TofD Essen bis Hannover: Wie man sich bettet

In Hannover kann das Kesselhaus der ehemaligen Bettfedernfabrik Werner und Ehlers (Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover-Linden) mit einem 45 Meter hohen Turm auftrumpfen. Zum „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) wird das Kesselhaus, dessen noch vorhandener Kessel bis ins Jahr 1927 zurückreicht, am 10. September von 12 – 18 Uhr zugänglich gemacht, Führungen erfolgen stündlich durch Mitglieder der Kesselhausinitiative. Begleitend gibt es ein Open Air Konzert sowie eine Ausstellung über Leben und Werk von Anton Wilhelm Amo und einen Flohmarkt (Kontakt: Jörg Djuren, Faust e. V., 0511/455001, info@linden-kesselhaus.de)

In Essen wird am TofD von 10 bis 18 Uhr eine „grundrissgleiche Doppelkirche“ aus dem Jahr 1960 geöffnet: Pax Christi (An St. Albertus Magnus 45, 45136 Essen-Bergerhausen. dient als Gedenkstätte für Opfer von Gewalt. Auf dem Boden der Unterkirche sind ca. 1.500 Namen eingeschrieben von Menschen, die von Anderen getötet wurden. Kunstwerke unterstreichen diese Botschaft, z. B. „Der Hörende“ von Toni Zenz. Am 10. September werden Führungen angeboten um 11.15, 15 und 17 Uhr durch den Arbeitskreis der Pax-Christi-Kirche. Zudem stehen auf dem Programm: 10 Uhr Heilige Messe, Rallye durch die Kirche für Kinder und Familien ganztags, 18 Uhr Vesper im Anschluss an die letzte Führung (Kontakt: Pastor im bes. Dienst Heinrich Henkst, Pfarrei St. Laurentius, 0172/2817747, heinrichhenkst@t-online.de; Dorothea Dautzenberg, Arbeitskreis der Pax-Christi-Kirche, 0201/8439223, dorisdautzenberg@hotmail.com). (kb, 28.8.17)

Essen, Pax Christi, 2005 (Bild: wiki05, PD)

TofD im Süden: Wohnen und/oder Arbeiten?

Einst Flugplatz, dann Sportler-Quartier der Olympiade 1972, seit 1973 Wohnstätte für ca. 8.000 Menschen im Olympiapark: Das Olympische Dorf (Helene-Mayer-Ring 7A, 80809 München Milbertshofen/Am Hart) steht seit 1998 unter Denkmalschutz. Als visionäre Verbindung von Privat-, Gemeinschafts-, Arbeits- und Erholungsberiechen werden hier der Auto- und Fußgängerverkehr programmatisch getrennt. Zum „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) zeigt der der Kulturverein Forum2 einige Archivfilme zum Bau des Olympiastadions und des Olympischen Dorfs. Führungen erfolgen um 11 und 14 Uhr durch Architekten und Einwohner, die Kurzfilme (Dauer je ca. eine Stunde) werden um 13 und 16 Uhr im Kulturverein forum2 gezeigt.

Auch Stuttgarter GEDOK-Haus (Hölderlinstraße 17, 70174 Stuttgart) verbindet zeichenhaft Arbeiten und Wohnen unter einem Dach: 1954 plante die Architektin Grit Bauer-Revellio den Bau für die Künstlervereinigung GEDOK als Wohn- und Atelierhaus mit Veranstaltungssaal. 1959 erfolgte ein Erweiterungsbau mit Ballettsaal, im gleichen Jahr zeichnete die Stadt das Haus der Künstlergemeinschaft mit dem Paul-Bonatz-Preis aus. Seit 1992 Kulturdenkmal von besonderem Rang, wurde der Bau bis 2015 aufwendig und denkmalgerecht saniert. Am 10. September 2017 ist das GEDOK-Haus von 13 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen erfolgen nach Bedarf durch Christiane von Seebach, parallel ist in der GEDOK-Galerie eine Kunstausstellung zu sehen (Kontakt: GEDOK Stuttgart e. V., 0711/297812, gedok@gedok-stuttgart.de). (kb, 27.8.17)

München, Olympisches Dorf (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

TofD im Osten: Spuren des 20. Jahrhunderts

Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) gibt es auch im Osten der Republik Spuren des 20. Jahrhunderts zu entdecken: In Berlin wird die Führung „Landschaftsarchitekturen der Ostmoderne im Zentrum Berlins, Bhf. Alexanderplatz“ angeboten. Treffpunkt ist am 10. September 2017 um 14 Uhr die Freitreppe unterm Fernsehturm (10178 Berlin Mitte). Der Gartenhistoriker Axel Zutz (Kontakt: axel.zutz@65.b.shuttle.de) stellt die innerstädtische, teils denkmalgeschützte Grün- und Freifläche Rathausforum/Marx-Engels-Forum vor, die ab 1970 durch das Entwurfskollektiv um Hubert Matthes, Manfred Prasser und Dieter Bankert entstand. In Jena wird am 10. September um 15 Uhr im TRAFO (Schillergäßchen 5, 07745 Jena) die Ausstellung „Ulli Wittich-Großkurth. Plastische Keramik – Keramische Plastik“ eröffnet, die bis zum 1. Oktober zu sehen sein wird. Die 85-jährige Künstlerin prägte mit zahlreichen Werken den öffentlichen Raum zu Zeiten der Ostmoderne.

In Weimar gestalten Studierende (Architektur und Urbanistik) unter dem Titel „Buchenwald-Spuren“ am 10. September 2017 drei Programmpunkte. Aufgearbeitet wurden die Infrastrukturbauten des KZ Buchenwalds, die Häftlingsarbeit und die Gedenkzeichen. Die Studierenden haben Objekte und Orte kartiert und katalogisiert, die in einer Plakatausstellung in den Arkaden des Thüringer Landesverwaltungsamtes gezeigt werden. Eine Fahrradtour führt zu zwölf Stationen und in einer öffentlichen Aktion werden gemeinsam exemplarisch drei Todesmarsch-Stelen gereinigt. Die Termine können online eingesehen werden, Kontakt für Rückfragen: Ortrun Bargholz, ortrun.bargholz@uni-weimar.de, 03643/583529. (kb, 26.8.17)

Und außerdem noch am 10. September:

Halle-Neustadt: Die Geschichtswerkstatt (Hemingwaystraße 19) hat von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Um 10.30 Uhr wird eine Führung durch die große Sporthalle im Bildungszentrum (HP-Schalen!) angeboten (Kontakt: Frank-Torsten Böger
bfdboeger@gmx.de).

Dresden: Zusammen mit ostmodern.org bietet die Werkstatt Baukultur um 10 Uhr eine Führung über den Robotron-Campus (Zinzendorfstraße 5) an (Kontakt Martin Neubacher, TU Dresden, martin.neubacher@.tu-dresden.de; Marco Dziallas, marco@ostmodern.org). Und um 14 Uhr eine Führung auf dem Neustädter Markt (Kontakt: Martin Neubacher, s. o.).

Titelmotiv: Übersichtskarte „Buchenwald-Spuren“ (Bild: Bauhaus-Universität Weimar)