Stadthalle Braunschweig – Abriss oder Sanierung?

Seit Jahresbeginn ringt man in Braunschweig um die Zukunft der Stadthalle. Der 1965 eingeweihte Neubau, der nach den Entwürfen der Architekten Heido Stumpf und Peter Voigtländer am Leonhardplatz entstanden war, konnte bereits vier Jahre später den einmillionsten Besucher verzeichnen. Er ersetzte die alte Stadthalle auf dem Schützenplatz aus dem Jahr 1931, die 1999 abgerissen wurde. Ihre konsequente Gestaltung verdankt die neue Stadthalle dem Prinzip, jede Form aus einem Dreieck abzuleiten. Nach außen zeigt sich die Stahlbetonkonstruktion meist mit Waschbetonplatten verkleidet, im Inneren wurden die Säle mit einer Stahlkonstruktion überfangen. Mit ‘Kunst am Bau’ hat man das Ensemble aufgewertet, z.B. mit dem Betonrelief und den Metallskulpturen des Künstlers Friedrich Werthmann. Immer wieder wurde die Stadthalle saniert – so kam 1999, zum 25-jährigen Jubiläum, eine neue Vorplatzgestaltung samt Vordach hinzu. Die letzte Modernisierung erfolgte 2009.

2017 entschied sich die Stadt gegen einen Abriss und für eine Sanierung, da damit weniger Kosten verbunden seien. Seit 2018 steht der Bau unter Denkmalschutz. Aktuell werden vor Ort die mit einer Sanierung anfallenden Kosten diskutiert. Ein Gesamtkonzept der Renovierungsarbeiten liegt bereits vor, ebenso eine Baugenehmigung. Doch bislang konnte trotz Ausschreibung kein Totalunternehmer für die Koordinierung der Arbeiten gefunden werden. Gegen den Richtungswechsel zu einem Abriss sprechen, vom Denkmalschutz abgesehen, der erhöhte Zeitaufwand und die zu erwartenden Kosten im Fall einer Neuausschreibung. Stattdessen will die Stadt am bisherigen Sanierungsplan festhalten und eine Projektgesellschaft gründen, um die anstehende Sanierung und den folgenden Betrieb anzuleiten. Denn für eine Umnutzung des Gebäudes sieht man keinen externen Bedarf. Stattdessen könnte man sich vorstellen, die günstig gelegene Stadthalle durch den Anbau eines dritten Saals noch attraktiver zu gestalten. (kb, 13.2.22)

Braunschweig, Stadthalle (Bild: KerstinBLange, CC BY SA 4.0, 2015)

Braunschweig, Stadthalle (Bild: KerstinBLange, CC BY SA 4.0, 2015)

Titelmotiv: Braunschweig, Stadthalle (Bild: historische Postkarte)

Zukunft für die Stadthalle Falkensee?

Das Kunst- & Kulturforum Falkensee wirbt weiter für den Erhalt und die kulturelle Wiederbelebung der alten Stadthalle. Ein vor wenigen Tagen vom Verein vorgelegtes Konzept zeigt diverse Nutzungsmöglichkeiten auf. Voraussetzung ist natürlich, dass das Gebäude stehen bleibt. Und das ist noch nicht sicher: Eigentlich wollte hier längst ein Braunschweiger Investor in Abstimmung mit der Stadt ein neues Wohn- und Geschäftshaus bauen, seit 2016 gibt es eine Neue Stadthalle in Falkensee, sodass der Altbau obsolet ist. Mit diversen Meinungsverschiedenheiten und Bedenken in der Stadtverordnetenversammlung und von Anliegern, wie der dortigen Grundschule, zog sich das Projekt in die Länge. In der Zwischenzeit wurde der Denkmalschutz auf das von 1974 bis 1980 von den Falkenseern in Handarbeit errichtete Gebäude aufmerksam. Seit September 2020 steht die Halle nun vorläufig unter Denkmalschutz – aufgrund ihrer baugeschichtlichen Bedeutung. Das Verfahren über die endgültige Unterschutzstellung ist kurz vorm Abschluss.

Die Stadt Falkensee wartet nun ab, wie die Denkmalschutzbehörde über einen Antrag der Stadt Falkensee entscheidet. Als Eigentümerin – der Kaufvertrag mit dem Investor ist noch nicht zustande gekommen – hat die Stadtverwaltung bereits im Mai 2021 eine Abrissanzeige an die Behörde getätigt. Die Verwaltung sieht in der Aufnahme der Halle in Denkmalverzeichnis eine Unzumutbarkeit. Wenn sie nicht abgerissen werden könne, würde das die Entwicklung der Innenstadt für viele Jahr zum Stillstand bringen. Denn eine Sanierung sei mangels Geld auf Jahre nicht möglich. Zudem seien wesentliche Funktionen des Altbaus von der neue Stadthalle als Sport- und Veranstaltungsort übernommen worden. Das sehen aber offenbar nicht alle Falkenseer so … (db, 27.1.22)

Falkensee, alte Stadthalle (Bild: Kunst- & Kulturforum Falkensee)

Kaunitz: Ostwestfalenhalle auf der Kippe?

2023 soll es losgehen, eigentlich, denn die Ostwestfalenhalle in Verl-Kaunitz ist mal wieder in den Schlagzeilen. Der 1966 eingeweihte Bau überspannt mit seiner Leimbinderkonstruktion eine Nutzfläche von 1820 Quadratmetern. Wegen der angedachten Nutzung für den Handel mit Geflügel(erzeugnissen) – ein solcher Markt hatte sich vor Ort etabliert und brauchte einen passenden Ort – erhielt der Bau Spitznamen wie Eierhalle oder Eierscheune. Heute wird der Bau wird für die verschiedensten Veranstaltungen genutzt, darunter regelmäßig ein Hobby-, Tier und Trödelmark. In den 2010er Jahren kam das äußere Erscheinungsbild als unmodern ins Gespräch. Schon seit 2014 plant man daher eine Sanierung, die zunächst eher als Farbauffrischung in kleineren Stufen für kleinere Beträge bei laufender Nutzung gedacht war.

Im Laufe der Jahre wurden die Arbeiten immer umfangreicher angelegt, nun nahm man auch das Dach, die Unterdecke und die Beleuchtung in den Blick. Seit einigen Monaten wird kontrovers über die Zukunft der Halle diskutiert, gar von Abriss ist die Rede, zugunsten von neuen Wohnbauten. Die fehlenden Einnahmen in Pandemiezeiten verschärften die Situation zusätzlich. Im Frühjahr 2021 wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um das Ausmaß der baulichen Schäden, die vor allem die Leimbinderkonstruktion betreffen soll, in Augenschein zu nehmen. Gegenüber der Presse zeichnete sich vor Ort jedoch zuletzt eine Mehrheit für den Erhalt des Bauwerks ab.Das neueste Rendering des mit der Sanierung beauftragten Paderborner Büros Balhorn-Wewer-Karhoff sieht eine farbliche Aufhellung der dann erneuerten Leimbinder vor. Die Rede ist von insgesamt 6.6 Millionen Euro. Angesichts der aufgelaufenen Bauschäden müsse man die Halle andernfalls 2022 schließen. Im Zusammenhang mit der aktuellen Sanierungsplanung ist auch von der “Option” Denkmalschutz die Rede … (kb, 9.12.21)

Kaunitz, Ostwestfalenhalle (Bild: C-we, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)