Schlagwort: Stuttgart

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)

Tipps zum TofD: Dem Himmel entgegen

Sie streben nach Höherem? Haben wir! Hier drei Tipps zum TofD im Süden: Die Pfarrkirche Erscheinung des Herrn (Terofalstraße 66, München-Blumenau) entstand 1970 in der Parkwohnanlage Blumenau nach Plänen des Architekten Günter Eisele. Die an Stahlseilen aufgehängte Holzbalken-Decke lässt den Dachstuhl wie schwebend, wie auf den Kopf gestellt wirken. Am 9. September ist die Kirche von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen werden um 11 und 15 Uhr angeboten (Kontakt: Dr. Kurt Einhellig, kurt.einhellig@online.de). Auch in Nürnberg lohnt ein Besuch: Die Christuskirche (Siemensplatz 2, Nürnberg-Steinbühl) aus dem Jahr 1957 kann – neben einer sehenswerten Architektur – mit bestechend schönen Meistermannfenstern aufwarten. Am 9. September ist die Kirche von 9.30 bis 14.30 Uhr geöffnet (Torben Schultes, Diakon, 0911 446200), es gibt Kaffee und Kuchen!

Ganz wörtlich erhebend ist unser letzter Tipp: Die Standseilbahn (Böblinger Straße 237, Seilbahnstraße, Südheimer Platz, Stuttgart) in Stuttgart-Heslach wurde 1929 von der Maschinenfabrik Esslingen erbaut. Kubische Wagen aus Teakholz und Mahagoni machen die Anlage ebenso zum Highlight wie die ästhetisch behutsam eingepasste Streckenführung. Die Öffnungszeiten am 9. September liegen zwischen 9 und 17.50 Uhr, Tickets sind in der Tal- und Bergstation erhältlich. Führungen werden um 10, 10.45, 11.30, 12.15, 13.30, 14.15, 15, 15.45 und 16.30 Uhr angeboten. Für die Technikführungen in den Maschinenraum ist eine Voranmeldung nötig unter: 0711 78857713 (Kontakt: Hans-Joachim Knupfer, Pressestelle, Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), 0711 78852686, presse@ssb-ag.de). (kb, 1.9.18)

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)
Scharoun, Hochhäuser Romeo und Julia, Stuttgart (Bild: pjt, CC by SA 3.0)

Stuttgart: 130 Jahre Häuslebau

Schaffe, schaffe, Häusle baue – dass dieses schwäbische Motto kein reines Klischee ist und durchaus mit guter Architektur vwerbunden werden kann, zeigt die jüngst erschienene Monografie „WohnOrte²“. Das Buch versammelt 90 Projekte aus 130 Jahren Wohnbaugeschichte in Stuttgart. Es knüpft damit an den 2002 / 2004 erschienenen Vorgänger „WohnOrte“ an. Anlass für die Fortsetzung sind  das 90-jährige Jubiläum der Weißenhofsiedlung im Jahr 2017, die Aufnahme von Le Corbusiers Beitrag in die Welterbe-Liste der UNESCO 2016 sowie die Überlegungen zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadt-Region Stuttgart, die für das Jahr 2027 geplant ist.

Prominentester Vertreter des Stuttgarter Wohnungsbaus ist natürlich die legendäre Weißenhofsiedlung, die auch das Cover des Buches ziert. 1927 realisierten hier Architekten aus aller Welt Prototypen für den Wohnungsbau der Zukunft realisierten. Doch auch andere Projekte zeugen von der Vielseitigkeit der Stuttgarter Wohnarchitektur, so zum Beispiel das Eisenbahnerdörfle, die Wohntürme Romeo und Julia von Hans Scharoun oder die Fasanenhofsiedlung. (jr, 27.8.18)

Simon-Philipp, Christina (Hg.), WohnOrte². 90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890 bis 2017. Entwicklungen und Perspektiven, Karl Krämer Verlag Stuttgart 2017, ISBN 978-3-7828-1325-9.

