Abräumen in Offenburg

Die derzeitige Hauptargumentation für flächendeckende Abrisse ist ja, dass man einen geschlossenen Block „der Öffentlichkeit zurückgeben“ wolle. Statt Randbebauung gibt’s dann Passagen oder kleine Straßen mittendurch – was ja auch nicht die schlechteste Idee ist. In Offenburg macht es derzeit die Sparkasse vor: Hier fällt derzeit die alte Zentrale inklusive mehrerer Wohn- und Geschäftshäuser und eines Garagenhofs. Die gründerzeitliche Stadthalle, die ebenfalls auf dem Areal steht, bleibt (nach Bürgerprotesten) vom Komplettabriss verschont, wird aber völlig umgestaltet und teils neu gebaut. Auf dem 12.500 Quadratmeter großen Gesamtareal wird das Rée-Karré entstehen, das auch eine Erweiterung der angerenzenden Fußgängerzone sein soll.

Die Planung hat das Darmstädter Büro Kramm & Strigl übernommen, es werden „die üblichen Verdächtigen“ errichtet: ein Mix aus Wohnen, Büros und Geschäften. Farblich in ocker und beige gehalten, aufgelockert durch gezackte Dächer. Als Investor tritt die der Halaba angegliederte OFB Projektentwicklung auf, die als Fertigstellungstermin fürs Rée-Karré das erste Quartal 2019 avisiert hat. Derzeit kann man noch letzte Blicke auf das alte Sparkassen-Gebäude samt begrünter Tiefgarage an der Gustav-Rée-Anlage 1 werfen, das Mitte Juni mit einer Abriss-Party verabschiedet wurde – und (noch) als Beweis dient, dass früher doch manches Besser war…  (db, 22.9.17)

Offenburg, Sparkasse (Bild: Daniel Bartetzko)

FACHBEITRAG: Rotierende Röhren

Text von Klaus Jan Philipp mit Fotografien von Thomas Fütterer (20/4)

Die Kreissparkasse Ludwigsburg gehört zu den größten Sparkassen Deutschlands. Dies erweist sich auch an ihrem Hauptgebäude am zentral gelegenen Schillerplatz der ehemaligen, auf Schachbrettraster errichteten Garnisonsstadt. Drei Gebäude sind zu einem – fast die gesamte Platzkante belegenden – Komplex zusammengefasst: Der 1953 eingeweihte (ursprünglich) mit Muschelkalkplatten bekleidete Rasterbau und der 1974 fertiggestellte Erweiterungsbau mit rotem Backsteinsockel, brutalistischen Sichtbetonstützen, Natursteinplatten und vorgesetzter Aluminiumkonstruktion für die Rollladen markieren den Beginn. 1997 folgte der die beiden Altbauten verbindende Glasbau nach dem Entwurf des Architekturbüros Rümelin/Schoch/Zabel.

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Kreissparkasse Ludwigsburg, Zustand, bevor die Fassade des links zu sehenden 1950er-Jahre-Baus gestrichen wurde)

Stilgeschichte auf dichtem Raum

Idealtypisch lässt sich hier die Geschichte des Sparkassenbaus auf dichtem Raum nachvollziehen. Der erste Bau und seine späteren Erweiterungen folgen jeweils dem typischen Zeitstil in Konstruktion, Formensprache und Materialität: die Rasterfassade der 1950er Jahre, die für die 1970er Jahre charakteristische, feingliedrige, vor die Fassade gesetzte Verschattung und die ebenso typischen Abkantungen im 45-Grad-Winkel. Für die 1990er Jahre steht der Glasbau mit seinen mit Argon gefüllten Isoliergläsern für die beheizte Stahlfassaden-Konstruktion, der auf die verschärfte Wärmeschutzverordnung von 1994 reagiert. Die Bauten sind jedoch nicht nur Kinder ihrer jeweiligen Zeit, sondern präsentieren auch das sich wandelnde Selbstverständnis, wie eine Bank aussehen müsse.

