Bonn: Stadthaus auf dem Prüfstand

Sanierung oder Abriss – diese Frage stellt sich derzeit für mehrere prominente Bonner Nachkriegsbauten. Jüngst berichteten wir über die entsprechend ungewisse Zukunft der Oper, nun steht das Stadthaus im Fokus. Der Bau, der seit 1978 die kommunale Verwaltung der Stadt beherbergt, ist dringend sanierungsbedürftig. Nach Informationen des Generalanzeigers hat die Stadt Bonn nun ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob Sanierung oder Abriss und Neubau die günstigere Alternative sind.

Es ist bereits das zweite entsprechende Gutachten. 2011 kamen Fachleute noch zu dem Schluss, dass es die Stadt billiger käme, das Bürohochhaus zu sanieren. Angesichts der Haushaltslage wurden konkrete Schritte jedoch zurückgestellt. Die neue Studie soll auf die Ergebnisse von 2011 aufbauen und mehr ins Detail gehen. Das Stadthaus wurde 1973 bis 1977 nach Plänen des Büros Heinle, Wischer und Partner errichtet. Die Stadtverwaltung benötigte nach mehreren Eingemeindungen dringend mehr Raum, das 72 Meter hohe Rathaus kam außerdem dem aufkeimenden Selbstbewusstsein der jungen Bundeshauptstadt nach. Sollte es abgerissen werden, würde damit auch ein bauliches Zeugnis der Bonner Republik verschwinden. (jr, 23.10.18)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, CC BY SA 3.0)

Bonn: Umzugsjubiläum

Nein, es geht hier nicht um den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin, der der Stadt am Rhein bis heute nachhängt. Dieser jährt sich erst 2019 zum 20. Mal. Dieser Tage gilt es dagegen, ein erfreulicheres Jubiläum zu begehen: Vor 40 Jahren zog die Bonner Stadtverwaltung in das brandneue Stadthaus. Das Verwaltungshochhaus im Zentrum Bonns stellte seinerzeit ein kommunales Gegengewicht zu den hochmodernen Bauten im Bundesviertel dar.

Das Stadthaus wurde in den 1970er Jahren nach Plänen des Büros Heinle, Wischer und Partner errichtet. Die Stadtverwaltung benötigte auf Grund mehrerer Eingemeindungen dringend mehr Raum, das historische Rathaus platzte aus allen Nähten. 1978 zogen die städtischen Beamten schließlich in das 72 Meter hohe  Bauwerk, das mit seiner gläsernen Vorhangfassade, dem integriertem Parkhaus und einer eigenen U-Bahn-Station ganz den Planungsdirektiven der Zeit entsprach. Wenn auch sein architektonischer Wert unter vielen Bonnern bis heute umstritten ist, stellt der Bau zweifellos einen Meilenstein zum städtischen Selbstbewusstsein der Stadt dar. Und das hat auch über den Wegzug der Regierung hinaus Bestand. (jr, 19.4.18)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bonn aus smarter Perspektive

Bonn aus smarter Perspektive

Look up - Bonn (Bild: Michèle Lichte)
Ungewohnte Perspektive auf eine Bonner Landmarke (Bild: Michèle Lichte)

Nur der architekturhistorische Gourmet wird das Motiv auf dem Foto sofort verorten können: es zeigt ein Detail der Fassade des Bonner Stadthauses. Der raumgreifende Verwaltungsbau wurde in den 1970er Jahren nach Plänen des Büros Heinle, Wischer und Partner erbaut und sollte seinerzeit ein städtisches Gegengewicht zur Architektur der Bundesbehörden darstellen. Diesem und anderen Bauten aus Bonns jüngerer Architekturgeschichte widmet sich die Ausstellung “Look up – Bonn”, die Arbeiten der Hobbyfotografin und Bonn-Bloggerin Michèle Lichte versammelt. Ihr Blick ist stets himmelwärts gerichtet, Bauten wie die Bundeskunsthalle oder der Posttower erscheinen so in einer neuen Perspektive und offenbaren ihre Identität auch dem Bonnkenner erst auf den zweiten Blick.

Außergewöhnlich ist das Arbeitsgerät, mit dem die schönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen entstanden sind. Lichte ließ die Spiegel-Reflex-Kamera für ihre fotografischen Streifzüge durch die Bundesstadt bewusst zu Hause und fotografierte ausschließlich mit dem Smartphone. Auch wenn mancher nun die Nase rümpfen wird: das Ergebnis weiß zu überzeugen. Die Ausstellung ist bis zum 27. Januar im Foyer des Stadthauses (Berliner Platz 2, 53111 Bonn) zu sehen. (jr, 21.1.17)