Collini-Center: Ein letztes Mal bummeln wie in den 70ern

Zur Bundesgartenschau 1975 wollte die Stadt Mannheim nicht nur mit Beeten und Blumen auf sich aufmerksam machen, sondern auch durch spektakuläre Gebäude. So entstand ein Hochhaus-Komplex, um das vernachlässtige Mannheimer Neckarufer aufzuwerten: das Collini-Center des Architekten Karl Schmucker. Es besteht aus einem Wohnhochhaus mit über 500 Wohnungen, einer Einkaufspassage auf zwei Ebenen und einem Bürohochhaus. Gemeinsam mit der ebenfalls durch das Büro Schmucker bis 1982 errichteten Neckaruferbebauung Nord, bildet das Collini-Center ein brutalistisches Ensemble, das seinesgleichen sucht.

Nun, keine 50 Jahre nach der Eröffnung im April 1975, soll das sanierungsbedürftige Bürohochhaus abgerissen werden. So sehen es jedenfalls alle sieben eingereichten Entwürfe eines Investorenwettbewerbs vor, wie die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) berichtet. Ein Gremium wählte drei der Entwürfe zur weiteren Bearbeitung aus. Wie diese Entwürfe aussehen, wird die Öffentlichkeit allerdings erst nach der Erteilung des Zuschlags im Frühjahr 2020 erfahren. Während das Schicksal des Bürohochhauses damit besiegelt scheint, bleibt unklar, was aus der ungewöhnlich gut erhaltenen Einkaufspassage (der sog. „galerie“) wird. Dabei ist eine weitgehend unveränderte Mall der 1970er Jahre eine Seltenheit, die eines Kulturdenkmals würdig wäre. Wann haben Sie zuletzt zwischen Hydrokulturen D-Mark-Preise in Schaufenster studiert oder das leise Quietschen von Schuhen auf rotbraunen Spaltklinkern gehört? Hier ist es (noch) möglich. (mk, 10.10.19)

Titelmotiv: Mannheim, Collini-Center (Bild: Maximilian Kraemer, 2019)

SOS Bochum

Brutalismus gehört zum Ruhrgebiet wie Zeche, Currywurst und ein gewisser nuschelnder Rocksänger. Daher musste die Ausstellung „SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster!“, ein gemeinsames Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung, einfach nach Bochum. Jetzt ist es soweit: Vom 26. Spetember bis zum 24. November 2019 ist die Schau im Musischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum (RUB, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum) zu sehen – donnerstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Erweitert wird die Frankfurter Schau durch die Ausstellung „RUB: brutal schön?“ von Studierendendes Kunstgeschichtlichen Instituts der RUB unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Jöchner. Die Eröffnung wird begangen am 25. September 2019: um 17.30 Uhr für die studentischen Teil im Erdgeschoss der Universitätsbibliothek mit einer Begrüßung durch die Direktion der Universitätsbibliothek, um 19 Uhr für „SOS Brutalismus“ mit einer Begrüßung durch die Kanzlerin der RUB, Dr. Christina Reinhardt, und DAM-Kurator Oliver Elser. (kb, 17.9.19)

Bochum, Ruhr-Universität, Musisches Zentrum (Bild: KureCewlik81, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2008)