Grundsätzlich soll eine Bank Solidität vermitteln. Wem man sein Geld aushändigt oder von wem man sich Geld leiht, der muss vertrauenswürdig, eher konservativ sein. Dies sollte sich auch in der Architektur ausdrücken: Das Bankgebäude will selbst einen Wert darstellen, wie es die Muschelkalkfassade des 1950er-Jahre-Baus tat, der für Haltung der Adenauer-Ära steht – „Keine Experimente“. Vergleichbare Solidität, vielleicht ein wenig frischer, zeigt auch der Bau aus den 1970er Jahren. Der konservative Naturstein und das moderne Material Aluminium belegen eine gewisse Offenheit gegenüber neuen Ideen. Hier zeigt sich die einer Bank wie ihrem Gebäude inne liegende Dialektik. Sie soll ebenso Sicherheit vermitteln wie Offenheit für neue, gewinnbringende Finanzprodukte zum Wohle des Kunden und der Bank! Dieses sowohl vertrauenswürdige als auch risikofreudige Agieren ist freilich nicht einfach zu finden, wenn das Gebäude und seine Architektur einen gewissen Anspruch erfüllen, also auch gute Architektur sein will.

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Verantwortlich für den Glasbau der Kreissparkasse war Klaus-Jürgen Zabel (* 1928). Er verteidigte sein Werk am 26. März 1998 vor dem ersten Ludwigsburger Architekturquartett, das sich schonungslos den zu besprechenden Bauten zuwandte. Von 1946 bis 1951 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart und arbeitete eng zusammen mit Prof. Hans Volkart, einem Schüler von Paul Bonatz. 1959 wurde Zabel mit einer Arbeit über Bibliotheksbau zum Dr.-Ing. promoviert. Dies steht in Zusammenhang mit seiner Beteiligung an der Universitätsbibliothek Stuttgart, deren Projektleiter er unter Volkart war.

Der Schöpfer des Glasbaus

1972 wurde Zabel zum Professor für Baukonstruktion und Entwerfen an die Hochschule für Technik Stuttgart berufen, deren Rektor er von 1985 bis 1993 war. Neben der Lehre und seinem Büro engagierte er sich auch berufspolitisch und leitete den BDA Baden-Württemberg von 1986 bis 1990 als Landesvorsitzender. Recht erfolgreich arbeitete auch sein Architekturbüro, das er ab den 1980er Jahren mit Rolf Rümelin und weiteren Partnern führte.

Der Erweiterungsbau der Kreissparkasse Ludwigsburg ist ohne Zweifel Zabels auffälligstes Werk: Der Glasbau besteht über einem eher konventionellen, ebenfalls gläsernen Erdgeschoss mit zentral angeordneter Drehtür, die durch das auskragende Vordach als metallener Zylinder durchgesteckt ist, aus einer großen ein- und ausschwingenden Glasfront. Diese ondulierte Wand, durch die drei Geschossdecken hindurch scheinen, verleiht dem Gebäude eine offene einladende Bewegung. Die Bank soll keine Festung sein, sondern ist ein transparenter Ort der Kommunikation.

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Außen: dynamisch

Die in der Ludwigsburger Glasfront vorbereitete Dynamik wird verstärkt und zugleich konterkariert durch Röhren, die schon im Eingangsmotiv angedeutet sind. Aggressiv wie ein Fremdkörper schiebt sich eine horizontale zum gegenüberliegenden Bau verlaufende Röhre vor die Fassade. Zwei weitere Röhren stehen als verglaste Fahrstühle vertikal vor der tiefen Seite der Fassade, die dann nach einem weiteren Richtungswechsel in die gerasterte und klare Aluminium-Fassade des Baus zur Schulgasse mündet. Die horizontale Röhre dockt auf dem Niveau des ersten Obergeschosses an die Fassade an, schiebt sich jedoch noch ein undefiniertes Stück weiter nach vorn. So erscheint sie wie ein zufällig abgeschnittenes Element, das dann auf der anderen Seite gleichsam brutal in die Fassade des Altbaus der 1970er Jahre eingeschnitten ist.

