Celle: 100-jährige Halle soll abgerissen werden

1913 wurde sie eingeweiht, 2013 noch stolz das 100-jährige Jubiläum gefeiert – doch 2019 steht es schlecht um die MTV-Halle in Celle. Vor Kurzem hat die Stadtverwaltung den Vorschlag lanciert, den Bau Anfang 2020 abzureißen. Dem stellen sich Dietrich Klatt, Dr. Elke Haas und Dr. Lothar Haas in einem Offenen Brief an die Ratsmitglieder entgegen. Aus ihrer Sicht ist „die Halle als Baudenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz gegen einen Abriss geschützt, obwohl es bislang nicht in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen ist“ – so fasst es die „Celler Presse“ zusammen.

Als Argument wird im Offenen Brief auch die historische Bedeutung angeführt, immerhin war der MTV als „einer der ältesten Turnvereine Deutschlands (…) von jeher ein wichtiger Teil der liberal und national gesinnten Turnbewegung“. Daneben wird die für ihre Zeit außergewöhnlich innovative Bauweise hervorgehoben: die Hetzer-Bögen, eine elegante Leimbinder-Konstruktion. Otto Hetzer hatte sein Patent 1910 auf der Weltausstellung in Brüssel vorgestellt – mit einer Halle, die er mit keinem Gerigeren als dem Architekten Peter Behrens entworfen hatte. Die MTV-Halle von Celle bilde eine Anlehnung an diesen Brüsseler Prototyp. Damit sei der Bau allein schon aus wissenschaftlichen Gründen schützenswert und kein Fall für den Abrissbagger. Der zuständige Bauausschuss tagt am Donnerstag – wir drücken beide Daumen! (kb, 13.2.19)

Celle, MTV-Halle (Bild: historische Abbildung)

Eine Regatta für den Denkmalschutz

Ein rechteckiger See bei München steht frisch unter Denkmalschutz: Immerhin handelt es sich um die Regattaanlage, die in Oberschleißheim 1972 für die Olympiade errichtet wurde. Für den Standort sprachen damals die gute Verkehrsanbindung, das ebene Gelände und der hohe Grundwasserspiegel. Ab 1969 gestaltete die Münchner Architekten- und Ingenieurgemeinschaft Eberl und Partner (Michael Eberl, Helmut Weippert, Erich Heym, Otto Leitner) das Gelände zur Sportanlage um. Damit sich die Neubauten möglichst harmonisch in die Umgebung einfügten, setzte das Büro viel Holz ein – u. a. für die Verkleidung des Pultdachs und der 18 Stahlspannseile der Haupttribüne.

Bis heute wird die Regattaanlage im Besitz der Stadt München aktiv genutzt. Daher kommt die Unterschutzstellung kommt gerade zur rechten Zeit, denn die Strecke soll „neu geordnet“ werden, um für die Ruderer und Kanuten künftig internationale Wettkämpfe gewährleisten zu können. Dafür sollten Teile der historischen Tribüne niedergelegt werden, vielleicht in der Tribüne ein Hotel entstehen. Unter Schutz stehen nun das künstlich angelegte Wasserbecken, die Tribüne, die Bootshallen, die Unterkunftsbauten, die Sporthalle, die Start-, Ziel- und Messtürme und der künstliche Bachlauf mit der Betonskulptur von Michael Eberl. (kb, 5.11.18)

Oberschleißheim, Haupttribüne der Olympia-Regattaanlage (Bild: Richard Huber, CC BY SA 3.0, 2012)

Betonkanufahrn

Synchronschwimmen, Paradetanz und Hundeschauen sind in der Regel heimliche Leidenschaften. Aber diese Sportart ist rundum moderneREGIONAL-tauglich: Betonkanu. Hier geht es um eine ausgewogene Mischung aus Wissenschaft und Wettkampf, aus grauem Kunststein und Glamourfaktor. „Das perfekte Zusammenspiel zwischen Bootsherstellung und Paddeltechnik entscheidet letztlich über den Erfolg“, resümiert Jan Teuchert, Kapitän des Betonkanu-Teams der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig.

Am letzen Maiwochenende siegte das Leipziger Team – mit dem streng akademisch orientierten Namen „Bieraten“ – bei der Regatta in Eindhoven: dreimal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze. Ihr Kanu „Eilenburg“ wiegt 42 Kilo bei einer Länge von fünf Metern und einer Wandstärke von fünf Millimetern. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Plastikboot kommt auf 25 bis 30 Kilogramm. Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher vom Institut für Betonbau der Fakultät Bauwesen, fachlicher Leiter des Projekts, würdigte, „auf welch hohem Niveau die Studierenden der HTWK Leipzig wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich des Textilbetonbaus umsetzen können.“ Die „Bieraten“ wollen 2019 wieder antreten, diesmal in der offenen Klasse schwimmfähiger Fantasie-Gebilde. Die beiden aktuellen Betonkanus des Teams können zur Langen Nacht der Wissenschaften an der HTWK Leipzig am 22. Juni (Campus Connewitz) besichtigt werden – Teammitglieder stehen dann Rede und Antwort. (kb, 8.6.18)

Sieg des Betonkanu-Teams der HTWK Leipzig (Bild: Philipp Köditz, HTWK Leipzig)