Was würde Martin Scorsese dazu sagen?

Noch zu Beginn des Jahres lobte Felix Torkar die an der US-amerikanischen Ostküste gelegene Metropole Boston für ihren Umgang mit den Bauwerken des Brutalismus. Was derzeit in der Stadt diskutiert wird, dürfte die Fachwelt dagegen in Sorge versetzen. Paul Rudolphs Government Service Center in Boston soll nach dem Willen der Massachusetts Division of Capital Asset Management and Maintenance, der Bau- und Vermögensverwaltung von Massachusetts, an Investoren verkauft und durch einen Neubau ersetzt werden, wie der Boston Globe berichtet.

Der ab 1962 entworfene und bis 1971 realisierte Gebäudekomplex besteht aus zwei Teilen. Vom Abriss bedroht ist das an der Kreuzung von Cambridge Street und New Chardon Street gelegene Charles F. Hurley Building. Es fungierte bisher als Diensitz verschiedener Behörden. Gegen diesen Vorstoß wendet sich eine Petition, die unter anderem von der Paul Rudolph Heritage Foundation unterstützt wird. In Martin Scorseses Blockbuster „The Departed“ aus dem Jahr 2006 spielt das Government Service Center neben Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson und anderen Leinwandgrößen eine architektonische Hauptrolle als Polizeiquartier. Und wer weiß – vielleicht trägt Hollywood ja zur Erhaltung von Rudolphs Werk bei? (mk, 7.12.19)

zur Online-Petition zum Erhalt des Boston Gouvernment Service Center

Boston, Government Service Center (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 2.0)

Collini-Center: Ein letztes Mal bummeln wie in den 70ern

Zur Bundesgartenschau 1975 wollte die Stadt Mannheim nicht nur mit Beeten und Blumen auf sich aufmerksam machen, sondern auch durch spektakuläre Gebäude. So entstand ein Hochhaus-Komplex, um das vernachlässtige Mannheimer Neckarufer aufzuwerten: das Collini-Center des Architekten Karl Schmucker. Es besteht aus einem Wohnhochhaus mit über 500 Wohnungen, einer Einkaufspassage auf zwei Ebenen und einem Bürohochhaus. Gemeinsam mit der bis 1982 errichteten, gegenüberliegenden Neckaruferbebauung Nord, bildet das Collini-Center ein brutalistisches Ensemble, das seinesgleichen sucht.

Nun, keine 50 Jahre nach der Eröffnung im April 1975, soll das sanierungsbedürftige Bürohochhaus abgerissen werden. So sehen es jedenfalls alle sieben eingereichten Entwürfe eines Investorenwettbewerbs vor, wie die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) berichtet. Ein Gremium wählte drei der Entwürfe zur weiteren Bearbeitung aus. Wie diese Entwürfe aussehen, wird die Öffentlichkeit allerdings erst nach der Erteilung des Zuschlags im Frühjahr 2020 erfahren. Während das Schicksal des Bürohochhauses damit besiegelt scheint, bleibt unklar, was aus der ungewöhnlich gut erhaltenen Einkaufspassage (der sog. „galerie“) wird. Dabei ist eine weitgehend unveränderte Mall der 1970er Jahre eine Seltenheit, die eines Kulturdenkmals würdig wäre. Wann haben Sie zuletzt zwischen Hydrokulturen D-Mark-Preise in Schaufenster studiert oder das leise Quietschen von Schuhen auf rotbraunen Spaltklinkern gehört? Hier ist es (noch) möglich. (mk, 10.10.19)

Titelmotiv: Mannheim, Collini-Center (Bild: Maximilian Kraemer, 2019)

SOS Bochum

Brutalismus gehört zum Ruhrgebiet wie Zeche, Currywurst und ein gewisser nuschelnder Rocksänger. Daher musste die Ausstellung „SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster!“, ein gemeinsames Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung, einfach nach Bochum. Jetzt ist es soweit: Vom 26. Spetember bis zum 24. November 2019 ist die Schau im Musischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum (RUB, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum) zu sehen – donnerstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Erweitert wird die Frankfurter Schau durch die Ausstellung „RUB: brutal schön?“ von Studierendendes Kunstgeschichtlichen Instituts der RUB unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Jöchner. Die Eröffnung wird begangen am 25. September 2019: um 17.30 Uhr für die studentischen Teil im Erdgeschoss der Universitätsbibliothek mit einer Begrüßung durch die Direktion der Universitätsbibliothek, um 19 Uhr für „SOS Brutalismus“ mit einer Begrüßung durch die Kanzlerin der RUB, Dr. Christina Reinhardt, und DAM-Kurator Oliver Elser. (kb, 17.9.19)

Bochum, Ruhr-Universität, Musisches Zentrum (Bild: KureCewlik81, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2008)