Scharoun, Hochhäuser Romeo und Julia, Stuttgart (Bild: pjt, CC BY SA 3.0)

Hagen von Ortloff (Bild: Liesel, CC BY SA 4.0, 2010)

Hagen von Ortloff kommt nach Stuttgart

Ja, die märklinMODERNE-Vernissage in Stuttgart am 11. Juli liegt kurz vor einem WM-Halbfinalspiel. Aber, Sie können beides haben: Um 19 Uhr geht es los mit der Ausstellungseröffnung in der architekturgalerie am weißenhof (der Auftakt findet statt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Am Weißenhof 1, Stuttgart). Es spricht Hagen von Ortloff, lange Jahre Moderator der SWR-Kultsendung „Eisenbahn-Romantik“. Zudem arbeitete er als Sportjournalist. Für alle Fans des „rollenden Materials“ bieten wir ab 20 Uhr im Hinterzimmer einen kleinen Fußball-Bildschirm. In den Vorderzimmern können Sie ungestört durch die Ausstellung stöbern. (db/kb, 9.7.18)

 

Begleitprogramm

11. Juli 2018, ab 19 Uhr: Vernissage, Auftakt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Am Weißenhof 1, Stuttgart).

22. Juli 2018, 14.30 bis 17.30 Uhr: „Basteln mit Bartetzko“ in der architekturgalerie am weißenhof in Stuttgart zum Sommerfest am Killesberg.

11. August 2018, 16 bis 17 Uhr: Filmpremiere von „märklinMODERNE“, von Otto Schweitzer und C. Julius Reinsberg im Deutschen Filmmuseum (Schaumainkai 41, Frankfurt).

7. September 2018: Tagesfahrt zur Wiege des Modellbaus, Gütenbach im Schwarzwald, Voranmeldung (bis 10. August): k.berkemann@moderne-regional.de, Unkostenbeitrag 60 € (ab Frankfurt)/50 € (ab Stuttgart).

22. September 2018, 20 bis 21 Uhr: Lesung „Der Superbastler“ – Lebenshilfe aus Modellbau-Magazinen der Wirtschaftswunderzeit in „Buch & Spiel“ in St. Stefan (Rotenwaldstraße 98, Stuttgart), einer profanierten brutalischen Kirche von 1976.

Hagen von Ortloff (Bild: Liesel, CC BY SA 4.0)

Kaiserslautern, Rathaus (Bild: E. K., CC BY SA 3.0)

Roland Ostertag verstorben

Am 11. Mai verstarb ein Architekt, den Worte wie „engagiert“ oder „rührig“ nur unzureichend beschreiben würden: Roland Ostertag, geboren am 19. Februar 1931 in Ludwigsburg, war eng mit Stuttgart verbunden. Hier hatte er bis 1956 an der TH studiert und bis 1957 bei Curt Siegel und Jürgen Joedicke gearbeitet, hier hatte er sich anschließend als Architekt selbständig gemacht. 1970 wechselte Ostertag an die TU Braunschweig, wo er bis 1998 als Ordinarius für Gebäudelehre und Entwerfen wirkte.

Neben Wohnbauten, machte er sich vor allem mit öffentlichen Projekten einen Namen. Zu seinen Hauptwerken zählen die Rathäuser in Kaiserslautern, Laupheim und Bad Friedrichshall. Von 1993 bis 1996 stand Ostertag als Präsident der Bundesarchitektenkammer vor, des Weiteren lehrte er als Gastprofessor an der TU Wien und wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse geehrt. Bis zuletzt hatte er sich (nicht nur) in Stuttgart in die städtebauliche Diskussion eingebracht, u. a. deutlich gegen Stuttgart 21 votiert. Roland Ostertag starb im Alter von 87 in Stuttgart. (kb, 15.5.18)

Kaiserslautern, Rathaus (Bild: E. K., CC BY SA 3.0)

Die Architekten Böhm am Modell der Wallfahrtskirche von Neviges. Gottfried Böhm mit seinen Söhnen Stephan, Paul und Peter Böhm (Foto: Jan Klein)

„Die Böhms“ gehen

Denken Sie jetzt nichts Falsches – die zweite und dritte Generation der großen Kölner Kirchbau-Dynastie sind wohlauf. Nur mit ihrer virtuellen Anwesenheit in Stuttgart ist bald Schluss. Noch bis zum 15. April 2018 ist die Ausstellung „DIe Böhms“ noch in der dortigen architekturgalerie am weißenhof zu sehen. Die Präsentation widmet sich den Architekten Dominikus Böhm, seinem Sohn Gottfried Böhm und dessen Söhnen Stephan, Peter und Paul Böhm. Ausgewählte Beispiele – Handzeichnungen und Fotografien – veranschaulichen ebenso die Gemeinsamkeit in der Familientradition wie die Eigenständigkeit der einzelnen Persönlichkeiten und ihrer Architektur.

