Auf zum Umlauftank

Die „Rosa Röhre“ der TU Berlin (1974) zählt mittlerweile zu den Ikonen des experimetellen Bauens. Aanhand weitgehend unbekannter, historischer Fotos, Pläne und neu produzierter Filme zeigt die Ausstellung „Architektur als Experiment“ den Entwurfsprozess und die denkmalgerechte Instandsetzung des von Ludwig Leo gestalteten Umlauftanks im technikgeschichtlichen Kontext. Geplant fürs Frühjahr 2020 – und von mR hier angekündigt – fiel die Veranstaltung zunächst der Corona-Pandemie zum Opfer. Jetzt aber ist es soweit!

Bis zum 25. Oktober kann man die Ausstellung nun in der BHR OX bauhaus reuse auf der Mittelinsel des Berliner Ernst-Reuter-Platzes besuchen – fast in Sichtweite des behandelten Objekts. Entstanden ist sie in Zusammenarbeit mit der Wüstenrot-Stiftung und der Zeitschrift Arch+. Das Buch über das (Sanierungs-) Projekt Umlauftank ist bereits im März bei Spectorbooks erschienen. (db, 29.9.20)

Berlin, Umlauftank (Bild: Marcus Ebener, 2017)

Gymnasialer Denkmalschutz

Neustadt an der Weinstraße wird eher mit der deutschen Demokratie oder (sic!) Pfälzer Wein in Verbindung gebracht. Dabei gibt es hier auch für Liebhaber der Architektur des 20. Jahrhunderts einiges zu sehen. Unter anderem den Elwetritschenbrunnen (1978, Gernot Rumpf), die Hauptpost (1929-31) und die Verwaltung des Regierungsbezirks Pfalz (1954/55. Hinzu kommen diverse Geschäftshäuser mit stylishen 19650er/60er-Jahre-Fassaden, die bis heute eher zufällig überlegt haben. Nun haben die „jungen Denkmäler“ der kreisfreien Stadt Zuwachs bekommen: Seit wenigen Wochen steht auch das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium unter Denkmalschutz.

Gebaut wurde die dreigeschossige Anlage 1967-69 nach Plänen des Neustädter Architekten Gerhard Dürr (*1932). Das „KRG“ erinnert von der Form her an ein Quadrat, charakteristisch ist das offene Atrium, das es im Innern beherbergt. Ausschlaggebend für die Unterschutzstellung war laut des Neustädter Denkmalpflegers Dr. Stefan Ulrich, dass das Gebäude seit seiner Einweihung weitgehend unverändert geblieben sei. 2009 wurde das Flachdach saniert, einige Nutzungen im Innenraum angepasst, mehr sei nicht geschehen. „Landesweit gibt es nur zwei oder drei vergleichbare Schulgebäude aus derselben Epoche“, erklärte Ulrich der Zeitung Rheinpfalz. Der Architekt Gerhard Dürr zeichnet für etliche weitere Schul- und Verwaltungsbauten verantwortlich, darunter das ebenfalls 1969 eröffnete Pflegeheim Paul-Gerhard-Haus in Neustadt und das Schulzentrum Böbig, zu dem das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium als Einzelbau gehört. (db, 28.9.20)

Neustadt, Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium (Bild: Mundartpoet, CC0)

„Vote!“ Wie wertvoll ist die DDR-Spätmoderne?

In Erfurt werden jetzt die Erfurter gefragt: Ist das Baukunst oder …? Im Projekt „Vote!“ geht es um die DDR-Spätmoderne und ihren Denkmalwert. Zur Diskussion gestellt werden zehn lokale Objekte wie die ehemalige SED-Parteischule in der Werner-Seelenbinder-Straße. Denn während künstlerische Zeugnisse der 1950er Jahre langsam die verdiente Anerkennung finden, so die These der Initiatoren, haben es die 1970er und 1980er Jahre immer noch schwer: Die Denkmalinventarisation kommt kaum hinterher und die öffentliche Meinung sieht hier oft noch keinen historischen Wert.

Projekt „Vote!“ (Bild: © Landeshauptstadt Erfurt, Pressestelle und Stadtarchiv)

Das Projekt „DDR-Architektur – entbehrlich oder erhaltungswürdig?“ der städtischen Denkmabehörde mit der Uni Weimar (Professur Denkmalpflege und Baugeschichte) bildet zugleich eine „Satellitenausstellung“ der Wanderausstellung „Zwei deutsche Architekturen 1949-1989“, die von heute bis zum 13. September 2020 im Kulturhof „Zum Güldenen Krönbacken“ (Michaelisstraße 10, 99084 Erfurt) zu sehen sein wird. Seit 2004 war die Schau, die das Bauschaffen von BRD und DDR gegenüberstellt, bereits erfolgreich in 26 Städten zu sehen. Am 8. September 2020 gibt Mark Escherich ab 16 Uhr in der Galerie Waidspeicher (Vorderhaus) Erläuterungen zum Projekt „Vote“, das sich als Gesprächsimpuls versteht. Ausgewertet wird das Voting am 10. September 2020 2020 um 19 Uhr zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion. (kb, 26.7.20)

Titelmotiv: Halle/Saale, Kindergarten Buratino (Bild: © Gerald Große)