Kämpfer für den Bahnhof: Peter Dübbers ist gestorben

Vergangenen Karfreitag ist in Stuttgart der Architekt Peter Dübbers im Alter von 81 Jahren verstorben. Zuletzt machte er vor allem als engagierter Akteur in der langzeitigen Diskussion rund um das Großprojekt Stuttgart 21 von sich reden. Sein Streben galt dem möglichst vollständigen Erhalt des historischen Bahnhofsgebäudes. Mit ausschlaggebend dafür war sicherlich der biografische Hintergrund. Dübbers stammte aus einer Architektendynastie. Sein Großvater war niemand geringeres als Paul Bonatz, der einst den mächtigen Bahnhof plante und als einer der einflussreichsten Lehrer seiner Zeit wirkte. Der Vater, Kurt Dübbers, war langjähriger Professor und Zeitweise Rektor der TU Berlin, deren Hauptgebäude nach seinem Entwurf entstand.

Als sich die Auseinandersetzung um S21 zu nationaler Aufmerksamkeit gelangte, zog Dübbers mit einer Urheberrechtsklage vor Gericht. Die Flügelstutzung des alten Bahnhofes sollte so unterbunden werden. Am Ende siegte die Deutsche Bahn, die mit Regressforderungen auftrumpfte. Trotz alledem setzte sich Dübbers weiter beherzt für die Sache ein, lancierte sogar mehrere Verbesserungsvorschläge. Man täte ihm Unrecht mit dem Begriff des Wutbürgers, welcher untrennbar mit dem S21-Widerstand verbunden wird. Er galt Wegbegleitern eher als zurückhaltender Zeitgenosse. Das änderte nichts an seinem entschiedenen Eintreten für das Vermächtnis seines Großvaters. (jm, 24.4.20)

Stuttgart, Hauptbahnhof (Bild: historische Postkarte/Roger W., CC BY SA 2.0, via flickr.com, 1965)

Stuttgart reißt ab … immer noch

Dass die baden-württembergische Landeshauptstadt nicht gerade behutsam mit ihrem baulichen Erbe umgeht, ist spätestens seit den Diskussionen um den Hauptbahnhof hinlänglich bekannt. Davon sind auch die Kirchen nicht ausgenommen. Aktuell wird in Stuttgart-Mönchfeld die Kirche St. Johannes Vianney (1962, Hans-Werner Merkle) niedergelegt. Die brutalistische Kirche St. Stefan (1976) hat seit 2018 eine neue Bestimmung gefunden – als Buchladen mit kultureller Beinutzung. Bereits 2014 hatte das katholische Stadtdekanat, wie die Stuttgarter Nachrichten aufführen, eine Rangliste ihrer Bauten erstellt. Demnach sollen 13 von 54 Kirchen „weiterentwickelt“ werden.

Einige katholische Kirchen wurden an andere Glaubensgemeinschaften abgegeben (St. Bonifatius, 1935; St. Albert, 1967), andere sind bereits niedergelegt (St. Ulrich, 1966; St. Vinzenz Pallotti, 1966; St. Peter, 1972), weitere könnten bald ihr Schicksal teilen (Mariä Verkündigung, 1970; Christus-Erlöser-Kirche, 1971). Auf evangelischer Seite sieht es nicht weniger bewegt aus: Die methodistische Sophien-/Auferstehungskirche (1879) wurde noch 2013 abgerissen – für ein Einkaufszentrum. Auf landeskirchlicher Seite sind z. B. die Luther- (1983) und Föhrichkirche (1930) bereits vermietet und sollen verkauft werden. Nicht zuletzt sucht man für die begnadet brutalistische Nikodemuskirche (1967) in Bottnang seit Jahren nach einer neuen Nutzung. (kb, 18.4.20)

Stuttgart-Mönchfeld, St. Johannes Vianney (Bilder: Titelmotiv: Martin Schall, you-are.here.com, unten: Ursula und Helmut Wiedemann, kleinekirchen.de)

Stuttgart-Botnang, Nikodemuskirche, 2008 (Bild: Bear62, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Stuttgart-Botnang, Nikodemuskirche, 2008 (Bild: Bear62, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)

Weißenhof mit Gütesiegel

Die Europäische Kommission hat den Werkbund-Siedlungen das Europäische Kulturerbe-Siegel verliehen. Entstanden sind diese Siedlungen zwischen 1927 und 1932 in den heutigen Staaten Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien. Damit erhält folgerichtig auch die Stuttgarter Weissenhofsiedlung das Siegel – nachdem 2016 bereits die dortigen Häuser von Le Corbusier ins Unesco-Wetkulturerbe aufgenommen wurden. Die Werkbundsiedlungen stünden „für damals entwickelte neue Wohnkonzepte und sind Ausdruck einer hellen, reformorientierten Moderne. Sie haben wesentliche Impulse für die Architekturentwicklung im 20. Jahrhundert gegeben“, sagte die Baden-Württembergische Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) nach der Bekanntgabe am 1. April.

Neben Stuttgart finden sich in Brno (Brünn), Wroclaw (Breslau), Zürich, Wien und Prag nun ausgezeichnete Bauten. Als Initialzündung gilt indes die Stutgarter Anlage, die unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe entstand und für die unter anderem Peter Behrens, Walter Gropius, Max und Bruno Taut sowie Hans Scharoun Gebäude beisteuerten. Die Weissenhofsiedlung umfasste ursprünglich 21 Häuser, 11 sind erhalten. Im Doppelhaus Le Corbusier/ Pierre Jeanneret befindet sich heute das Weißenhofmuseum, das Haus von Peter Behrens beherbergt die Architekturgalerie am Weißenhof. Im Ländle herrscht nun zurecht eitel Sonnenschein: „Stuttgart untermauert damit seinen hohen Stellenwert bei der Architektur der Moderne“, sagte OB Fritz Kuhn (Grüne) zur Auszeichnung. (db, 3.4.20)

Stuttgart, Weißenhof-Siedlung, Haus Le Corbusier/Pierre Jeanneret (Bild: Andreas Praefcke, CC BY 3.0)