Lasst uns den Abriss feiern!

Die Initiative City-Hof lädt zum „Abend des abgetragenen Denkmals“: Zum „Tag des offenen Denkmals“ sind alle Hamburger herzlich willkommen, gemeinsam  am 13. September ab 18 Uhr mit dem Abriss des City-Hofes zu beginnen. Dabei ist jedes Mittel willkommen, ob Bagger oder Brecheisen. Die besten Ansätze werden dokumentiert und prämiert. Zudem werden Vorschläge gesammelt, welche Hamburger Denkmäler als nächstes abgerissen werden sollen.

Der Senat hat in der vergangenen Woche entschieden, dass der City-Hof einem Neubau weichen muss. Die Initiative Cityhof möchte daher keine weitere Zeit damit vergeuden, dieses wichtige Zeugnis der Hamburger Nachkriegsmoderne zu bewahren. Stattdessen gehe man nun ebenso offensiv wie dekonstruktiv an die Sache heran. Als Programm wird angekündigt: Präsentation des Sanierungskonzepts, Speakers‘ Corner, Abrissfest – „für das leibliche Wohl ist gesorgt“. Und die Daten nochmal zum Notieren: Sonntag, 13. September ab 18 Uhr, City-Hof, Klosterwall 2-8, 20095 Hamburg. (kb, 9.9.15)

Prophetisch? Der Hamburger Cityhof im Jahr 1958 (Bild: Herbert Wedemeyer)

TofD in Hamburg: Bunker/Bürotürme

Hamburg verspricht zum Tag des offenen Denkmals nicht nur eine erfrischende Brise, sondern auch viel zur elegante hanseatische Moderne. Drei davon haben wir als Vorschläge herausgesucht: Zunächst geht es Übersee, genauer gesagt zum Überseering 12. Die City Nord (Treffpunkt: vor dem Haupteingang des Vattenfall-Hauses, 22297 Hamburg Nord) ist bekannt für ihre nachkriegsmodernen Bürohaus-Solitäre von namhaften Architekturbüros der 1960/70er Jahre. Die Aktion beginnt am 13. September um 15 Uhr und dauert zwei Stunden. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl, ist eine Anmeldung erforderlich (Sylvia Soggia, GIG City Nord GmbH, 040/6907563, soggia@city-nord.net).

Nur zum TofD zugänglich: die Bunker am Tonnenhafen Wedel (Deichstraße 7-9, 22880 Wedel). Einer von ihnen diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker, der andere wurde in den 1970er Jahren als Atombunker erbaut. Am 13. September werden beide zwischen 11 und 15 Uhr geöffnet, Führungen gibt es nach Voranmeldung(Jens Dahm, Vorsitzender der Hamburger Unterwelten e. V., 0176/50459511, j.dahm@hamburgerunterwelten.deSören Kempe, 2. Vorsitzender der Hamburger Unterwelten e. V., s.kempe@hamburgerunterwelten.de). Die Cityhof-Häuser (Klosterwall 2-8, 20095 Hamburg Mitte, Altstadt) wurden 1956-58 unter Federführung des Architekten Rudolf Klophaus erbaut. Eine Initiative engagiert sich aktuell für den Erhalt des Hochhaus-Ensembles. Am 12. und 13. September wird jeweils um 15 Uhr eine Führung angeboten (Treffpunkt: Arno-Schmidt-Platz, Anmeldung bis 10.9. erforderlich an: Initiative City-Hof, E-Mail: fuehrungen@city-hof.org). Und allgemeine Informationen zu allen Veranstaltungen gibt natürlich wie immer auf der offiziellen TofD-Homepage. (kb, 28.8.15)

Viel nachkriegsmoderne Qualität auf engstem Raum: die City Nord (Bild: Staro1, GFDL oder CC BY SA 3.0)

TofD-Tour: Griff nach den Sternen 2

Wenige gebaute Relikte der NS-Zeit sind schwieriger handzuhaben als die ehemalige  Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Dieser Ort ist nicht weniger als die Wiege der Raumfahrt: In dem 1936 eröffneten Technologiezentrum erforschten Wernher von Braun und Walter Dornberger mit ihrem Team die Raketentechnik – die die Mondlandung 1969 erst ermöglichte. Doch die faszinierende wie revolutionäre Technologie sollte einst vorrangig die Herrschaft des Nationalsozialismus festigen. Die in Peenemünde konstruierte „V2“ war eine reine Kriegswaffe, und zur Errichtung und Ausbau der Gebäude auf der Ostseeinsel Usedom wurden zahllose Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge herangezogen. Die Fertigung der V2 ab 1943 im KZ Mittelbau-Dora durch Zwangsarbeiter forderte 20.000 Todesopfer.

Beim Tag des offenen Denkmals bietet auch das eröffnete 1991 Historisch-Technische Museum Peenemünde ein besonderes Programm: Unter anderem wird der Restaurator des Museums, Wolfgang Hofmann, aktuelle und geplante Restaurierungsprojekte im Kraftwerk vorstellen und Einblicke in die Restaurierungswerkstatt gewähren. Auch durch die Dauerausstellung und das technische Denkmal Kraftwerk Peenemünde werden Sonderführungen angeboten. Von 11 bis 16 Uhr werden zudem Schüler der Arbeitsgruppe „Regionalgeschichte“ der Heinrich- Heine-Schule Karlshagen die Ergebnisse ihrer Kooperation mit dem Museum präsentieren. (db, 28.8.15)

Ambivalentes Denkmal: das Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (Bild: Peter Wippermann, CC BY-SA 3.0)