Die beiden Fahrstuhlröhren sind demgegenüber disziplinierter, da funktional begründet. Dennoch erhalten sie durch ihre Doppelung eine enorme Kraft und Bedeutung, die diese Nebenfassade gleichsam als geometrisch gebändigte Hauptfassade erscheinen lassen. Der Übergang des Glasbaus in die von Aluminiumraster und -paneelen bestimmten Seitenfassade ist abrupt – fast so, als hätten beide Bereiche nichts miteinander zu tun. Allerdings scheint hier die elegante Wendeltreppe aus dem Inneren hindurch und verweist geradezu didaktisch auf die Einheit beider Bereiche. Die Dynamik des Glasbaus ist wirksam sowohl aus der Fernsicht als auch auf Erdgeschossniveau. Hier drängt die auskragende, nur von einer äußerst schlanken Stütze getragene Ecke vor den Fahrstuhlröhren, frei und kraftvoll in den Raum. Alles gerät in Bewegung, die keinen Anfang hat und kein Ende findet, sondern über alle Achsen rotierend und sich brechend an den Röhren immer wieder von vorn beginnt.

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Innen: geradezu brav

Im Innern ist es ruhiger, geradezu brav! Das Foyer ist nicht besonders hoch – den über alle Geschosse reichenden Luftraum zwischen Glasfassade und Geschossdecken muss man suchen, weil er zu schmal, eigentlich nur eine Fuge ist. Im Gegensatz zur aufgeregten Fassade herrscht hier wieder Ordnung, es ist aufgeräumt und klar. Die stählerne Wendeltreppe nimmt vielleicht noch den Schwung des Äußeren auf, ansonsten wird es gediegen. Weißer Verputz, edle Hölzer und leicht spiegelnder, grau-blauer Krastaler Marmor vermitteln wieder die Solidität, die man in einer Bank erwarten darf. Die oben definierte Dialektik ist erfüllt: Innovation und Tradition kommen ins Gleichgewicht. Der Kunde wird durch die transparente Architektur vielleicht aktiviert, doch mehr zu wagen, als er eigentlich wollte. Architektur wird zum Verkaufsaktivator.

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Aufbruch und Regelverletzung

Es wäre wohlfeil, die Ludwigsburger Kreissparkasse als modisches Patchwork eines schwäbischen Provinzarchitekten abzutun, der sich an Motiven wie der ondulierten Eingangswand der Stuttgarter Staatsgalerie von James Stirling und den Röhren des Centre Pompidou in Paris von Renzo Piano bedient und diese frei kombiniert. Betrachtet man jedoch den Glasbau im Kontext der disziplinierten Rasterstadt Ludwigsburg, so steht dessen dramatischer Auftritt für Aufbruch und Regelverletzung. Er macht auf die Bank durch seine unkonventionellen, irritierenden Formen aufmerksam, ist jedoch zugleich gediegen, vor allem in der Präzision der Konstruktion sowie durch die wertigen Materialien und ihre sinnvolle Fügung. Der Bau ist kein Meisterwerk, aber er vermittelt auf besondere Weise das Selbstverständnis der Bank: solide, modern und innovativ.

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Titelmotiv: Ludwigsburg, Kreissparkasse (Bild: Thomas Fütterer, 2020)

Herbst 2020: Schöner sparen

LEITARTIKEL: Mit leichtem Schaudern

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Kirsten Angermann über spätmoderne „Sparkassenarchitektur“ – mit Fotografien der mR-Leser.

FACHBEITRAG: Rotierende Röhren

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Klaus Jan Philipp über den dramatischen Auftritt der Kreissparkasse Ludwigsburg.

FOTOESSAY: Monetäre Interieurs

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Raffael Dörig über die Bank-Innenaufnahmen des Fotografen Beat Jost.

FACHBEITRAG: Strifflers Banken

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Eva Seemann über bislang übersehene Bauten des Architekten Helmut Striffler.

FOTOESSAY: Bodenständige Extravaganz

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Jiří Hönes porträtiert Sparkassen im Raum Stuttgart.

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

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Eva Dietrich über ein besonderes Relief in Dortmund-Sölde.

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

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Johann Gallis und Albert Kirchengast über die brutalistische Sparkasse von Mattersburg.

