Station Russia

Die transsibirische Eisenbahn ist wohl die berühmteste Zugverbindung der Welt. Unzählige Legenden ranken sich um die Trasse von Moskau nach Vladivostok, die Ernennung zum Weltkulturerbe wäre keine Überraschung. So ist es nur konsequent, dass Russland seinen Pavillon bei der Architekturbiennale 2018 ganz dem Thema Eisenbahn widmet. Der jüngst erschienene Begleitband beleuchtet die vielschichtige Geschichte der russischen Schiene.

Wenngleich der Bau der Transsib auf die Zarenzeit zurückging, hatte die Eisenbahn doch gerade in der Sowjetunion einen besonderen Stellenwert. Das Land besaß ein eigenes Eisenbahnministerium, der Bau der Baikal-Amur-Magistrale diente der KPdSU bis in Breschnews Tage als propagandistischer Dauerbrenner. Die gemischtgeschlechtlichen Liegewagen, in denen man sich für die oft tagelangen Reisen häuslich einrichtete, brachten schließlich das Prinzip der Kommunalka auf die Schiene. Eisenbahnenthusiasten haben noch bis zum 25. November die Chance, die ganze Welt der russischen Eisenbahn auf der Architekturbiennale zu erleben. Gibt es eigentlich eine Direktverbindung von Moskau nach Venedig …? (jr, 7.8.18)

Kundgebung in der UdSSR, 1937 (Bild: Emmanuil Evzerikhin, © Courtesy: private collection)

Molok, Nikolai, Station Russia, Gestaltung von Andrey Shelyutto und Irina Chekmareva, Englisch od. Russisch, Cantz Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-7757-4458-4.

Alle reden vom Fußball …

… wir nicht. Also selten. Eine Ausstellung in Moskau bringt uns aber doch dazu: Bis zum 26. August beleuchtet die Schau „Arhitektura Stadionov“ im Ščusev-Museum für Architektur Sportarenen Russlands und der ehemaligen Sowjetunion. Den sowjetmodernen Großbauten treten hier die jüngst eröffneten, modernen Fußballtempel gegenüber, die eigens für die Weltmeisterschaft (um)gebaut wurden.

Stadien hatten als Austragungsort von Sport- und Massenveranstaltungen einen besonderen Stellenwert in der sowjetischen Architektur. Renommierte Baumeister wie Nikolaj Kolli, Nikolaj Ladovskij oder Dimitrij Iofan beteiligten sich mit engagierten Beiträgen an der Suche nach der idealen sozialistischen Sportarena. Bei prestigeträchtigen internationalen Wettkämpfen sollten die Bauten ebenso wie die sowjetischen Sportler die Überlegenheit des politischen Systems demonstrieren.  Die Ausstellung versammelt Modelle und noch nie gezeigte Pläne mit Beispielen aus Moskau, St. Petersburg, Minsk, Jerevan und anderen Städten. Teils blieben die aufwändigen Entwürfe ungebaut, teils kann man sie derzeit in modernisierter Form täglich im Fernsehen bewundern. (jr, 3.7.18)

Lužniki Staion, Moskau, 1980 (Bild: RIA Novosti archive, image #487039, Vladimir Rodionov, CC BY-SA 3.0)

The Paper Revolution

2017 feierte die Russische Oktoberrevolution ihren 100. Geburtstag, nicht nur in Russland erinnerten zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen daran. Wer das Jubiläum noch ein bisschen länger begehen möchte, hat bis zum 21. Januar in Berlin die Gelegenheit dazu. So lange ist die Ausstellung „The Paper Revolution. Sowjetisches Grafikdesign der 1920er und 1930er Jahre“ im Bröhan-Museum noch zu sehen. Die im November 2017 eröffnete Schau ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem Moscow Design Museum.

Nach der Revolution gewährte die junge UdSSR avantgardistischen Künstlern große Entfaltungsfreiheit, umgekehrt begriffen viele Kulturschaffende den radikalen gesellschaftlichen Wandel als Inspirationsquell. Der Konstruktivismus setzte ästhetische Maßstäbe, die weit über die Grenzen des Staates hinaus große Beachtung fanden. Sogar kommunistische Propangandaplakate avancierten zu anspruchsvollen Kunstwerken. Die Ausstellung versammelt grafische Arbeiten, darunter Plakate, Bücher, Zeitschriften und Postkarten von Künstlern wie Aleksandr Rodčenko, Varvara Stepanova, Gustav Klutsis, Ėl‘ Lisickij oder Anton Lavinskij. (jr, 7.1.18)

Aleksandr Rodčenko: „Lengiz“ (Bild: Bröhan-Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017)