Die Bundesbank überwintert im Museum

Kein Geringerer als der ungarische Maler und Designer Victor Vasarely gestaltete 1972 gemeinsam mit seinem Sohn Yvaral den repräsentativ genutzten “Speisesaal” im 13. Stock der Frankfurter Bundesbank-Zentrale. Bekannt wurde Vasarely für seine Op-Art-Muster, die in psychodelisch getönten Formen gekonnt Bewegung und Dreidimensionalität vortäuschen. Dem Künstler wird aktuell im Städel Museum Frankfurt eine Ausstellung gewidmet. Sie führt vom langsam abstrakter werdenden Frühwerk über die starkfarbigen Hauptwerke bis hin zum manierierten Spätwerk.

Zu den Höhepunkten von Vasarelys Schaffen zählt seine Arbeit für die Bundesbank. Dem Auftraggeber ging es weniger um stylishe Aufgeregtheit, als vielmehr um gediegene Modernität. So übersetzte Vasarely seine optischen Illusionen in gelb-, braun- und metalltonige Kreise, die an Münzen erinnern mögen. Dass sich dieses Gesamtkunstwerk nun im Museum wiederfindet, ist für alle Seiten ein Glücksfall. Denn aktuell wird der Bau der Bundesbank saniert, da wäre sensible Kunst nur im Weg. Doch der Vasarely soll nach den Bauarbeiten an seinen angestammten Ort zurückkehren. Also nutzen Sie noch bis 13. Januar 2019 die exklusive Gelegenheit, in der Vorhalle der (Finanz-)Macht über Vasarelys Münztricks zu staunen. (kb, 18.10.18)

Victor Vasarely (1906–1997) und Yvaral (1934 – 2002), Speisesaal, 1972, Rauminstallation, Kunstsammlung Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main (Bild: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Wolfgang Günzel)

Lichtbilder

Vor 175 Jahren stellte das Frankfurter Städel erstmals Fotografien aus – und war damit das erste Museum weltweit, das sich an dieser neuen Kunst versuchte. Erst sechs Jahre zuvor, im Jahr 1839, hatte Louis Daguerre (1787-1851) in Paris seine Erfindung der Öffentlichkeit vorgestellt: Durch ein technisch-chemisches Verfahren sollte das Licht nun selbst die Bilder “malen”.

Die Daguerreotypie wurde zum Vorläufer der modernen Fotografie. Diese begründete einen neuen Berufsstand, wurde mit der Jahrhundertwende populär und nach dem Ersten Weltkrieg zum Massensport. Das Frankfurter Städel feiert das eigene Jubiläum bis zum 5. Oktober 2014 mit der Ausstellung “Lichtbilder”. Von den Anfängen bis ins Jahr 1960 werden die wichtigsten Strömungen der europäischen Fotokunst aus den eigenen Beständen vorgestellt. Neben Pionieren wie Nadar, Gustave Le Gray, Roger Fenton und Julia Margaret Cameron werden ebenso Fotokünstler des 20. Jahrhunderts gezeigt: von August Sander über Albert Renger-Patzsch bis zu Man Ray und Dora Maar. (kb, 17.8.14)

Man Ray, 1926 (Foto: Städel Museum – Artothek, Bild: VG Bild-Kunst)