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Christoph Klanten über seine Kindheitserinnerungen an die Sparkasse Bottrop.

SPOILER: Best of 1990s

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moderneREGIONAL startet 2021 ein Online-Projekt zur Architektur der 1990er Jahre.

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

von Eva Dietrich (20/4)

Wer moderne Bankgebäude mit einem Blick fürs Detail betrachtet, wird in den meisten Fällen auf ein Kunstwerk stoßen. Skulpturen und Plastiken, aber auch Reliefs, Mosaike und Wandbilder unterbrechen kurz die Geschäftigkeit des Alltags. In Sölde, einem Vorort im Osten Dortmunds, gibt es ein fast postmodern anmutendes Relief zu entdecken. Hier wird das schnöde Finanzwesen zum stilvollen Perpetuum mobile, zur Geldmaschine.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Nordansicht, Planzeichnung mit skizziertem Relief, Februar 1968 (Bild: Bauakte Sölder Straße 93, Bauaktenarchiv des Stadtplanungs- und Bauordnungsamts der Stadt Dortmund)

Planwechsel

Im Zentrum von Sölde – direkt neben dem Kriegerdenkmal, gegenüber der evangelischen Nachkriegskirche – wurde 1968 eine provisorische Sparkassenfiliale durch einen Neubau ersetzt: ein zeittypischer Flachdachbau mit unterschiedlichen Geschosshöhen für eine Geschäftsstelle und zwei Wohnungen. Für die Planung konnte der Dortmunder Architekt Günter Gehrmann gewonnen werden. Bereits im Bauantrag zeigt die Nordansicht ein Kunstwerk: An der Seitenfassade des Haupteingangs ist eine Skizze eingefügt, welche die Grundzüge des späteren Reliefs wiedergibt.

Für das Kunstwerk wurde der architektonisch bevorzugte Standort im Norden später gegen die stärker frequentierte Ostfassade ausgetauscht. Als der Neubau fertiggestellt war, platzierte man links des Haupteingangs ein ca. 2 x 3 Meter großes, aus mehreren Travertinplatten zusammengesetztes Relief. Der Titel der Arbeit – „Das Geld treibt die Wirtschaft“ – ist nur der Literatur zu entnehmen. Auf ein Schild wurde verzichtet, denn der Sinn der Darstellung lässt sich auch direkt erschließen, zumindest für Dortmunder.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Relief (Bild: Eva Dietrich)

„Das Geld treibt die Wirtschaft“

Linear abstrahierte Formen stehen in drei Bereichen für das Zusammenspiel von Finanzwesen, Industrie und Wirtschaft: In der rechten Bildhälfte findet sich ein typisches Industriemotiv mit einem Fördergerüst und zwei großen rauchenden Schornsteinen. Sie verweisen auf Dortmund als Standort von Zechen und Kokereien. Der nach unten offene Rundbogen am rechten oberen Bildrand erinnert Einheimische an das identitätsstiftende Dortmunder U, das Gär- und Lagerhochhaus der Union-Brauerei. Links hinter den Schloten schaut ein Turm mit einem runden Aufsatz hervor, der einen Wasserhochbehälter darstellen könnte (wenngleich das nahegelegene sog. Lanstroper Ei eine ovale Form hat).

In der linken unteren Bildecke ist eine große Hängebrücke nicht ohne Weiteres nach Dortmund zu verorten. Dafür vermittelt sie einen großstädtischen Eindruck und verbindet die beiden Bildhälften. Links oben verweisen große Kolben und Zylinder auf eine chemische Fabrik, wenngleich dies ein in Dortmund nicht präsenter Industriezweig ist. Verbunden werden die drei Bereiche durch Transmissionsriemen: Der Titel „Das Geld treibt die Wirtschaft“ wird hier zum wechselseitigen Produktionsprozess erweitert. Die Sparkasse wird zur „Geldmaschine“.

