Helden am Ende

Helden am Ende

Helden am Ende (Bild: Campus Verlag)
Helden am Ende (Bild: Campus Verlag)

Heldinnen und Helden waren in den Gesellschaften des Realsozialismus allgegenwärtig. Wandmosaiken, Historiengemälde oder Illustrierte Zeitungen kündeten ohne Unterlass von den Leistungen der zu Stars avancierten Kosmonauten, Stachanovisten und Piloten. Doch wie war der permanente Enthusiasmus dieser Personen mit der Betonung der Propaganda vereinbar, es handele sich dabei um gewöhnliche Menschen, um „einen von uns“? Der von Monica Rüthers und Alexandra Köhring herausgegebene Sammelband „Helden am Ende“ hakt nach und fragt nach heroischen Erschöpfungszuständen und deren Darstellung.

Die Beiträge werfen einen umfassenden Blick auf die Bildwelten des Sozialismus, die ihren Helden nur selten eine Pause gönnten und sie etwa im Sport als ebenso unermüdlich wie entsexualisiert präsentierten. Möglichkeiten zur Darstellung der Erschöpfung boten aber Ausnahmezustände wie ein schweres Grubenunglück, das sich 1960 in der DDR ereignete. Eine zeitgenössische Fotodokumentation inszenierte einen völlig erschöpften Rettungshelfer als Helden im Ausnahmezustand. Das sowjetische Kino problematisierte gar die Heroenszenierung selbst, indem es eine alterne Fliegerheldin in den Blick nahm. In der sowjetischen Nachkriegsgesellschaft aus der Zeit gefallen, sieht sich die Protagonistin mit dem Schicksal einer Heldin von gestern konfrontiert. (jr, 3.11.16)

Rüthers, Monica/Köhring, Alexandra (Hg.), Helden am Ende. Erschöpfungszustände in der Kunst des Sozialismus. Campus Verlag, Frankfurt 2014, 978-3593501000.

Henselmann und die Moderne

Der Architekt Hermann Henselmann (1905-95) war mit der Ost-Berliner Stalin-Allee an einem Projekt beteiligt, das sinnbildlich für die Sowjetisierung stand. Beharrlich suchte er in der Folge nach einem eigenen sozialistischen Bauausdruck jenseits des Zuckerbäckerstils. Mit dem Haus des Lehrers am Alexanderplatz und dem Hochhaus der Universität Jena entwarf Henselmann schließlich Meilensteine der DDR-Architektur. Die Entwicklung einer explizit sozialistischen – eng mit der Moderne verbundenen – Architektur wurde für ihn als Staatsarchitekten prägend.

Hierin liegt der Schwerpunkt der jüngst im Langewiesche-Verlag erschienenen Dissertation von Elmar Kossel. Der Architekturhistoriker beleuchtet mit kritischem Blick sowohl das Frühwerk Henselmanns in den 1930er Jahren als auch seine Karriere in der DDR. Diese Konzentration befreit vom möglichen Ballast einer klassischen Biografie. Darüber hinaus wird deutlich, welchen Beschränkungen und Entfaltungsmöglichkeiten die Moderne in der Logik zweier totalitärer Systemen unterworfen war. (jr, 15.6.14)

Elmar Kossel: Hermann Henselmann und die Moderne. Eine Studie zur Modernerezeption in der Architektur der DDR, Verlag Langewiesche Nachfolge, 2013, 200 Seiten, 202 Abbildungen, 24,5 x 17 cm, gebunden, ISBN 978-3-78445-7405-9.

Hermann Henselmann und die Moderne (Bild: Langewiesche-Verlag)