Die Bauten der Böhms wurden zu Beginn häufig in Beton, später in Stahl und Glas ausgeführt – alle wirken sie wie begehbare Skulpturen. In der Fachliteratur werden dafür gerne Begriffe wie Expressionismus oder Brutalismus bemüht. Wolfgang Pehnt spricht vom „Böhm-Touch“ geprägt. Stephan Böhm selbst sieht das Typische der drei Generationen darin, „dass sie alle etwas neben der allgemeinen Architekturrichtung (Mainstream) liefen. Und das war nicht gewollt oder gar erzwungen, es hatte sich einfach so ergeben.“ Die Finissage zur Ausstellung findet am 15. April um 16 Uhr in der architekturgalerie am weißenhof (Am Weißenhof 30, 70191 Stuttgart) statt. (kb, 26.3.18)

Die Architektendynastie – Gottfried Böhm mit seinen Söhnen Stephan, Paul und Peter Böh m- am Modell der Wallfahrtskirche von Neviges (Foto: Jan Klein)

Theodor Fischer (Bild Wasmuth Verlag)

Ein neues Buch zu Theodor Fischer

Er gilt als Wegbereiter der Moderne und zeichnete für die Ausbildung diverser bedeutender Architekten des 20. Jahrhunderts verantwortlich: Theodor Fischer. Dennoch hat die kunsthistorische Forschung den Baumeister, Theoretiker und Hochschullehrer bislang nur selten berücksichtigt. In diese Lücke stößt eine neue Monografie von Rose Hajdu und Dietrich Heißenbüttel hinein. Sie nimmt Fischers Stuttgarter Bauten in den Blick, die eine zentrale Werksphase des Architekten darstellen.

Fischer folgte 1901 einem Ruf an die Technische Hochschule in Stuttgart, wo er als Professor für Bauentwürfe und Städtebau Maßstäbe setzte. Hier und an seiner zweiten Wirkstätte München war er Mentor von Architekten wie Ernst May, Bruno Taut, Ferdinand Kramer, Paul Bonatz oder Erich Mendelsohn. Seine Bauten distanzieren sich von den überladenen Formen des Historismus und präferierten einen gemäßigt modernen Stil. Der  Band porträtiert dies anhand des Stuttgarter Beispiels und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur überfälligen wissenschaftlichen Revision des Architekten. Es bleibt zu hoffen, das weitere entsprechende Literatur folgen wird. (jr, 2.3.18)

Hajdu, Rose, Heißenbüttel, Dietrich, Theodor Fischer. Architektur der Stuttgarter Jahre, Wasmuth Verlag, Tübingen 2018, ISBN 978 3 8030 0795 7.

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)

„Buchladen mit sakralem Charakter“

Die „Buchreligion“ Christentum geht in Stuttgart dieser Tage einen fast konsequent erscheinenden Schritt: Aus der 1976 eingeweihten Kirche St. Stefan soll ein Buchladen  werden. Am 30. Dezember 2017 erfolgte bereits die Profanierung, so dass jetzt der Weg frei ist für die neue, nicht-liturgische Nutzung. Altar, Ambo und Tabernakel verbleiben im brutalisischen Kirchenraum, schon im März diesen Jahres soll hier „Buch und Spiel“ eröffnet werden. Die neue Nutzerin strebt eine enge Zusammenarbeit mit dem angrenzenden katholischen Kinderhaus und Familienzentrum St. Stefan an – und versteht ihren künftigen Laden als eine Art Begegnungsviertel im Stadtteil.

Der Umbau von St. Stefan ist Teil einer größeren Umstrukturierung in Stuttgart. Das Spektrum der davon betroffenen modernen Gottesdiensträume reicht von der Notkirche der evangelischen Paulusgemeinde (1949, übergeben 1973 an die griechisch-orthodoxe Gemeinde) über die katholische Kirche St. Johannes Vianney (1962, Abriss geplant für Kirchenneubau mit Gemeindezentrum und Seniorenwohnungen) bis zur katholischen Kirche St. Peter in Bad Cannstatt (1972, abgerissen 2016 für neues Gemeindezentrum). Gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte der katholische Dekan Christian Hermes: „Wir haben angesichts der demografischen Entwicklung vor sieben Jahren damit begonnen, in großer solidarischer Gemeinschaft alle kirchlichen Standorte zu begutachten und zu bewerten“. Mit der Initiative „Aufbrechen“ untersuche man 20 kirchliche Standorte. (kb, 11.11.18)

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild: Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)

 

Esslingen, Moschee im Bau, 2009 (Bild: Sarang, gemeinfrei)

Moscheen im Ländle

Dem nachkriegsmodernen Kirchenbau und seinen Protagonisten widmeten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen und Ausstellungen und auch die Architektur der Synagoge ist kein Nischenthema mehr. Wie steht es aber mit den islamischen Gotteshäusern, die nach 1945 in Deutschland erbaut wurden? Die Ausstellung „Schwäbische Moscheen“ widmet sich diesem Themenkomplex und nimmt speziell Stuttgart und die umliegende Region in den Blick. Sie ist bis zum 18. Januar 2018 im Foyer der UB Stadtmitte (Holzgartenstraße 16, 70174 Stuttgart) zu sehen.

