Welterbe kompakt: Le Corbusier

Was haben der Speyerer Dom, die Essener Zeche Zollverein und das Doppelhaus von Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gemeinsam? mR-Lesende kombinieren schnell: Es geht selbstverständlich um die Einstufung als UNESCO-Welterbestätte. Ein kürzlich im Verlag avedition erschienener Sammelband präsentiert nun erstmals die 17 Bauten Le Corbusiers, die 2016 als Denkmäler in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden.

Die Publikation gliedert sich in einen Textteil und einen Katalogteil. Während im Katalogteil die einzelnen Gebäude mit umfangreicher Bebilderung vorgestellt werden, kommen im Textteil Experten verschiedener Disziplinen zu Wort, die sich auch mit der Gegenwart und Zukunft der Wohnmaschinen auseinandersetzen. So schlägt ein Beitrag die Brücke zwischen der Weißenhofsiedlung und der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart. Außerdem geht es um den langen Prozess bis zum Welterbe und um einen möglichen Kandidaten für eine Erweiterung der Welterbestätte. (mk, 22.2.20)

Gschwind, Friedemann (Hg.), Le Corbusier. Sein internationales Werk im Welterbe der UNESCO, Stuttgart 2020, avedition Verlag, 144 Seiten, Hardcover, ca. 150 Abbildungen, ISBN 978-3-89986-317-8.

Poissy, Villa Savoye (Bild: LStrike, CC BY-SA 3.0)

Wegbereiter des Weißenhofs

Kennen Sie Richard Herre? In einer gerechten Welt wäre er sehr bekannt, doch es geht ja nicht gerecht zu, und er ist nur noch in Fachkreisen ein Begriff. Dabei war der Großvater des Musikers Max Herre Teil jenes Kollektivs von Stadtplanern, Designern und Architekten, die die Stuttgarter Weißenhofsiedlung 1927 mitgestaltet hatten. Doch nur wer baut, dessen Nachruhm hat Bestand. Der 1959 verstorbene Stuttgarter war aber in erster Linie Möbeldesigner, Typograph und Theoretiker: Einige der Schriften Le Corbusiers übersetzte er ins Deutsche. Sein wichtigstes Zeugnis, die Innengestaltung des von Max Taut entworfenen Haus 24 der Weißenhofsiedlung, existiert heute nicht mehr.

Das Multitalent Richard Herre wieder ins allgemeine Bewusstsein zu rücken, hat sich nun die Ausstellung Richard Herre 1885-1959 im StadtPalais Stuttgart vorgenommen (bis 1.3.20). Zugleich wird ein Stück Familiengeschichte dokumentiert: Im Vorfeld der Schau hat sich sein Sohn Frank Herre, selbst Architekt, zusammen mit Max Herre auf die Suche begeben, was vom interdisziplinären Werk des Wegbereiters des Neuen Bauen im Südwesten übrig geblieben ist. Kuratorin der Ausstellung ist Dr. Edith Neumann, stellvertretende Direktorin des StadtPalais. Das Frankfurter Designbüro e15 hat übrigens einige Entwürfe Richard Herres ins Lieferprogramm aufgenommen – ein Comeback nach über 50 Jahren. Vielleicht ein Tipp für Weihnachten? (db, 9.12.19)

Stuhl Stuttgart von Richard Herre (Bild: e15, Frankfurt/Main)

Ein halbes Jahrhundert Hugo-Häring-Landespreise

38 aus (über) 100 – bereits seit einem halben Jahrhundert verleiht der Bund Deutscher Architekten (BDA) Baden-Württemberg den Hugo-Häring-Preis. In einem zweistufigen Verfahren geht die Auszeichnung – heute im dreijährigen Abstand – jeweils an Architekt und Bauherr für das gemeinsame Werk. Unter den Preisträgern finden sich seit 1969 solche Schmuckstücke wie das Evangelische Gemeindezentrum Mannheim-Pfingstberg (Carlfried Mutschler), das Zentrum Mannheim-Vogelstang (Helmut Striffler), das Universitätsbauamt Ulm (Hans-Walter Henrich), das Deutsche Literaturarchiv Marbach (Jörg und Elisabeth Kiefner und Wolfgang Lauber) oder die Mensa der Universität Stuttgart (Atelier 5) – um nur einige wenige zu nennen.

Daher hat der BDA Baden-Württemberg 38 Preisträger der vergangenen 50 Jahre ausgewählt und in eine Ausstellung gepackt. Zu sehen gibt es die vergleichenden Fotografien von Wilfried Dechau und zu lesen die Würdigungen von 14 renommierten Architekturkritikern – alle mit Blick darauf, was die Objekte für unsere heutigen Fragestellungen austragen können. Noch bis zum 24. Januar 2020 gibt es im „Wechselraum“ in Stuttgart (BDA Baden -Württemberg, Zeppelin Carré, Friedrichstraße 5, 70174 Stuttgart) eben jene Ausstellung „Zweiter Blick. Ein halbes Jahrhundert Hugo-Häring-Landespreise“ zu sehen. Begleitend erscheint im Karl-Krämer-Verlag ein gleichnamiges Buch. (kb, 16.11.19).

Zweiter Blick. Ein halbes Jahrhundert Hugo-Häring-Landespreise. 1969-2019, hg. vom BDA Baden-Württemberg, Karl-Krämer-Verlag, Stuttgart 2019, 144  Seiten, 21,5 x 23,5 cm, ISBN: 978-3-7828-4059-0.

Mannheim-Vogelstang (Bild: Sandstorm, CC BY SA 3.0, 2008)