Herman Hertzberger in der Akademie der Künste

Im Rahmen der Vortragsreihe „On the Duty and the Power of Architecture“ spricht der niederländische Architekt Herman Hertzberger (*1932) am 11. Februar 2020 um 19 Uhr in der Berliner Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin. Anschließend wird Hertzberger von ADK-Mitglied und Publizist Wilfried Wang interviewt. Das Gespräch und der Vortrag finden in englischer Sprache statt. Die Eintrittskarten kosten 6 Euro (regulär) beziehungsweise 4 Euro (ermäßigt).

Nachdem Hertzberger Ende der 1950er Jahre ein eigenes Büro eröffnet hatte, gründete er gemeinsam mit Jacob Berend Bakema und Aldo van Eyck die Architekturzeitschrift Forum. Dadurch wurde er zu einem der zentralen Theoretiker des Strukturalismus. Bekannt wurde er insbesondere mit dem 1972 fertiggestellten Verwaltungsgebäude für den Versicherungskonzern Centraal Beheer in Apeldoorn. Der Bau entstand unter Beteiligung der Angestellten der Versicherung und rückte die Nutzer des Gebäudes damit aktiv in den Mittelpunkt der Planungen. In Berlin entwarf er gemeinsam mit Inken und Hinrich Baller ein Wohngebäude zur IBA 1987. (mk, 1.2.20)

Apeldoorn, Centraal Beheer (Bild: Apdency, CC BY-SA 3.0)

Wer denkt schon an den Brutalismus …

… oder an den Strukturalismus? Zu wenige, meint Bernd Denkinger, zumindest heute. Anfang der 1950er Jahre sah die Situation anders aus: Denn die rasch hingestellten, funktionalistisch geplanten Stadtviertel und Siedlungen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Versprechen der einstigen archtektonischen Avantgarde nicht einlösen. Also musste sich die moderne Architektur neu erfinden. Über die bildende Kunst des frühen 20. Jahrhunderts erschloss sich nun auch der Baukunst eine „primitive“ außerrationale Erfahrung – gebündelt im New Brutalism. Der Strukturalismus hingegen wollte die Philosophie der Zeit in Architektur zu fassen.

Anhand von 150 Abbildungen und Plänen stellt Bernd Denkinger in seinem neuen Buch „Die vergessenen Alternativen“ die Strömungen der Nachkriegsmoderne vor. Dabei berücksichtigt er sowohl die frühen Konzepte des New Brutalism als auch die späteren Raumschöpfungen des Strukturalismus. Zuletzt verknüpft Denkinger die damalige erweiterte Wahrnehmung der physischen Welt mit den heutigen „rationalen“ Ambitionen der Architektur. (kb, 22.5.19)

Barcelona, Casa de la Ciutat (Bild: Enfo, CC BY SA 3.0, 2013)

Denkinger, Bernd, Die vergessenen Alternativen. Strukturalismus und brutalistische Erfahrung in der Architektur, Jovis Verlag, Berlin 2019, Flexocover, 16,5 x 24 cm, 288 Seiten, ca. 150 Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen, ISBN 978-3-86859-551-2.