100 Jahre Groß-Berlin

Am 1. Oktober 1920 wurde die Einheitsgemeinde Groß-Berlin geschaffen. Die Hauptstadt des Deutschen Reiches sollte damit den politischen Querelen der kommunalen Zersplitterung enthoben werden und durch umfassende Maßnahmen zu einer modernen Metropole transferiert werden. Die Stadtfläche wuchs damit um das Dreizehnfache, die Bevölkerungszahl verdoppelte sich von 1,9 auf knapp 3,9 Millionen, was Berlin zur drittgrößten Stadt der Welt machte. Anlässlich des bevorstehenden 100-jährigen Jubiläums widmen sich eine Tagungs- und Publikationsreihe der Geschichte und Zukunft Groß-Berlins. Der erste Band wird am 11. Juli vorgestellt.

Der Sammelband widmet sich dem Schwerpunktthemen „Wohnungsfrage und Stadtentwicklung“. Das Groß-Berlin-Gesetz bildete in den Jahren nach 1920 die Grundlage für vielfältige Wohnbauaktivitäten. Historisch und aktuell orientierte Beiträge fragen nach der Geschichte des Groß-Berliner Wohnungsbaus sowie seinen aktuellen Herausforderungen und ziehen Vergleiche zu Paris, London und Moskau. Zur Buchvorstellung am 11. Juli (19.30 Uhr, Bücherbogen am Savignyplatz, Stadtbahnbogen 593, 10623 Berlin) werden die Herausgeber des Bandes, Harald Bodenschatz und Klaus Brake, erwartet. (jr, 9.7.17)

Bodenschatz, Harald/Brake, Klaus: 100 Jahre Groß-Berlin. Bd. 1: Wohnungsfrage und Stadtentwicklung, Lukas Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86732-290-4.

Titelmotiv: Ausschnitt aus dem Buchcover (Lukas Verlag)

Gropius zockt Minecraft

Gropius zockt Minecraft

Minecraft Gropiusstadt (Bild: Bauhaus-Spirit.com)
Pimp Deinen Kiez! (Bild: Bauhaus-Spirit.com)

Zumindest hätte er dies bestimmt getan, wenn die Technik zu seinen Lebzeiten schon weiter gewesen wäre. Das Open-World-Spiel hätte den Architekten mit seinen schlichten, würfelförmigen Blöcken und den unendlichen Kombinationsmöglichkeiten sicherlich gereizt. Unstrittig scheint die Vorliebe der Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) für das Spiel. Sie ist Schirmherrin eines ungewöhnlichen Wettbewerbs. Dabei sind interessierte Laien aufgerufen, Vorschläge zur städtebaulichen Entwicklung der Berliner Gropiusstadt auszuarbeiten. Statt in Form von Plänen und Erläuterungsberichten können sie ihre Entwürfe als Minecraft-Spielstand einreichen.

Die Wohnsiedlung Gropiusstadt entstand Mitte der 1960er Jahre unter Mitwirkung ihres Namenspatrons. Nun soll sie unter dem Motto „Pimp Deinen Kiez“ aufgemöbelt werden. Minecraft scheint durch seine Vielseitigkeit das ideale Werkzeug für einen Ideenwettbewerb. So sind leuchtendes Kopfsteinpflaster auf dem Lipschitzplatz oder ein Riesenrad auf einem Parkdeck mit wenigen Klicks zu visualisieren. Hobbystädtebauer und architekturvernarrte Zocker können sie hier anmelden und die virtuelle Vorlage der Gropiusstadt herunterladen. Vorschläge werden bis zum 4. November 2016 entgegengenommen und anschließend von einer Jury begutachtet. Die Siegerentwürfe sollen ausgestellt werden und den Wohnbaugesellschaft als Anregung für die tatsächliche zukünftige Gestaltung der Siedlung dienen. Ob sich das Riesenrad auf dem Parkdeck durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. (jr, 15.10.16)

Hidden Urbanism

Hidden Urbanism

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Hidden Urbanism (Bild: dom-publishers)

Die Moskauer Metro steht vor einer historischen Expansion. Bis 2017 soll das Streckennetz um 80 Kilometer erweitert werden – das ist rund ein Viertel des derzeitigen Gesamtnetzes. Grund genug, einen ausführlichen Blick auf die U-Bahn zu werfen, die 1930 mit dem Anspruch erbaut wurde, weltweit die schönste ihrer Art zu werden. Die Publikation Hidden Urbanism tut dies und porträtiert den Untergrund von Russlands Hauptstadt in beeindruckenden Fotografien und vertiefenden Aufsätzen.

Die prunkvollen stalinbarocken Stationen der 1930er sind inzwischen wohl hinlänglich bekannt. Der Band belässt es daher nicht bei einem Porträt dieser unterirdischen Paläste, sondern setzt die Fahrt in die publizistisch weit weniger ausgeleuchteten Tunnel der Metro fort. So entsteht eine umfangreiche Dokumentation, die bis in die Gegenwart reicht und den stetigen Ausbau der Metro auch als Instrument der Stadtentwicklung versteht. Das Buch beschränkt sich dabei nicht nur auf architektonische Aspekte, sondern bezieht auch Design und Corporate Identity ein. (jr, 30.9.16)

Kuznetso, Sergey/Zmeul, Alexander/Kagarov, Erken, Hidden Urbanism. Architecture and Design of the Moscow Metro 1935 – 2015, hg. von Philipp Meuser und Anna Martovitskaya, 352 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-86922-412-1 (Englisch), 978-3-86922-413-8 (Russisch) DOM publishers, Berlin 2016.