Baden-Württemberg und insbesondere Stuttgart wurden in den wirtschaftlichen Hochzeiten der Bundesrepublik zum Ziel zahlreicher türkischer „Gastarbeiter“, die sich einen wirtschaftlichen Aufstieg versprachen und oftmals dauerhaft in Deutschland blieben. Moschee-Bauten versprechen als öffentlich sichtbare religiöse und kulturelle Standorte Aufschlus über Integration und gesellschaftliches Selbstverständnis. In Schwaben reicht das Spektrum von den allbekannten „Hinterhofmoscheen“ über großzügig umgebaute Gewerbeimmobilien bis zu spektakulären Neubauplanungen. Die Ausstellung versammelt Foschungsergebnisse von Architekturstudenten der Universität Stuttgart, begleitend ist ein von Ulrich Knufinke herausgegebener Sammelband erschienen. (jr, 10.1.18)

Knufinke, Ulrich, Schwäbische Moscheen. Mit Beiträgen von Levent Günes, Klaus Jan Philipp und Katharina Philana Rindtorff, Imhof-Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-7319-0643-8 .

Titelmotiv: Esslingen, Moschee im Bau, 2009 (Bild: Sarang, gemeinfrei)

München, Olympisches Dorf (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

TofD im Süden: Wohnen und/oder Arbeiten?

Einst Flugplatz, dann Sportler-Quartier der Olympiade 1972, seit 1973 Wohnstätte für ca. 8.000 Menschen im Olympiapark: Das Olympische Dorf (Helene-Mayer-Ring 7A, 80809 München Milbertshofen/Am Hart) steht seit 1998 unter Denkmalschutz. Als visionäre Verbindung von Privat-, Gemeinschafts-, Arbeits- und Erholungsberiechen werden hier der Auto- und Fußgängerverkehr programmatisch getrennt. Zum „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) zeigt der der Kulturverein Forum2 einige Archivfilme zum Bau des Olympiastadions und des Olympischen Dorfs. Führungen erfolgen um 11 und 14 Uhr durch Architekten und Einwohner, die Kurzfilme (Dauer je ca. eine Stunde) werden um 13 und 16 Uhr im Kulturverein forum2 gezeigt (Kontakt: Manuela Feese-Zolotnitski, Tel.: 089 524589, feese@eig-olympiadorf.de; Tatjana Eckerlein, teckerle@gmx.de).

Auch Stuttgarter GEDOK-Haus (Hölderlinstraße 17, 70174 Stuttgart) verbindet zeichenhaft Arbeiten und Wohnen unter einem Dach: 1954 plante die Architektin Grit Bauer-Revellio den Bau für die Künstlervereinigung GEDOK als Wohn- und Atelierhaus mit Veranstaltungssaal. 1959 erfolgte ein Erweiterungsbau mit Ballettsaal, im gleichen Jahr zeichnete die Stadt das Haus der Künstlergemeinschaft mit dem Paul-Bonatz-Preis aus. Seit 1992 Kulturdenkmal von besonderem Rang, wurde der Bau bis 2015 aufwendig und denkmalgerecht saniert. Am 10. September 2017 ist das GEDOK-Haus von 13 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen erfolgen nach Bedarf durch Christiane von Seebach, parallel ist in der GEDOK-Galerie eine Kunstausstellung zu sehen (Kontakt: GEDOK Stuttgart e. V., 0711/297812, gedok@gedok-stuttgart.de). (kb, 27.8.17)

München, Olympisches Dorf (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

Matthias Matzak: das neue frankfurt (Bild: Wasmuth Verlag)

Stuttgart am Main

In der Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart treffen derzeit zwei Spielarten des Wohnungs- und Städtebaus aufeinander. Die Ausstellung „Soziale Stadt im Bild“ stellt aktuellen  Aufnahmen des baulichen Erbes des Neuen Frankfurt historische Bilder des Stuttgarter Nachkriegswohnungsbaus gegenüber. Während die in den 1920er Jahren erbauten Siedlungen der Mainmetropole den Idealen der Gartenstadt verpflichtet sind, zeigen ihre schwäbischen Verwandten das Planungsparadigma der Großwohnsiedlungen der Bundesrepublik auf. Die Schau wirft mit dieser Gegenüberstellung Fragen nach der sozialen Stadt und ihrer Vermittlung auf.

