Lesebuch Städtebau

Ein Lesebuch mit über 40 Texten zum Städtebau aus den vergangenen 100 Jahren: Für den Grundlagen-Band „Stadt und Planung“ , Herausgegeben von Heidede Becker (1943-2020) und Johann Jessen bei DOM publishers, haben Mitglieder der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) Texte ausgewählt und kommentiert, denen sie für ihr Fachverständnis oder ihre Berufspraxis eine besondere Bedeutung zumessen. Anlass für die Textsammlung ist das 100-jährige Bestehen der DASL. Die Auswahl ist nicht als Lesekanon gedacht, vielmehr entfaltet sich in diesem Tableau ein Kaleidoskop an Textformen: Es enthält Auszüge aus Klassikern, neu entdeckte wissenschaftliche Aufsätze, kraftvolle Reden und einflussreiche Manifeste, aber auch Zeitungsartikel, Reiseberichte und Gedichte. Das Spektrum der Autoren reicht von Cornelius Gurlitt (dem ersten Präsidenten der DASL) über Rudolf Hillebrecht bis Thomas Sieverts, von Walter Benjamin über Jane Jacobs bis Erika Spiegel.

Die Schwerpunkte streuen so weit wie die Fachdisziplinen, die in der Akademie vertreten sind: nicht nur Stadt- und Regionalplanung, auch Architektur und Landschaftsarchitektur, Verkehrsplanung, Bau- und Planungsrecht, Stadtsoziologie und Stadtökonomie. Hinzu kommen Texte aus anderen Wissenschaftsdisziplinen wie etwa Philosophie und Ökologie, die mit ihrem Blick von außen schon immer die Fachdebatten in der Praxis und Theorie des Städtebaus bereicherten. So vielfältig wie die Texte sind auch die Motive und Begründungen für die Auswahl. In ihrer Gesamtheit spiegeln sie die zeitbedingten inhaltlichen Positionierungen der Akademie und fachliche Übereinkünfte wider und bilden so indirekt die Geschichte der DASL ab. Im Jahr 2022 wird sie 100 Jahre alt und arbeitet aus diesem Anlass ihre wechselvolle Geschichte auf: Das vorliegende Buch ist ein Teil dieser Aufarbeitung. Ein zweibändiges Werk zur Geschichte und Theorie des Städtebaus in Deutschland ist derzeit in Arbeit: Band 1: „Ordnung und Gestalt“ (1922-1975) ist bereits erschienen, mit dem geplanten Band 2: „Positionen und Perspektiven“ (1975-heute) werden die drei DASL-Publikationen zum Jubiläumsjahr 2022 abgeschlossen sein. (db, 15.9.21)

München-Freiham, Isometrie 2002 (Copyright Florian Schmidhuber, CC BY-SA 4.0)

Der Stadtplaner Christian Farenholtz ist tot

Wie gerade bekannt wurde, ist der Architektur und Stadtplaner Christian Farenholtz im Alter von 98 Jahren verstorben. Er gilt als maßgeblicher Wegbereiter der Bürger:innenbeteiligung in der bundesdeutschen Nachkriegsmoderne. 1923 kam Farenholtz in Magdeburg zur Welt. Von Tätigkeit 1954 bis 1965 war er tätig beim Landesplanungsamt Hamburg – zu seinen bekanntesten Werken dieser Zeit dürften Neu Altona und die City Nord gehören. Anschließend wechselte er bis 1973 als Baubürgermeister nach Stuttgart. Zuletzt kehrte er nach Hamburg zurück: bis 1980 zur GEWOS (Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung), danach mit einem Lehrauftrag an die TU Hamburg-Harburg.

Farenholtz prägte an verschiedenen Stellen die architekturbezogene Gesetzgebung, darunter das Städtebauförderungsgesetz der 1970er Jahre. 2012 wurde er ausgezeichnet mit der Cornelius-Gurlitt-Denkmünze. In ihrer Laudatio nannte die Architektin Christiane Thalgott weitere Punkte aus seinem Schaffen, darunter die Stadtentwicklungspläne für Hameln, Itzehoe und Osnabrück. Und darüber hinaus, nach seinem 1988 angetreten Fast-Ruhestand: „Aber Arbeit gab es genug. Gutachten, Politikberatung von Bund, Ländern und Gemeinden, die Baurechtsangleichung BRD/DDR.“ (kb, 7.5.21)

Christian Farenholtz (Bild: Sabine Rheinholdt, CC BY SA 3.0)

Hamburger Stadträume online

An Online-Buchvorstellungen mussten wir uns in Pandemie-Zeiten gewöhnen. Plattformen wie Youtube haben dadurch durchaus einen intellektuellen Schub erfahren – auch heute Abend lohnt es sich, dort hineinzusehen: Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg stellt die mit Olaf Bartels entwickelte Publikation Hamburg – Positionen, Pläne, Projekte 1: Stadträume bauen vor, die im Jovis-Verlag erschienen ist. Deutschlands größte Hafenstadt bereitet sich darauf vor, bis 2030 etwa zwei Millionen Einwohner:innen zu zählen. Um ihnen Raum zu geben, setzt man unter anderem auf „innere Stadtentwicklung“; Neubauten am nördlichen Elbufer, die HafenCity oder der „Sprung über die Elbe“ stehen für großteilige Strategien. Im Kontext des internationalen Diskurses über Stadtentwicklung präsentiert der Band ausgewählte Projekte aus Architektur, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung. Der Architekturhistoriker und BauNetz-Redakteur Alexander Stumm widmet sich zudem in einem Beitrag den Themen Wiederaufbau, Abriss, Neubau und Weiterbauen. Hier spielt unter anderem auch das Brandshof-Areal eine Rolle.

Moderiert wird die Buchpräsentation, die von Katja-Annika Pahl, vorgesehen sind zwei Hauptteile. Zunächst führt ein virtueller Stadtspaziergang zu vielen relevanten Projekten, neben Vorhaben in der Hamburger Innenstadt sind auch die Stadtrandsiedlungen der 1950er bis 1970er Jahre Thema. Anschließend findet eine Frage- und Gesprächsrunde statt, bei der Roger Diener von Diener & Diener Architekten (Basel), Doris Kleilein (Jovis Verlag), die Präsidentin der hamburgischen Architektenkammer Karin Loosen, der Mitautor Olaf Bartels und der Hamburger Oberbaudirektor Franz-Josef Höing Rede und Antwort stehen. Die Zuschauer*innen des Livestreams können Fragen während der Übertragung live stellen. Beginn ist heute, am 3.5.21 um 19.30 Uhr. (db, 3.5.21)
 

Hamburg, Kontorhaus am Brandshof (Bild: Dirtsc, CC BY-SA 4.0)