Dormund-Sölde, Sparkasse (Bild: Eva Dietrich)

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Nordostansicht mit Relief (Bild: Eva Dietrich)

Modern und betriebsam

Ein wichtiges Motiv des Reliefs steht hier noch aus: das Hochhaus, bekrönt vom typischen, allerdings überproportional großen Sparkassenlogo, in der linken unteren Bildhälfte. Diese Darstellung bezieht sich auf die frisch fertiggestellte Hauptverwaltung der Sparkasse Dortmund (1968/69, Hanns Dustmann) in der – wie man damals wohl gesagt hätte – „City“. Damit unterstreicht das Relief auch das moderne, betriebsame Image der Sparkasse Dortmund. Die zeittypisch moderne Filiale im Vorort Sölde positioniert sich selbstbewusst als „kleiner Bruder“ der Hauptstelle.

Der Entwurf für dieses Relief stammt vom Künstler Herbert Volwahsen. 1906 in Oberschlesien geboren, absolvierte er zunächst eine Ausbildung an der Holzschnitzschule Bad Warmbrunn im Riesengebirge, um 1925 bis 1931 an der Kunstakademie in Dresden Bildhauerei zu studieren. Von 1935 bis 1953 hatte er ein Atelier im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz, wo er neben freien Arbeiten auch zahlreiche Auftragswerke für Kirchen schuf. 1953 flüchtete der Bildhauer aus der DDR und wurde 1956 Fachbereichsleiter für Plastik an der Werkkunstschule Bielefeld. 1964 berief man ihn als Professor an die Fachhochschule Dortmund, wodurch sicherlich der Kontakt zu ortsansässigen Künstlern, Architekten und Institutionen entstand. Im Ruhestand zog er nach Murnau, wo er 1988 verstarb. Bekannt wurde Volwahsen hauptsächlich durch Skulpturen, während Reliefs in seinem Oeuvre eine Ausnahme blieben.

Dormund-Sölde, Sparkasse (Bild: Eva Dietrich)

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Ostansicht (Bild: Eva Dietrich)

Zwei junge Bildhauer

Ausgeführt wurde das Kunstwerk von den jungen Bildhauern Jan Bormann und Theo Uhlmann. Beide waren an der Fachhochschule Dortmund tätig und wurden sicherlich über Volwahsen vermittelt. 1939 in Dortmund geboren, schuf Bormann zahlreiche Skulpturen im öffentlichen Raum und wurde später besonders durch seine Landmarken-Kunstwerke im Ruhrgebiet bekannt.

Theo Uhlmann (* 1932 in Südkirchen, + 2001 in Dortmund) war auch später für die Dortmunder Sparkasse tätig: Für eine Filiale in Dortmund-Kley schuf er um 1975 die Stahlskulptur „Geldbaum“, 1978 für eine Filiale in Dortmund-Lütgendortmund ein reliefartiges Kunstwerk aus Stahl und Edelstahl. 1988 wurde an der Hauptverwaltung seine Skulptur „Drei Musen“ aufgestellt.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Planzeichnung, Nordansicht, Februar 1968 (Bild: Bauakte Sölder Straße 93, Bauaktenarchiv des Stadtplanungs- und Bauordnungsamts der Stadt Dortmund)

Die Zeit der Kokereien ist vorüber

Die Zeiten, in denen Dortmund von Zechen und Kokereien geprägt wurde, sind lange vorbei. So dient das Relief in Sölde wohl heutzutage als „Historienbild“. Ironischerweise kann man bei der Sparkassen-Zweigstelle Sölde inzwischen wirklich von einer „Geldmaschine“ sprechen: Die Filiale wurde 2016 zu einem Selbstbedienungsstandort mit Geldautomat umgebaut.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Planzeichnung, Ostansicht, Februar 1968 (Bild: Bauakte Sölder Straße 93, Bauaktenarchiv des Stadtplanungs- und Bauordnungsamts der Stadt Dortmund)

Literatur

Zänker, Jürgen u. a., Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme, Dortmund 1984, 2. Auflage 1990, S. 197.

Kunst im öffentlichen Raum: auf: dortmund.de (www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/museen/kior/alle_kunstwerke/index.html, abgerufen am 11. September 2020).

Titelmotiv: Dortmund-Sölde, Sparkasse, Nordostansicht mit Relief (Bild: Eva Dietrich)

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