Karlsruhe: Freie Sicht für das „Ettlinger Tor“

Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild (ArKaS) macht sich Sorgen: um das Kulturdenkmal und Stadtbild am Ettlinger Tor. Immerhin geht es mit dem Landratsamt, dem ehem. Badenwerk-Hochhaus (1961-65, Norbert Schmidt/Claus Möckel), um ein elegantes Zeugnis der Internationalen Moderne. Ausgerechnet an diesem städtebaulich sensiblen Standort soll nun verdichtet werden, um neue Bürofläche für die Verwaltung zu schaffen. Als das „Städtebauliche Entwicklungskonzept Ettlinger Tor“ ausgeschrieben wurde, fielen von offizieller Seite noch so schöne Schlagworte wie „baukultureller Mehrwert“. Doch diese Forderung sieht die ArKaS „mit den vorgestellten Planungen nicht erfüllt“, wie sie in einer Pressemeldung erklärt.

Vorgestellt wurden bislang Architektenentwürfe, die teils von einem Abriss des Kulturdenkmals, teils von dessen (Teil-)Erhaltung ausgehen. Doch auch im Fall der Einbindung des Bestands wären Teilabrisse oder massive Veränderungen geplant. Das Problem liegt aus Sicht der ArKaS tiefer: Der Bauherr mache zu großen Zeitdruck und fordere eine überzogene Nutzfläche. Entsprechend würden alle Vorschläge zu dicht ausfallen und damit u. a. zu viel Boden versiegeln. Zudem würden alternative Standorte für einen Neubau gar nicht erst diskutiert. Vor diesem Hintergrund hält die ArKaS an ihrer Forderung fest, das Kulturdenkmal zu erhalten. Jetzt ist erst einmal ein Petitionsausschuss am Zug, sich zu den vorgelegten Architektenentwürfen zu positionieren. (kb, 18.7.20)

Karlsruhe, Badenwerk-Hochhaus (Bild: Gerhard Kabierske)

Im Gespräch: Der Mainzer Ernst-Ludwig-Platz

Lange Zeit wurde der Ernst-Ludwig-Platz vernachlässigt, nun wird er zum Stadtgespräch: Am Donnerstag, den 16. Januar 2020 um 18 Uhr findet im Landesmuseum Mainz eine Gesprächsrunde mit dem Thema „Der Ernst-Ludwig-Platz in Mainz. Ein Freiraum der Nachkriegsmoderne im Spannungsfeld zwischen denkmalpflegerischer Würdigung, städtebaulicher Verdichtung und historisierender Neuschöpfung“ statt. Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz wird mit einem Einführungsvortrag über die Hintergründe des Mainzer Wiederaufbaus informieren und die Entwürfe der beteiligten Planer Egon Hartmann und Ernst May vorstellen. Der Eintritt ist frei.

Den Rahmen für Vortrag und Gesprächsrunde bildet die aktuelle Ausstellung des Landesmuseums über den Architekten Egon Hartmann. Eine sehenswerte Ausstellung, da Hartmann sowohl in der DDR als auch in der BRD wichtige Positionen bekleidete und für die Nachkriegsarchitektur von der Stalinallee in Berlin bis zum Münchener Stadtteil Neuperlach wesentliche Impulse gab. Der breiten Öffentlichkeit blieb er jedoch bisher weitgehend unbekannt. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März 2020 im Landesmuseum Mainz zu sehen. (mk, 15.01.20)

Kreise ziehen

Die Stadt jenseits der Zentren, die Großwohnsiedlungen der 1960er bis 1990er Jahre, bleiben vielen Menschen bis heute merkwürdig fremd. Doch gerade diese Architekturen der Moderne lohnen eine neue Erzählung ihrer Eigen- und Besonderheiten. Sie sind untereinander vergleichbar, wie sie sich als Ring, als Kreise um die Innenstadt legen. Daher blickt das Ausstellungsprojekt „Kreise ziehen 2. Großsiedlungen und die Produktion von Bildern ihrer selbst“ Berlin-Hellersdorf ebenso auf Partnersiedlungen inner- und außerhalb der Hauptstadt.

Im zweiten Teil der Ausstellungsreihe werden die Bildsammlungen französischer Stadtrand-Großsiedlungen des Soziologen Renaud Epstein gezeigt. Seit 2008 macht er sein umfangreiches Archiv historischer Postkartenansichten von französischen Banlieus täglich via Twitter (@renaud_epstein) zugänglich. Ergänzend sind in Berlin-Hellersdorf künstlerische Arbeiten des von Anwohnern und Künstlern geführten Stadtteilforums „Idee 01239“ zu sehen. Das 2006 von Eva Hertzsch und Adam Page gegründete Projekt nahm seinen Anfang in einem ehemaligen Getränkeladen in der Großsiedlung Dresden-Prohlis. Die Ausstellung wird noch bis zum 17. November 2018 präsentiert in der station urbaner kulturen (Auerbacher Ring 41, Eing. Kastanienboulevard, neben Lebenshilfe e. V., 12619 Berlin). (kb, 22.10.18)

Renaud Epstein, Postkarte „Rives du Cher, Tour“ (Bildquelle: Twitter-Account @renaud_epstein)