladen. Die Tagung beginnt am 14. Oktober 2014 mit einem Abendprogramm, bietet Vorträge und eine Exkursion am 15. Oktober und klingt am 16. Oktober vormittags mit Vorträgen aus. Das detaillierte Programm wird in Kürze unter www.bhu.de veröffentlicht. (mb, 7.8.14)

Modernes Wohnen mit Heimat-Potenzial – hier die Siedlung Roter Hang in Kronberg/Ts. (Bild: K. Berkemann)