Sigrid Neubert

München, Olympia-Parkhaus (Copyright Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Sigrid Neubert ist tot

Gerade erst wurde ihr die Ausstellung „Architektur und Natur“ gewidmet (aktuell im Lechner Museum Ingolstadt zu sehen), nun ist die Fotografin Sigrid Neubert am 13. Oktober im Alter von 91 Jahren gestorben. Die gebürtige Tübingerin beendete 1954 ihre Ausbildung und arbeitete zunächst in der Werbung, ehe sie sich auf die Architekturfotografie spezialisierte – im Adenauer-Deutschland noch eine männliche Domäne. Ihre kontrastreichen Bilder erreichten schnell eine ikonische Qualität, vor allem jene der Münchner Olympia-Bauten und des BMW-Hochhauses werden bis heute regelmäßig publiziert. Bis Ende der 1980er hielt Sigrid Neubert vorrangig das neue Bauen in der Bonner Republik fest, ehe sie sich der Naturfotografie zuwendete.

Die laufende Retrospektive in Ingolstadt widmet sich dem Gesamtwerk der Fotografin, zeigt auch ihre bekanntesten Arbeiten, wie die Bilder aus dem Nymphenburger Schlosspark und den megalithischen Tempeln von Malta. Doch natürlich sind auch die Architekturaufnahmen zu sehen. Sigrid Neubert selbst ermöglichte erst die Schau in dieser Form:  durch die Schenkung wesentlicher Werkkonvolute an die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen Berlin. Das zur Ausstellung erschienene Buch von Frank Seehausen über die Architekturfotografie Sigrid Neuberts sei hier noch einmal ausdrücklich empfohlen. (db, 17.10.18)

München, Olympia-Parkhaus (Copyright Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

"Sigrid Neubert. Architekturfotografie der Nachkriegsmoderne" (Bild: Hirmer Verlag, Coverfoto, Detail)

Sigrid Neubert und die Architekturmoderne

Ein Déjà-vu ist erlaubt: Die Ausstellung dazu hatten wir bei mR schon gemeldet – aber jetzt ist der Katalog dazu fertig! Das Berliner Museum für Fotografie zeigte in diesem Frühjahr das fotografische Werk von Siegrid Neubert (* 1927). Sie gilt als eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Stil.

Vor Neuberts Kamera kamen z. B. das Olympiaparkhaus von Gerd Wiegand, das BMW-Ensemble von Karl Schwanzer und die Hauptverwaltung der Hypo-Bank von Bea und Walter Betz. Seit den 1970er Jahren schuf die Fotografin ebenso Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete. Der nun vom Kurator der Berliner Ausstellung nachgereichte Katalog konzentriert sich auf die Architekturfotografien. Der große Vorteil: Sie können sich den Katalog nach Hause schicken lassen und mit den treffenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen in die Welt der Nachkriegsmoderne abtauen – ganz entspannt auf dem heimischen Balkon bei einem Kaltgetränk Ihrer Wahl. (kb, 28.7.18)

Titelmotiv: „Sigrid Neubert. Architekturfotografie der Nachkriegsmoderne“ (Bild: Hirmer Verlag, Coverfoto, Detail)