Städtebau: Kult und Krise

Der sprichwörtliche Masterplan beschäftigte die Stadtplanung des 20. Jahrhunderts in diversen Metropolen der Welt. Ambitionierte Städtebauer entwickelten Konzepte, die historisch gewachsene Städte im großen Stil transformieren und nicht an den Grenzen der Fachdisziplin halt machen sollten. Die Experten bedienten sich interdisziplinärer Ansätze und suchten nach öffentlicher Popularisierung ihrer Arbeit. Ein jüngst erschienener Sammelband fragt vor diesem Hintergrund nach „Kult und Krise des großen Plans“.

Das Buch bietet erstmals einen internationalen Überblick und versammelt historische Pläne, Zeichnungen und Raumbilder aus aller Welt. Im Fokus stehen unter anderem die großen Pläne, die in den letzten 100 Jahren für die Städte Wien, Chicago, Berlin, Rom oder Tallinn erdacht wurden, sowie Blaupausen für Neugründungen wie Canberra, Neu Dehli und Munkkiniemi. Der Band wird am 5. Juli um 19 Uhr im Bücherbogen am Berliner Savignyplatz vorgestellt. Die Herausgeber Harald Bodenschatz und Celina Kress sowie einige der zahlreichen Autoren werden erwartet. (jr, 1.7.17)

Bodenschatz, Harald/Kress, Celina (Hg.): Kult und Krise des großen Plans im Städtebau, Imhof Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-86568-861-3.

Titelmotiv: Buchcover (Imhof Verlag)

2 x Leipzig

In Leipzig setzte sich in den frühen 1960er Jahre der Traum von einer Stadtlandschaft mit großen Freiräumen durch. Typisiertes und industrielles Bauen waren die Instrumente dieser Stadterneuerung von innen. Die Ausstellung „Plan! Leipzig, Architektur Städtebau 1945-1976“ zeigt zum ersten Mal die wechselvolle Baugeschichte der Messestadt in den drei Jahrzehnten nach Kriegsende bis zur Grundsteinlegung des Wohngebietes Leipzig-Grünau im Sommer 1976. Die Vernissage wird am 16. Mai um 18 Uhr begangen. In Anschluss ist die Ausstellung „Plan! Leipzig Architektur und Städtebau 1945-1976“ bis zum 27. August zu sehen im Haus Böttchergäßchen (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig).

Parallel bietet das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig (Böttchergäßchen 3, 04109 Leipzig) einen fotografischen Blick in die Stadtgeschichte: Klaus Liebich, von 1963 bis 1992 Dozent für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, widmete sich in den 1960er Jahren der Dokumentation der noch immer vom Krieg gezeichneten Stadt. Das Besondere an seinen Farbfotografien sind die bewusst gewählten Kontraste zwischen den auch nach fast 20 Jahren immer noch sichtbaren Spuren des Kriegs und dem langsam beginnenden Aufbau. Die Ausstellung „Kontraste. Leipziger Stadtansichten“ wird  noch bis zum 30. Juli 2017 gezeigt. (kb, 14.5.17)

Leipzig, Interpelz, Blick aus der Katharinenstraße über die Ruinen zum Brühl, nach 1966 (Copyright: Klaus Liebich)

Stadtplanung für die Welt?

Stadtplanung für die Welt?

Im vergangenen Jahrhundert entwickelten grenzübergreifende Expertennetzwerke „wissenschaftsbasierte Ordnungskonzepte“, die gesellschaftliche Probleme planerisch lösen sollten. Dabei besaßen solche Zusammenschlüsse keine Sanktionsmittel, um ihre großen Ideen im Kleinen durchzusetzen. Zudem waren diese Netzwerke anfällig für fachliche und politische Konflikte. Doch wie konnten sie trotzdem funktionieren? Welchen Beitrag lieferten sie für die Verbreitung ihrer Konzepte?

In seiner 2016 beim Vandenhoeck-Ruprecht-Verlag veröffentlichen Publikation „Stadtplanung für die Welt“ untersucht der Berliner Historiker Philipp Wagner diese Fragen am Beispiel der International Federation for Housing and Town Planning (IFHTP). War dieser stadtplanerische Zusammenschluss doch das größte moderne Netzwerk seiner Art. Entlang der Aktivitäten des IFHTP legt Wagner dar, dass die Vertreter derartiger Expertenverbände unterschiedliche Internationalisierungspraktiken entwickelten und damit ihre Forderungen zum Allgemeingut machen wollten. Für seine mit diesem Buch vorgelegte Promotion wurde Wagner 2016 mit dem Nachwuchspreis der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung ausgezeichnet. (kb, 5.3.17)

Wagner, Philipp, Stadtplanung für die Welt? Internationales Expertenwissen 1900–1960 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 220), Vandenhoeck-Ruprecht-Verlag, Kornwestheim 2016, gebunden, 400 Seiten, 22 Abbildungen, ISBN: 978-3-525-37044-5.