Kern der Ausstellung sind Bilder des Fotografen Matthias Matzak. Seit 2008 widmet er sich dem Neuen Frankfurt und porträtiert dessen Bauten und Planungen. Das umfangreiche Bildarchiv als thematisch sortierter Onlinekatalog im Internet verfügbar. 2014 erschien seine Arbeit erstmals gebündelt in Form eines Bildbandes, der eine Fotoausstellung Matzaks im Deutschen Architekturmuseum flankierte. Die Ausstellung in der Weißenhofgalerie ist noch bis zum 1. Oktober 2017 zu sehen. (jr, 25.7.17)

Der Neckarsteg ist jetzt weg

Stuttgart, Neckarsteg 2015 (Bild: ChrisStuggi, gemeinfrei)
Es war einmal: der 1976/77 errichtete Neckarsteg im Jahr 2015 (Bild: ChrisStuggi, gemeinfrei)

Wenn derzeit in Stuttgart ein Gebäude abgerissen wird, so kann man fast sicher davon ausgehen, dass es im Zusammenhang mit dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 geschieht. Nun werden auch die letzten Reste der Bad Cannstädter Fußgängerbrücke über den Neckar abgebaut. Der „Neckarsteg“ wurde 1976/77 zur Bundesgartenschau errichtet und war seinerzeit die neuntlängste überdachte Holzbrücke weltweit. Ursprünglich war hier eine Stahlkonstruktion geplant, aus Kostengründen entschied man sich schließlich für den Baustoff Holz. Geplant wurde der Steg von Dieter Sengler, ehemals Professor der Hochschule für Technik Stuttgart.

Bereits im Juni wurde das größere Teilstück der Brücke entfernt, nun ist auch der letzte Teil des einstmals knapp 160 Meter langen Bauwerks verschwunden. Und Fußgänger müssen einen ordentlichen Umweg in Kauf nehmen, um von Bad Cannstadt zum Rosensteinpark zu gelangen: Erst 2018/19 soll die weiter nördlich geplante neue Eisenbahnbrücke fertig sein, die im „Untergeschoss“ einen Fußgängerbereich bietet. Unter Denkmalschutz stand das außergewöhnliche Brückenbauwerk übrigens nie, doch dieses Kriterium mag man im Zusammenhang mit Stuttgart 21 ohnehin getrost als untergeordnet ansehen …(db, 3.12.16)

Local Heroes

Stuttgart, Vogelsangschule, Günther Behnisch, 1961 (Copyright: Gottfried Planck/saai)
Einer der vielen stadtprägenden modernen Bauten: Stuttgart, Vogelsangschule, Günther Behnisch, 1961 (Copyright: Gottfried Planck/saai)

Immer wieder sind es einzelne Architektenpersönlichkeiten, die der modernen Architektur wichtige Impulse geben oder gar zu Leitbildern wurden. In Stuttgart prägten seit Beginn des 20. Jahrhunderts Architekten der „Stuttgarter Schule“ mit ihren ebenso innovativen wie traditionsbewussten Gebäuden nicht nur das Stadtbild, sondern als Hochschullehrer auch Generationen von Architektur-Absolventen. Diese Tradition wurde nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt. Genau diese prägenden Bauten und Persönlichkeiten hat sich die neue Ausstellung „Local Heroes“ in der Stuttgarter Weißenhof Galerie vorgenommen. Man will Bauwerke in den Mittelpunkt stellen, die im Alltag manchmal wenig beachtet werden und doch essentiell sind für das Bild der Stadt. Bekannte, aber auch in Vergessenheit geratene, in jedem Fall jedoch für Stuttgart prägende Architekten werden wieder ins Gedächtnis gerufen.

Damit werden zugleich Fragen aufgeworfen wie: Wie gehen wir mit dem Bestand um? Wie beurteilen wir den Wert und die Erhaltungswürdigkeit eines Bauwerks? Die Inhalte der Ausstellung wurden von Master-Studierenden der Fakultät Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart recherchiert. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Dezember 2016 in der Architekturgalerie am Weißenhof (Am Weißenhof 30, 70191 Stuttgart) zu sehen. (kb, 24.10.16)