Zukunft unter goldenen Wolken?

Das wird spannend: Am 19. Mai veröffentlichte das hessische Landesamt für Denkmalpflege ein Gutachten, welches den Denkmalwert zentraler Bauteile der abrissgefährdeten Städtischen Bühnen Frankfurt bestätigt. Diese stehen damit formell unter Denkmalschutz. In der Vergangenheit bestand hierzu bei der Stadt Frankfurt Unklarheit. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sagte im Vorfeld der Abrissentscheidung vom Januar, die Grundlage seiner Arbeit und Entscheidung über das Gebäude basiere auf der Tatsache, dass das Schauspielhaus oder Teile davon nicht unter Denkmalschutz stünden. Dies ist aber nun nicht (mehr) zutreffend. Das Landesdenkmalamt wurde vorab nicht in die Planungen der Stabsstelle Städtische Bühnen einbezogen.

Durch das Gutachten steht nun das beühmte Wolkenfoyer unter Denkmalschutz, eine formelle Eintragung in die Denkmalliste ist nach Paragraph 11 des Hessischen Denkmalgesetzes dafür nicht notwendig. In Hinsicht auf die bislang unterlassene, nun aber erforderliche Kontaktaufnahme äußerte der hessische Landeskonservator Heinz Wionski: „Wir freuen uns darauf, im konstruktiven Miteinander Chancen und Möglichkeiten der Erhaltung und Integration der denkmalwerten Elemente zu erörtern und gemeinsam weitere Schritte zu entwickeln“. Wichtig sei, die geschichtliche Dimension des Standorts sowie das besondere Erhaltungsinteresse am Foyer als Rahmenbedingung in den Planungsprozess einzubringen. Eine Petition gegen den Abriss der Städtischen Bühnen hat inzwischen über 5300 Unterzeichnende. (db, 22.5.20)

Frankfurt, Städtische Bühnen um 1970 (Bild: Dontworry, CC BY-SA 3.0)

Städtische Bühnen: Was kommt?

Die Diskussion übers Für und Wider dauerte lange, die Entscheidung kam aber recht plötzlich: Ende Jauar 2020 wurde verkündet, dass die Städtischen Bühnen in Frankfurt/Main abgerissen werden. Die Sanierungskosten von etwa 860 Millionen Euro für die 1963 fertiggestellte Doppelanlage aus Schauspiel und Oper waren Anlass, nach langer Prüfung einen Neubau zu bevorzugen. Dumm nur, dass von jener Prüfung am Ende nur wenige Details bekannt waren: Den Stadtverordneten lagen wohl nur Presseinformationen und Powerpoint-Folien vor, bevor sie über Erhalt oder Abriss abstimmten. Eine 16-seitige Begründung, die auch Varianten zum Neubau enthält, wurde zehn Tage später nachgereicht.

Der drohende Verlust des deutschlandweit einzigartigen Bühnenensembles, in dem auch die Grundmauern des alten Schauspielhauses von 1902 stecken, hat Widerstand geweckt. Gegen den Abriss wendet sich die Petition „Zur Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main„, die mittlerweile 4300 Unterstützer hat. Initiatoren sind die Professoren Phillip Oswalt, Maren Harnack, Nikolaus Müller-Schöll und Carsten Ruhl. Eine Website informiert über den Stand der Dinge um den Kulturbau, dessen Ende durch die Corona-Krise immerhin aufgeschoben ist. Im Winter sind Veranstaltungen zur künftigen Konzeption eines neuen (alten) Theaters und zum Künstler Zoltán Kemény, der das Wolkenfoyer erschaffen hat, geplant. Kooperationspartner sind Arch+, Werkbund Hessen, Goethe-Universität Frankfurt und Frankfurt University of Applied Sciences (db, 19.4.20)

Frankfurt, Städtische Bühnen (Bild: dontworry, CC BY SA 3.0)

Ein Abriss-Schauspiel

Frankfurt am Main verliert seine deutschlandweit einzigartige Bühnen-Doppelanlage: Die Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz werden abgerissen und neu gebaut. Das hat die Stadtverordnetenversammlung am 30. Januar beschlossen. Eine Mehrheit war der Meinung, dass das Ensemble aus Oper und Schauspiel nicht sinnvoll saniert werden könne. Die zuletzt genannten Kosten von mehr als 800 Millionen Euro sowohl für Sanierung als auch Neubau wurden von der „Stabsstelle Zukunft Städtische Bühnen“ ermittelt, teuerste Variante bleibt dabei die Sanierung. Eine lange geführte Debatte, die zunächst in Richtung Erhalt pendelte, ist damit zu Ende. Der Magistrat muss nun prüfen, unter welchen Bedingungen ein Neubau errichtet werden kann – in Form einer neuen Doppelanlage am gleichen Platz oder in zwei Häusern an getrennten Orten.

Die 1963 fertiggestellten Städtischen Bühnen sind ein Entwurf des Büros ABB, das in den 1960/70er Jahren viele Frankfurt Großbauten schuf. Ihre ikonische Foyer-Fassade mit den Goldwolken des ungarischen Künstlers Zoltán Kemény zählt zu den bekanntesten Ansichten der Stadt. Im Foyer hängt auch das Gemälde „Commedia dell´Arte“ von Marc Chagall, das dieser 1958/59 für den Neubau schuf. Und nicht zuletzt befindet sich im Gesamtensemble auch der Rest des alten Schauspielhauses von 1902, für dessen Wiederaufbau Reko-Fans werben. Die Gemengelage ist entzerrt, der Verlust der maroden Städtischen Bühnen scheint aber unabwendbar. (db, 2.2.20)

Frankfurt, Städtische Bühnen (Bild: Epizentrum, CC BY-SA 3.0)